Erbe und Steuern: Die besten Tipps

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Wir wollen unseren beiden Kindern aus steuerlichen Gründen bereits zu Lebzeiten unser gemeinsames Haus im Wert von 400 000 Euro überschreiben. Ist das empfehlenswert?<BR><BR>Aus steuerlichen Gründen müssen Sie das nicht tun. Denn jedes Kind hat nach jedem Elternteil einen Freibetrag von 205 000 Euro. Bei einer Erbschaft im Wert von 400 000 Euro wird bei den Kindern also keine Erbschaftsteuer fällig. Bei einer Übertragung sollten Sie sich durch den Vorbehalt eines Nießbrauchsrechts und Rückfallklauseln absichern und diese im Grundbuch eintragen lassen.<BR><BR>Ich habe vor eineinhalb Jahren geerbt, der Steuerbescheid wurde aber noch nicht zugestellt. Wenn jetzt das Erbschaftsteuergesetz geändert wird, kann ich dann nach dem neuen Recht besteuert werden?<BR>Nein, hier gilt Bestandsschutz. Selbst wenn Immobilien in Zukunft höher besteuert werden sollten, bliebe es für Sie beim Alten. Gehört eine Lebensversicherung zur Erbschaft?<BR><BR>Wird in dem Versicherungsvertrag der Begünstigte namentlich benannt, ist die Lebensversicherung nicht Teil des Erbes. Der Begünstigte erhält also die Versicherungsleistung auch wenn er nicht Erbe geworden ist. Mein Vater hat mir vor einem Jahr eine Eigentumswohnung in Dresden hinterlassen. Jetzt musste ich feststellen, dass der Verkehrswert der Wohnung weit unter dem damaligen Kaufpreis liegt. Die Wohnung ist überschuldet. Kann ich die Erbschaft noch loswerden?<BR><BR>Leider können Sie die Annahme der Erbschaft nicht mehr anfechten. Ihnen war bei der Annahme der Erbschaft der genaue Schuldenstand bekannt. Sie haben sich lediglich über den Wert der Wohnung geirrt. Um eine Haftung für die Schulden zu vermeiden, müssen Sie die Durchführung eines Nachlassinsolvenzverfahrens beantragen.<BR><BR><P>Erbengemeinschaft braucht Zustimmung aller</P>Zusammen mit meinen beiden Geschwistern habe ich von unserer Mutter ein Einfamilienhaus geerbt. Wir können uns über die Nutzung des Einfamilienhauses nicht einigen. Ich möchte das Haus verkaufen und das Geld sicher anlegen. Beide Geschwister wollen das Haus in der Familie erhalten. Was kann ich tun?<BR><BR>Sie befinden sich mit Ihren Geschwistern in einer Erbengemeinschaft. Eine Veräußerung des Einfamilienhauses ist nur mit Zustimmung aller Miterben möglich. Sie haben aber die Möglichkeit, das Grundstück gegen den Willen Ihrer Geschwister zu verwerten, in dem Sie die Teilungsversteigerung des Grundstücks beantragen. Meist reicht bereits die Androhung der Versteigerung aus, um die anderen Miterben zum Einlenken zu bringen. Meine Eltern haben sich in einem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt und meine Schwester und mich zu Schlusserben bestimmt. Nach dem Tod meines Vaters hat meine Mutter jetzt in einem neuen Testament nur meine Schwester bedacht. Darf sie das?<BR><BR>Grundsätzlich kann die in einem gemeinschaftlichen Testament angeordnete Schlusserbeneinsetzung der Kinder nach dem Tod eines Ehegatten von dem Überlebenden nicht mehr geändert werden. Etwas anderes gilt jedoch, wenn das Testament vorsieht, dass der überlebende Ehegatte ein neues Testament errichten darf. Die Frage der Abänderbarkeit sollte daher in einem Testament ausdrücklich geregelt werden.<BR><P>Entscheidend ist, was im Grundbuch steht</P>Mein verstorbener Mann hat einen Sohn aus der ersten Ehe, der Pflichtteilsansprüche gegen mich als Erbin geltend macht. Er meint, dass das ganze Haus in den Nachlass meines Mannes fällt. Das kann nicht stimmen, da mir als Ehefrau doch die Hälfte des Hauses gehört, oder? <BR><BR>Wenn Sie mit Ihrem Mann in dem gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben, also keinen Ehevertrag abgeschlossen haben, bedeutet das nicht, dass das ganze Vermögen den Ehegatten je zur Hälfte gehört. Entscheidend ist, wer als Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Wenn Ihr Ehemann als Alleineigentümer im Grundbuch eingetragen war, fällt das gesamte Haus in seinen Nachlass. In diesem Fall würden sich die Pflichtteilsansprüche des Sohnes aus dem Wert des gesamten Hauses errechnen. Meine Ehefrau und ich haben uns in einem Testament gegenseitig als Erben eingesetzt. Unsere Kinder sollen erst erben, wenn der Letzte von uns verstorben ist. Wie können wir ver-hindern, dass ein Kind Pflichtteilsansprüche stellt, wenn der Erste von uns verstirbt? <BR><BR>Sie müssen in das Testament noch eine sogenannte Pflichtteilsstrafklausel aufnehmen. Nach dieser Klausel wird das Kind, das bereits nach dem Tod des ersten Elternteils Pflichtteilsansprüche geltend macht, nach dem Tod des Letztversterbenden nicht Erbe, sondern erhält nur den Pflichtteil. Damit lässt sich die Pflichtteilsgefahr zwar nicht ausschließen, aber deutlich verringern. Mein Mann und ich haben keine Kinder. Werde ich Alleinerbin, wenn mein Mann verstirbt? Er hat noch eine Schwester.<BR><BR>Wenn Ihr Mann kein Testament errichtet, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Dabei erbt neben Ihnen auch die Schwester. Wenn Sie in dem gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, wird die Schwester Miterbin zu einem Viertel. Bei der Gütertrennung erbt sie sogar zu einer Quote von 50 %. Ihr Ehemann muss daher dringend ein Testament errichten, in dem er Sie als Alleinerbin einsetzt. Dann ist die Schwester enterbt und erhält auch keinen Pflichtteilsanspruch. Pflichtteilsberechtigt sind nur die Kinder und der Ehegatte des Erblassers. Die Eltern sind nur dann pflichtteilsberechtigt, wenn der Erblasser keine Kinder hat. Mein Ehemann und ich haben eine Tochter. Er hat aus seiner ersten Ehe noch zwei Kinder, zu denen kein Kontakt besteht. Wir wollen, dass unser Haus später allein auf unsere Tochter übergeht, ohne dass die Kinder aus erster Ehe den Pflichtteil geltend machen können. Mein Mann will daher das Haus jetzt auf mich übertragen. Ist dies sinnvoll?<BR><BR>Nein, Ihr Ehemann darf das Haus nicht auf Sie übertragen. Denn Schenkungen an den Ehegatten lösen Pflichtteilsansprüche der Kinder aus erster Ehe aus, auch wenn die Schenkung schon länger als 10 Jahre vor dem Erbfall zurückliegt. Besser ist es, das Haus direkt an die Tochter zu übertragen. Diese Schenkung wird nach Ablauf von 10 Jahren nicht mehr bei den Pflichtteilsansprüchen berücksichtigt. Ich bin verwitwet und möchte jetzt ein Testament errichten. Was muss ich tun?<BR><BR>Sie können das Testament selbst errichten, müssen es aber handschriftlich abfassen und persönlich unterschreiben. Eine notarielle Beurkundung ist nicht erforderlich. Wichtig ist, dass Sie nicht nur Ihr Vermögen verteilen, sondern dass Sie einen Erben bestimmen oder mehrere Personen zu klaren Quoten als Miterben einsetzen. Daneben können Sie einzelne Vermögensgegenstände im Wege der Teilungsanordnung oder des Vorausvermächtnisses unter den Erben verteilen. Damit das Testament nach Ihrem Tod auch tatsächlich eröffnet wird, sollten Sie es bei der Hinterlegungsstelle des Nachlassgerichts zur Verwahrung abgeben. Kann die Schenkungsteuerbelastung bei der Übertragung von Immobilien durch Nießbrauch oder Rentenzahlungen gemindert werden?<BR><BR>Werden bei einer Immobilienschenkung zum Zwecke der Versorgung der Übergeber Rentenzahlungen vereinbart, sind diese Zahlungsverpflichtungen zumindest anteilig von dem steuerlichen Wert des geschenkten Grundstücks abzugsfähig und reduzieren damit die Schenkungsteuer. Bei einer Grundstücksübertragung unter Nießbrauchsvorbehalt wird dagegen der volle Steuerwert des Grundstücks der Schenkungsteuer unterworfen und es besteht nur eine Stundungsmöglichkeit der auf die Nießbrauchsbelastung entfallenden Schenkungsteuer. <BR><BR>Damit ist die Vereinbarung von Rentenzahlungen (Leibrente, dauernde Last) in der Schenkungsteuer grundsätzlich günstiger als die Übertragung unter Nießbrauchsvorbehalt. Durch die aktuelle Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ergeben sich zusätzlich neue Gestaltungsmöglichkeiten zur einkommensteuerlichen Behandlung der Vermögensübertragung gegen Vereinbarung von laufenden Zahlungen. Ist ein Berliner Testament erbschaftssteuerlich nachteilig?<BR><BR>Bei einem Berliner Testament setzen sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben und die Kinder als sog. Schlusserben ein. Erbschaftsteuerlich kann das Berliner Testament nachteilig sein, da auf die Kinder im Erbfall des erstversterbenden Ehegatten kein Vermögen übergeht und die persönlichen Freibeträge der Kinder nicht genutzt werden. Sofern das Nachlassvermögen die persönlichen Freibeträge des überlebenden Ehegatten übersteigt, führt das Berliner Testament zu einer erbschaftsteuerlichen Doppelbelastung, da sowohl der Erwerb des längerlebenden Ehegatten als auch der spätere Vermögensübergang auf die Kinder der Erb-schaftsteuer unterliegt.

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