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Eon erhöht die Strompreise, offiziell um neun Prozent, viele Verbraucher müssen aber über 20 Prozent mehr zahlen.

EON Bayern

Der versteckte Preishammer

München - Der Energie-Riese Eon erhöht die Stromtarife in Bayern ab dem 1. Februar offiziell um "rund neun Prozent". An die 190 000 Kunden, die meisten von ihnen heizen mit Elektrizität, müssen jedoch wesentlich höhere Aufschläge verkraften. Das Unverständnis ist groß.

Zwei Wochen vor Weihnachten fischte Matthias Schmid* unerfreuliche Post aus seinem Briefkasten. Der Absender des Schreibens: Eon Bayern. Der Betreff: "Ihre neuen Preise ab 1. Februar 2009". Die Botschaft: Künftig müsse Müller für jede Kilowattstunde Strom, mit dem er seine Wärmepumpe antreibt, 2,60 Cent mehr an den Regionalversorger überweisen.

"Das Energie immer teurer wird, mag ja sein", sagt der Lehrer aus Unterhaching. Nachdem er ausgerechnet hatte, was ihn die Erhöhung kosten wird, verlor er allerdings jedes Verständnis für die Preispolitik des größten deutschen Energielieferanten. Schmid: "Diese Steigerung ist maßlos."

Mit dem Aufschlag von 2,60 Cent verteuert sich für ihn tagsüber verbrauchter Wärmestrom auf 15,80 Cent je Kilowattstunde. Das entspricht einem Plus von fast 20 Prozent gegenüber dem jetzigen Stand. Zugleich steigt der von 22 bis 6 Uhr gültige Nacht-Tarif auf 12,00 Cent und kostet damit stolze 27 Prozent mehr. Sollte Schmid mit seiner Wärmepumpe weiterhin 15 000 Kilowattstunden pro Jahr ziehen - gut die Hälfte davon in der Nacht - würde ihn das monatlich mit 32,50 Euro zusätzlich belasten. Unterm Strich sind das Mehrkosten von 24 Prozent.

Es trifft nicht nur den 61-Jährigen mit seinem Zweifamilienhaus. In Branchenkreisen ist von 150 000 Kunden die Rede, die von Eon Bayern Strom zum Heizen beziehen. Mit dem lassen sie entweder eine Wärmepumpe laufen, die im Winter anstelle von Gas oder Heizöl für angenehme Temperaturen sorgt. Oder sie speisen damit ihre Nachtspeicheröfen. Alle eint: Ab Februar wird wohlige Wärme spürbar teurer.

"Eon nutzt seine Marktstellung brutal aus", sagt Schmid. Ihn wurmt, dass er seinem Versorger nicht auskommt. Zwar ist ein Wechsel des Anbieters auch für Haushalte möglich, die mit Strom heizen und nicht nur Kühlschrank oder Fernseher betreiben. Sinn macht das aber nicht, denn kein auswärtiger Lieferant kann die Heizstrom-Tarife des lokalen Grundversorgers kostendeckend unterbieten, wie Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen erklärt.

Keine Wechselchance

Aus technischen Gründen können nach den Worten des Energie-Spezialisten nur die heimischen Lieferanten den Verbrauch zeitabhängig abrechnen. Damit haben sie die Möglichkeit, Nachtstrom, der wegen der geringeren Nachfrage im Großeinkauf billiger zu haben ist, günstiger an die Kunden abzugeben als den begehrten Tagstrom. Um die Preise ebenfalls derart zu differenzieren, müssten andere Anbieter komplexe Berechnungen durchführen, deren Aufwand sich nicht rechnet. Die Folge: "Es gibt kaum Wechselmöglichkeiten für Heizstrom-Abnehmer", sagt Krawinkel.

Eon hat die Preisschraube für Heizstrom leise nach oben gedreht. Ende November wies das Unternehmen in einer Pressemitteilung zwar auf anstehende Aufschläge hin. Darin war jedoch nur von einer Teuerung in Höhe von "rund neun Prozent" ab 1. Februar die Rede. Das gilt für den Großteil der zwei Millionen Stromkunden in Bayern - aber nicht für alle.
Nach Informationen unserer Zeitung müssen bis zu 190 000 Haushalte weit mehr als neun Prozent zusätzlich an Eon überweisen. Zumindest solange sie ihren Verbrauch nicht einschränken. Das sind neben den Heizstrom-Abnehmern an die 40 000 Kunden, die vor drei Jahren den Tarif "Eon Basis Power" gewählt hatten. Hier steigt der Arbeitspreis um über 20 Prozent auf 10,46 Cent, was mancher Betroffene angesichts abgestürzter Ölpreise nicht nachvollziehen kann. "Hier wird die monopolartige Marktstellung von profitgierigen Managern schamlos ausgenutzt", schrieb Andreas Berchtold, Eon-Kunde aus Planegg, unserer Zeitung.

Auch Karl-Heinz Zenker aus Hallbergmoos ist verärgert, weil die Betriebskosten seiner Wärmepumpe schlagartig explodieren werden. Fragwürdig findet er, dass Eon die für ihn relevanten Preise unterm Strich um mehr als 20 Prozent anhebt, die Abschlagszahlungen laut Anschreiben aber nur um neun Prozent. "Das sieht so aus, als ob die tatsächliche Erhöhung verschleiert werden soll", sagt Zenker. Wie andere Kunden fürchtet er hohe Nachzahlungen am Ende der nächsten Heizperiode.

Mit Garantie gespart

In Regensburg, am Sitz von Eon Bayern, will man die Abzockvorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Die Preise für Wärmestrom seien seit drei Jahren nicht erhöht worden, sagt ein Sprecher. Das Gleiche gelte für "Basis Power"-Verträge, die Anfang 2006 gegen einen Zuschlag mit einer Preisgarantie bis Ende 2008 versehen wurden. Der Eon-Vertreter betont: "Die Kunden haben in dieser Zeit deutlich sparen können." Jetzt müssten die Tarife an das aktuelle Marktniveau angepasst werden.
Daran kann das Unternehmen niemand hindern. Die staatliche Strompreis-Genehmigung schaffte die Bundesregierung zum 1. Januar 2007 ab. Seitdem soll das Bundeskartellamt verhindern, dass Versorger ihre Marktmacht nicht auf Kosten der Abnehmer nutzen. "Wir sind dabei uns den Wärmestrom-Markt anzuschauen", sagt eine Behörden-Sprecherin. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf einen Missbrauch.

Martin Schmid fühlt sich trotzdem ausgenommen. Seit 28 Jahren nutzt er seine Wärmepumpe, für die Eon in letzter Zeit immer wieder geworben habe. "Nun werden die Betreiber im Sinne der Bankenkrise abgezockt."

Florian Ernst

*Name von der Redaktion geändert.

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