Eon: Trotz Milliardenprofit drohen Einbußen für 33 000 Beschäftigte

- München - Trotz Milliardengewinnen plant der Eon-Konzern offenbar Stellenabbau und Mehrbelastungen für rund 33 000 Mitarbeiter in Deutschland. Den Beschäftigten der Sparte Eon Energie - rund 10 000 davon in Bayern - drohen unbezahlte Mehrarbeit und Gehaltseinbußen, wie diese Zeitung aus Arbeitnehmerkreisen erfuhr.

Schon Ende Januar soll die Konzernleitung ein Maßnahmenpaket abgesegnet haben, das deutliche Einschnitte für die Mitarbeiter von Eon Energie bedeutet. Demnach sollen die Beschäftigten statt 36 Stunden künftig ohne Lohnausgleich 38 oder mehr Stunden in der Woche arbeiten, hieß es in Belegschaftskreisen. Die zusätzliche Arbeitszeit entspreche bundesweit 1600 Arbeitsplätzen, die dann möglicherweise abgebaut werden könnten. In Bayern wären das 400.

Zudem sei die Kürzung oder Streichung des Jubiläumsgeldes geplant, das bislang bis zu 2,5 Monatsgehälter beträgt und für langjährige Betriebszugehörigkeit gezahlt wird. Darüber hinaus sollen die Einstiegsgehälter für neue Mitarbeiter über eine Zuordnung zu niedrigeren Lohngruppen gedrückt werden. Die Maßnahmen könnten ab 2008 erfolgen, hieß es.

Eine Sprecherin von Eon Energie bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass es "Gespräche zwischen den Sozialpartnern" gebe. Um diese nicht zu belasten, äußere man sich aber nicht zu Details. Anlass seien die Belastungen, die durch den verschärften Wettbewerb im Energiesektor aufgetreten seien und noch erwartet würden.

"Sonst kennt man solche Maßnahmen nur, wenn ein Unternehmen in existenzielle Nöte gerät", erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi auf Anfrage. Doch davon kann bei Eon keine Rede sein. Der Konzern hat 2006 bereinigt um Sondereffekte 4,4 Milliarden Euro Gewinn erzielt.

Hintergrund dürfte in erster Linie die Senkung der sogenannten Netznutzungsentgelte sein. Diese Gebühren müssen Stromunternehmen den Energiekonzernen bezahlen, wenn sie Strom durch deren Netze leiten. Um mehr Wettbewerb im Strommarkt zu erzeugen, hat die Regulierungsbehörde eine Senkung dieser Entgelte bestimmt. Eon befürchtet dadurch heuer Einnahmeausfälle in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro, hieß es in Belegschaftskreisen. Diese Belastungen sollen offenbar auf die Mitarbeiter abgewälzt werden.

"Gleichzeitig wird aber die Dividende erhöht", sagte Ulrich Sendl, bei Eon Bayern stellvertretender Betriebsratsvorsitzender für die Region Oberbayern, auf Anfrage. Kürzlich gab der Konzern bekannt, die Ausschüttung an die Aktionäre um 22 Prozent zu erhöhen. "Mit einer Dividendensumme von 2,2 Milliarden Euro gehören wir wieder zu den ausschüttungsstärksten Unternehmen im Dax", jubilierte Eon-Finanzvorstand Marcus Schenk.

Parallel zu den Sparmaßnahmen sollen die sieben Regionalversorgungsunternehmen - unter ihnen Eon Bayern - eine neue Struktur erhalten. Wie der Vorstandsvorsitzende von Eon Bayern, Peter Deml, gegenüber dieser Zeitung bestätigte, gebe es "Ideen zu strukturellen Veränderungen". So stelle man Überlegungen an, "einzelne Funktionen wie Netzservice oder Kundenservice in Tochtergesellschaften auszugliedern". Ziel könnte sein, "auf dieser Plattform dann Partnerschaften einzugehen".

Wie viele Mitarbeiter von Eon Bayern davon betroffen seien, könne man derzeit nicht sagen. "Das muss man im nächsten halben Jahr analysieren", erklärte Deml. Die Pläne seien aber nicht mit Arbeitsplatzverlusten verbunden. Eon Bayern beschäftigt etwa 4000 Mitarbeiter.

Die Gewerkschaft Verdi ruft anlässlich einer Aufsichtsratssitzung bei Eon Bayern für den kommenden Freitag zu einer Demonstration am Hauptsitz des Unternehmens in Regensburg auf. Man wende sich gegen Pläne "zur Zerschlagung und Filetierung von Eon Bayern", heißt es in einem Schreiben. Die Gewerkschaft befürchtet Arbeitsplatzverluste und eine Schwächung der Belegschaftsvertretung durch eine neue Unternehmensstruktur.

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