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Biogas als Alternative zu russischem Erdgas? Ein Landwirt macht es vor

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Von: Patricia Huber

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Mais vor einer Biogasanlage
Mais wird häufig in Biogas-Anlagen genutzt - doch dafür ernten Bauern auch Kritik. © Martin Wagner/Imago Images

Biogas wird immer wieder als Ersatz für Erdgas gehandelt. Ein Landwirt aus Schleswig-Holstein versorgt schon jetzt die Bewohner seines Dorfes mit Energie.

Klein Offenseth-Sparrieshoop - Unabhängigkeit von russischer Energie: Das wünschen sich seit Beginn des Ukraine-Krieges* viele Deutsche. Auch die Regierung arbeitet dazu unter Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) an einem Plan. Einfach wird der Weg in die Unabhängigkeit aber nicht: So machte Erdgas im Jahr 2021 mehr als ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs aus. Über die Hälfte dieser Gas-Menge kam aus Russland. Jetzt stellt sich immer wieder die Frage nach Alternativen – und hier kommt ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein ins Spiel.

Biogas: Ein Landwirt versorgt sein Dorf mit Energie

Denn ein Großteil der Bürger in der Gemeinde Klein Offenseth-Sparrieshoop bei Elmshorn lebt bereits unabhängig von Wladimir Putins* Gas. Verantwortlich dafür ist der Landwirt Rainer Bonnhoff. Er errichtete schon im Jahr 2006 seine eigene Biogasanlage, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Heute kann er mit der daraus gewonnenen Energie, der sogenannten Nahwärme, etliche Privathaushalte, das Gemeindezentrum, die Feuerwehr, die Schule, die Sporthalle und die Rosenbaumschule versorgen.

Ein Importstopp von russischem Gas dürfte das kleine 3000-Seelen-Dorf deshalb recht unberührt lassen. Denn Bonnhoff kann dank seiner Biogasanlage immer Wärme liefern. „Die sind hier alle tiefenentspannt“, erklärt der Landwirt. Denn: „Sollte es Hart auf Hart kommen, könnte das gesamte Dorf völlig autark heizen.“ Eigentlich könnte Bonnhoff sogar 8000 Haushalte mit seinem Biogas versorgen, die 1000 in seinem Ort seien daher „ein Witz“.

Biogas: Erdgas-Ersatz sorgt auch für Kritik

Der Fachverband Biogas erklärte gegenüber RND, dass die Produktion von Biogas in fünf bis zehn Jahren verdoppelt werden könnte - wenn die Politik mitspielt. Dadurch würde sich etwa die Hälfte der Gasimporte aus Russland ersetzen lassen. Doch die Politik hält sich bei der Förderung dieser Energieform zurück. Das mag unter anderem daran liegen, dass Biogasanlagen immer wieder in der Kritik stehen. Denn neben Gülle und Mist werden sie auch mit nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Mais betrieben. Die verschiedenen Bestandteile werden dann zum Gären gebracht, wodurch Methan entsteht. Das kann dann zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht Biogas nicht als Alternative zum Erdgas. „Denn der Anbau von Energiepflanzen verdrängt die Nahrungsmittelproduktion und jeder weitere Druck auf natürliche Ökosysteme gefährdet die Artenvielfalt“, heißt es auf der Website. Lediglich ein Biogas aus Reststoffen wäre „ökologisch vertretbar“. Doch diese gibt es nur in geringen Mengen. (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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