Epcos: Aktionäre in Endzeitstimmung

- München - Nein, auch die Geschenkbox mit Pralinen konnte den rund 900 Aktionären die schlechten Nachrichten des verlustreichen Münchner Bauelemente-Spezialisten Epcos nicht versüßen. Zur Jahreshauptversammlung in der bayerischen Landeshauptstadt musste der angeschlagene Konzern für das Geschäftsjahr 2005 einen Jahresfehlbetrag von 119 Millionen Euro verkünden. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2004 sanken die Umsätze (1,238 Mrd. Euro) um neun Prozent.

Aktionärsvertreter bezweifelten unterdessen die Zukunftschancen des Konzerns: "Es gibt kein Reservat für wettbewerbsunfähige Unternehmen", sagte Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. "Wenn unser Kapital nur verbrannt werden soll, dann muss das Unternehmen verkauft oder zugemacht werden." Neben der schwachen Konjunktur und dem brancheninternen Preiskampf machte der Epcos-Vorstandsvorsitzende Gerhard Pegam auch interne Probleme für das schlechte Abschneiden seines Unternehmens verantwortlich. Man habe die eigene "technologische Leistungsfähigkeit überschätzt".

Auf 33 Millionen Euro beliefen sich die Anlaufkosten bei neuen Produkten. Das Geschäft auf dem Wachstumsmarkt Asien sei im Berichtsjahr ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Ziegler äußerte deutliche Selbstkritik. Nicht nur im Geschäftsbereich Keramische Bauelemente habe es "Schwächen in der kaufmännischen Umsetzung der Geschäftsstrategie" gegeben: "Über nahezu alle Geschäftsbereiche hinweg waren Defizite bei Prognosen und Planungen zu monieren", beklagte Ziegler.

Konsequenz des desaströsen Jahresabschlusses: Epcos habe personelle Maßnahmen ergriffen, sagte Vorstandsvorsitzender Pegam. Auch Qualitätsoffensiven, Sparprogramme und eine Konzentration auf Teilmärkte sollen das Geschäft wieder ankurbeln. In der Wachstumsregion Asien will der Bauelemente-Spezialist durch Kooperationen und Akquisitionen seine Präsenz verstärken. Auch die Fusion mit einem Wettbewerber schloss Pegam nicht aus.

Und erntete zumindest in diesem Punkt Beifall von den Aktionären: Man solle sich einen Zusammenschluss als Option offen halten, bevor das Unternehmen zu unattraktiv werde, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Fehlten dem Vorstand weiterhin Visionen, dann "machen Sie den Weg frei".

Im Geschäftsjahr 2006 will Epcos wieder schwarze Zahlen schreiben. Pegam versprach die "fortlaufende Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit."

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