E.ON will mit Endesa an die Weltspitze

- Düsseldorf - Der Energiekonzern E.ON strebt mit der geplanten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa im Gas- und Stromgeschäft an die Weltspitze. Zum Preis von insgesamt 29,1 Milliarden Euro in bar will der Düsseldorfer Konzern die Nummer eins auf dem spanischen Energiemarkt schlucken. Es ist die weltweit größte Übernahme auf den Energiemärkten.

Für den Erwerb von 100 Prozent des Endesa-Kapitals biete E.ON einen Preis von 27,50 Euro in bar, teilte das Düsseldorfer Unternehmen am Dienstag mit. Das entspricht einem Aufschlag von rund zwei Euro auf den auf Endesa-Schlusskurs vom Montag.

"Diese Transaktion bringt nicht nur E.ON in eine neue Dimension. Auch für Endesa und ihre Mitarbeiter biete sie entscheidende Vorteile", erklärte E.ON-Chef Wulf Bernotat. Der Manager versprach, dass das Unternehmen als Ganzes erhalten bleibe und die spanischen Verbraucher von dem Zusammenschluss profitieren würden. Mit der Akquisition gehe E.ON einen bedeutenden Schritt zur "Verwirklichung eines einheitlichen europäischen Marktes für Energie", unterstrich Bernotat.

Der E.ON-Chef rechnet nicht mit Einwänden der Kartellbehörden: "Wir erwarten keine Schwierigkeiten, weil es praktisch keine überlappenden Aktivitäten beider Unternehmen gibt", sagte Bernotat bei einer Telefonkonferenz in Madrid.

Gemeinsam kommen E.ON und Endesa auf einen kombinierten Absatz von 608 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom und 945 Milliarden Kilowattstunden Gas. Das Unternehmen werde mehr als 50 Millionen Kunden versorgen und über 107 000 Mitarbeiter beschäftigen. Darüber hinaus schaffe der Zusammenschluss ein Unternehmen mit einer starken Präsenz und einer führenden Wettbewerbsposition in allen wichtigen regionalen Strom- und Gasmärkten Europas.

E.ON hatte nach dem Kauf des Ferngasunternehmens Ruhrgas bei weiteren Zukäufen eine Ruhepause eingelegt und sich auf die Integration von Beteiligungen konzentriert. Gleichzeitig baute der Konzern durch kleine Zukäufe vor allem in Ost- und Mitteleuropa seine Marktstellung aus. Vor einem Jahr kündigte Bernotat an, dass auch größere Schritte möglich seien, wenn sie den Investitions- und Rentabilitätskriterien des Unternehmens entsprechen. Ein Kaufangebot für den Stromkonzern Scottish Power in zweistelliger Milliardenhöhe wurde im vergangenen Jahr vom Management des Versorgers zurückgewiesen.

Auf den großen Energiemärkten in Westeuropa hatte Bernotat auf die südlichen Länder ein Auge geworfen. Dabei geriet vor allem Italien ins Blickfeld. Spekulationen über einen möglichen Einstieg bei der Edison wurden nie bestätigt. Das Unternehmen wurde später von der französischen EdF übernommen.

Der gesamte Unternehmenswert von Endesa, einschließlich der Schulden, Rückstellungen und Minderheitsbeteiligungen des spanischen Versorgers, liegt nach weiteren Angaben von E.ON bei einem Wert von 55,2 Milliarden Euro. E.ON will das Angebot noch am heutigen Dienstag bei der spanischen Kapitalmarktaufsichtsbehörde CNMV einreichen.  Für Endesa hatte zuvor der spanische Konkurrent Gas Natural eine als feindlich eingestufte Offerte von rund 22,5 Milliarden Euro abgegeben. E.ON könnte nun als "Weißer Ritter" einspringen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch wieder etwas vorgewagt. Der Dax nahm erneut Tuchfühlung zur Marke von 11.600 Punkten …
Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Schnell und billig: Das sind die Tricks der Lebensmittelindustrie
München - Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Kartoffeln in der Kantine so perfekt gelb sind? Branchen-Insider Sebastian Lege erklärt das in einer neuen …
Schnell und billig: Das sind die Tricks der Lebensmittelindustrie
Goldman Sachs profitiert von Börsen-Boom nach Trump-Wahl
Gewinnsprung bei Goldman Sachs - die Trump-Rally an den Finanzmärkten füllt der führenden US-Investmentbank zum Jahresende noch einmal kräftig die Kassen. Andere …
Goldman Sachs profitiert von Börsen-Boom nach Trump-Wahl
Rückschlag bei Mifa-Rettung
Neue schlechte Nachrichten bei Mifa: Die Zahlungsschwierigkeiten sind so gravierend, dass der Fahrradhersteller seine Lieferverträge nicht einhalten kann. Viele Jobs …
Rückschlag bei Mifa-Rettung

Kommentare