Erbschaft, Schenkung, Freibeträge: So lassen sich Steuern sparen

- Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik wurde so viel vererbt wie heute. Allein in diesem Jahrzehnt erben zirka 15 Millionen Haushalte Vermögenswerte im Volumen von rund 2 Billionen Euro. Damit wechselt nach Angaben des Deutschen Instituts für Altersvorsorge fast ein Viertel des gesamten Privatvermögens den Besitzer. Auch der Fiskus freut sich über die Erbschaftswelle: Zirka drei Milliarden Euro spülte sie via Erbschaftsteuer in die Staatskassen. Mit Bedacht erstellte Testamente können verhindern, dass der Geldsegen für den Finanzminister allzu üppig ausfällt.

<P>Nur bei einem knappen Drittel ist die Erbschaft nach Erkenntnis der Deutschen Gesellschaft für Erbrechtskunde überhaupt durch ein Testament geregelt. Bei Vermögen oberhalb der Freibeträge sei die rechtzeitige Planung der Erbfolge bares Geld wert. Wer als Erbe wie viel Steuern bezahlen muss, hängt in erster Linie von seinem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser und von der Höhe des ererbten Vermögens ab. Grundsätzlich gilt: Je enger der Verwandtschaftsgrad, desto höher ist der allgemeine Freibetrag. Was viele nicht wissen, ist, dass der Freibetrag von 205 000 Euro, der jedem Kind zusteht, nicht nur einmal, sondern zweimal genutzt werden kann - beim Tod jedes Elternteils. Darauf macht die Arag-Versicherung aufmerksam. Daher berge das sich so großer Beliebtheit erfreuende Berliner Testament entscheidende Nachteile. Der Freibetrag der Kinder wird nach dem Tod des zuerst verstorbenen Elternteils verschenkt. Außerdem wird hierbei das gesamte elterliche Vermögen zu einem höheren Steuersatz versteuert. Eine Lösung wäre beispielsweise, dass der Ehepartner, der zuerst stirbt, jedem Kind bereits einen Teil seines Vermögens vermacht, der unter dem Freibetrag bleibt.</P><P>Jedes Kind kann Freibetrag doppelt nutzen</P><P>Welche Einsparungen dadurch möglich sind, rechnet Wolfgang Kastner, Präsident der Gesellschaft für Erbrechtskunde, anhand eines Beispiels vor: Ein Arztehepaar besitzt je zur Hälfte eine Eigentumswohnung (Steuerwert 200 000 Euro), ein Zweifamilienhaus (Steuerwert 400 000 Euro) sowie Bar- und Wertpapiervermögen in Höhe von 400 000 Euro. Geht dieses Vermögen zunächst auf den überlebenden Ehegatten und danach auf die einzige Tochter über, hat sich das Vermögen, wenn es die Tochter erreicht, um rund 173 000 Euro Erbschaftssteuer vermindert. Übertragen die Ehegatten dagegen ihr Vermögen in Etappen in Zeitabständen von jeweils zehn Jahren und im Rahmen der steuerlichen Freibeträge, sieht die Rechnung ganz anders aus: Im Alter von 55 Jahren überträgt das Ehepaar das Zweifamilienhaus auf die Tochter, steuerfrei, da im Rahmen der Freibeträge von jedem Elternteil zu jedem Kind.</P><P>Im Alter von 65 Jahren überträgt das Paar die Eigentumswohnung und die Hälfte der Wertpapiere auf die Tochter - steuerfrei, da ebenfalls im Rahmen der Freibeträge. Beim Tod des ersten Ehegatten gehen dann noch 100 000 Euro an Bar- und Wertpapiervermögen auf den überlebenden Ehegatten über, wiederum steuerfrei. Beim Tode des zuletzt versterbenden Ehepartners gehen dann noch die vom Ehepartner ererbten 100 000 Euro sowie das eigene Wertpapiervermögen von 100 000 Euro auf die Tochter über. Dieser Vermögensübergang wäre ebenfalls steuerfrei, wenn seit der letzten Schenkung wiederum zehn Jahre verstrichen sind.</P><P>Es gelten folgende Freibeträge:<BR>- Ehepartner Steuerklasse 1: Allgemeiner Freibetrag 307 000 Euro.<BR>- Kinder (eheliche und nicht eheliche), Adoptiv- und Stiefkinder, Enkel, wenn die Kinder gestorben sind, Steuerklasse 1: 205 000 Euro.<BR>- Urenkel, Enkel (falls sie neben den Kindern erben), Eltern und Großeltern, Steuerklasse 1: 51 200 Euro.<BR>- Schwiegereltern, Stiefeltern, Geschwister, Nichten, Neffen, Schwiegerkinder, geschiedene Ehepartner, Steuerklasse 2: 10 300 Euro.<BR>- Alle anderen: Allgemeiner Steuerfreibetrag 5200 Euro.</P><P>Ein Testament kann eigenhändig oder notariell erstellt werden. Die Gebühren beim Notar halten sich durchaus in Grenzen, wobei nach Angaben der Arag zu beachten ist, dass für Erbverträge oder gemeinschaftliche Testamente die doppelten Gebühren anfallen.<BR></P>

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