E.ON verkauft Gazprom-Beteiligung

Düsseldorf - E.ON trennt sich von seiner milliardenschweren Beteiligung am weltgrößten Erdgas-Produzenten, der russischen Gazprom. Den Verkaufspreis für das 3,5-Prozent-Aktienpaket bezifferte der Konzern auf 3,4 Milliarden Euro.

Deutschlands größter Energieversorger will die freiwerdenden Mittel nutzen, um seine Finanzschulden zu senken und den Spielraum für neue strategische Investitionen zu erhöhen, wie Konzernchef Johannes Teyssen am Mittwoch betonte. Der Konzern will künftig vor allem außerhalb Europas wachsen. E.ON war bislang der größte ausländische Teilhaber an dem russischen Gasriesen. Ruhrgas hatte 1998 begonnen, schrittweise Anteile an Gazprom zu erwerben und hielt ab 2003 einen Anteil von rund 6,4 Prozent des Grundkapitals. Die Beteiligung galt zunächst als wichtiges Faustpfand in der Beziehung zu dem russischen Gaslieferanten, der für immerhin rund ein Drittel der deutschen Gasimporte sorgt.

Doch verlor das Aktienpaket in den vergangenen Jahren in den Augen des Düsseldorfer Konzerns an strategischer Bedeutung. Schon 2009 trennte sich das Unternehmen im Zuge der Beteiligung der E.ON Ruhrgas am russischen Gasfeld Yushno Russkoje von einem Aktienpaket in Höhe von 2,9 Prozent. Die restliche Beteiligung galt seitdem nicht mehr als strategisches Investment, sondern nur noch als zur Disposition stehende Finanzbeteiligung.

Teyssen: Keine Änderung der Russland-Strategie

Der Düsseldorfer Konzern betonte, der Verkauf des Aktienpakets bedeute keine Änderung seiner Russland-Strategie. E.ON bleibe weiterhin ein aktiver Investor in Russland sowohl im Strom- als auch im Gasgeschäft. Teyssen erklärte: “Der Verkaufserlös bringt uns unserem Ziel, bis Ende 2013 rund 15 Milliarden Euro durch Desinvestitionen und Portfoliooptimierung zu erzielen, einen großen Schritt näher.“ Der Konzern hatte erst vor wenigen Wochen einen Strategiewechsel angekündigt. Durch den Verkauf beträchtlicher Teile des bestehenden Geschäfts will Teyssen dabei nicht nur den Schuldenberg von fast 45 Milliarden Euro verringern, sondern auch die globale Expansion des Konzerns finanzieren. Den Buchgewinn der Transaktion bezifferte der Düsseldorfer Konzern auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der größte Teil des Aktienpakets wird von der staatlichen russischen Investitionsbank VEB übernommen, die 2,7 Prozent an Gazprom kaufe.

Die Kaufpreiszahlung und die Übertragung der Aktien würden voraussichtlich noch im Dezember erfolgen, teilte E.ON mit. Die verbleibenden 0,8 Prozent seien bereits über den Markt verkauft worden. Nach Informationen der WAZ-Gruppe (Donnerstagausgaben) kritisierte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin den Verkauf der Gazprom-Anteile vor dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft scharf. Auch Teyssen war bei dieser Veranstaltung anwesend. Ungewiss blieb zunächst, welche Wirkung der Verkauf auf die E.ON-Tochter Ruhrgas haben könnte. Seit Monaten versucht Ruhrgas, für die langfristigen Lieferverträge mit Gazprom bessere Konditionen auszuhandeln. “Der Verkauf ändert selbstverständlich nichts an der unverändert guten Partnerschaft“, betonte zwar Ruhrgas-Chef Klaus Schäfer. Doch die Trennung von den Gazprom-Anteilen und Putins Ärger könnten die Verhandlungen nun weiter erschweren. Im Zusammenhang mit der neuen Strategie Teyssens, der angekündigt hatte, alle Unternehmensteile zu überprüfen, waren in Energiekreisen zuletzt auch Spekulationen über einen Verkauf von Ruhrgas laut geworden.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare