Die Erbtante kommt künftig teuer

- Die Erbschaftssteuerreform ist vom Kabinett verabschiedet worden. Während enge Familienangehörige gewinnen, verlieren entfernte Verwandte. Als Verlierer sehen sich auch Unternehmer. Die Bedingungen für einen weitestgehenden SteuerErlass sind ihnen zu hart.

Eigentlich galten die Unternehmer als Gewinner. Denn ihre Steuer wird gestundet und schmilzt nach zehn Jahren auf 15 Prozent ab. Doch nach anfänglichem Jubel mehren sich bei den Wirtschaftsverbänden die Warner - die nun auch in der Koalition Gehör fanden. In einer Protokollerklärung zur Kabinettssitzung forderten Agrarminister Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Michael Glos Nachbesserungen.

Die Gesetzespläne sehen vor, dass Betriebserben die Steuer auf 85 Prozent des Firmenvermögens in zehn Jahresschritten erlassen werden kann. Dabei gelten jedoch zwei Bedingungen: Die Lohnsumme darf 70 Prozent ihrer Höhe vor dem Erbfall nicht unterschreiten und der Betrieb muss 15 Jahre erhalten bleiben. Seehofer kritisiert, diese Frist sei zu lang. Zudem sei das Kriterium der Lohnsumme "zu kompliziert". Er sieht vor allem die Landwirtschaft benachteiligt. Auch der Chef der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, kündigte Widerstand an. Der gestern verabschiedete Entwurf sei "ein Rohling, den ich nicht sonderlich ernst nehme", sagte er. Der Rest der Reform ist weniger umstritten. Die meist höhere Steuer auf Immobilien wurde ausgeglichen - aber nicht für alle.

Die Gewinner:

- Vor allem Freibeträge steigen deutlich an:

- Bei einem Ehepartner erhöht sich der Allgemeine Freibetrag von 306 000 auf 500 000 Euro. Insgesamt können sogar bis zu 806 000 Euro steuerfrei sein (Tabelle).

- Bei Kindern sind es statt 205 000 künftig 400 000 (mit den weiteren Freibeträgen bis zu 505 000) Euro.

- Auch erbende Enkel, Eltern, Großeltern und Urgroßeltern werden entlastet.

- All diese Gruppen profitieren auch durch die erhöhten Grenzen der Tarifstufen. Der Steuersatz steigt von sieben auf 30 Prozent (wie bisher). Die Grenzen, bei denen die Steuersätze steigen, wurden großzügig aufgerundet. Beim niedrigsten Steuersatz von 52 000 auf 75 000 Euro. Ein Enkel, der alle Freibeträge ausschöpft, zahlt bei einer Erbschaft von 300 000 Euro 3290 Euro ans Finanzamt. Bei 400 000 Euro sind es 16 178 Euro, bei einer Million sind es 112 050 Euro.

- Eingetragene Lebenspartner kommen künftig in den Genuss der Freibeträge die auch Ehepartner haben. Doch von allem, was darüberliegt, nimmt der Staat mindestens 30 Prozent. Vermögen über sechs Millionen Euro werden mit 50 Prozent besteuert. Doch gehören Lebenspartner bei Erbschaften selbst im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zu den Gewinnern der Reform.

Die Verlierer:

- Bei Fremden steigt der Freibetrag von 5200 auf 20 000 Euro. Stärker noch steigt die Belastung. Bei Erbschaften knapp über 50 000 Euro ist der Vorteil dahin.

- Schlimmer noch ist es bei Erbschaften zwischen Geschwistern sowie bei Neffen und Nichten, Schwiegerkindern, Schwiegereltern und zwischen Geschiedenen. Deren Erbschaftssteuersätze lagen bisher zwischen 12 und 40 Prozent. Sie sind künftig Fremden gleichgestellt. Bei einer Erbschaft von 100 000 Euro sind dann 20 400 Euro Steuern fällig, bei 200 000 Euro 50400 und bei 500 000 Euro 140 400 Euro.

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