Epcos streicht: 80 Prozent der Jobs künftig in Billig-Ländern

- München - Epcos zieht es nach Fernost: Der Münchner Bauteile-Spezialist will weiter die Produktion in Billiglohnländer verlegen. Vor allem China liegt hoch im Kurs. Vorstandsvorsitzender Gerhard Pegam hatte bei der Hauptversammlung in München gute Nachrichten für die Aktionäre: Nach langer Flaute in der Hightech-Branche soll vor allem der Handy-Markt für Aufschwung sorgen. Auch Zukäufe seien nicht ausgeschlossen.

<P>"Ein Unternehmen muss Geld verdienen und dies ist in unserem Industriezweig in Deutschland nicht mehr immer möglich", begründete Pegam die bereits in Angriff genommene Verlagerung von Produktionsstätten nach Asien, aber auch Portugal, Brasilien oder Osteuropa. Bereits im November kündigte Epcos an, 800 Arbeitsplätze in den Hochlohnländern bis 2005 abzubauen, 500 davon in Deutschland. So werden Teile der Produktion der Oberflächenwellenfilter von Oberbayern nach Singapur ausgelagert. Wie viele Arbeitsplätze der derzeit 1060 Beschäftigten in der Münchner Produktion dadurch wegfallen, ist noch unklar. Mittelfristig sollen an den Niedriglohnstandorten 80 Prozent der gut 13 000 Epcos-Mitarbeiter 70 Prozent des Wertschöpfungsprozesses leisten. Der Konzernumbau ist Teil der Einsparoffensive bei Epcos, 2002 machte man 72 Millionen Euro Verlust.<BR><BR>Der Geschäftsbericht 2003 wies dagegen einen marginalen Gewinn von sechs Millionen Euro vor Zinsen und Steuern aus. Trotz schlechter Weltkonjunktur, Dollarentwertung und massiven Preisverfalls in der Branche habe Epcos laut Pegam schwarze Zahlen geschrieben. Von den vier Marktsegmenten mache die Produktion der Ferrite noch die meisten Sorgen, dieses Jahr sei die Ertragswende bei den Eisenlegierungen aber möglich.<BR><BR>Für das laufende Geschäftsjahr gab sich der Vorstandsvorsitzende optimistisch. Schon von Oktober bis Dezember 2003 gingen die Auftragseingänge um 12 Prozent nach oben, vor Zinsen und Steuern erwirtschaftete Epcos 12 Millionen Euro. "Wir gehen davon aus, dass wir für das gesamte Geschäftsjahr 2004 eine Umsatzsteigerung sowie eine deutliche Ergebnisverbesserung erzielen werden." Risiken seien allerdings der schwache Dollar und der anhaltende Preisverfall. Den Aufschwung soll neben der Auto- und Unterhaltungselektronik vor allem der Handy-Markt bringen:<BR><BR>11 Prozent mehr Umsatz wird bei Mobiltelefonen erwartet, nicht zuletzt in China. Die Verlagerung in Niedriglohnländer habe laut Pegam eben nicht nur etwas mit den geringeren Produktionskosten zu tun. Dort seien oft auch die Märkte mit den größten Wachstumspotenzialen und viele Epcos-Kunden würden dort produzieren. Der Vorstandsvorsitzende ist sicher: "China wird zunehmend zum weltweiten Produktionszentrum ganzer Industriezweige." Um am asiatischen Markt mithalten zu können, seien Zukäufe nötig. Derzeit habe Epcos keine größeren Unternehmen im Visier, "wir arbeiten aber ständig an diesem Thema", sagte Pegam. <BR></P>

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