Mit Erdgas auf der Überholspur

- München - Wer (Erd-)Gas gibt, kann sich derzeit nicht nur über vergleichsweise niedrige Spritkosten freuen. Schließlich gilt für den umweltschonenden Kraftstoff bis vorerst 2020 ein reduzierter Mineralölsteuersatz. Auch bei den Gesamtverbrauchskosten (Sprit, Steuer, Versicherung) spare das erdgasbetriebene Fahrzeug im Unterschied zu vergleichbaren Diesel- oder Benzinermodellen rund 3,5 Cent pro Kilometer, sagt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle: "Wer jährlich 15 000 Kilometer zurücklegt, kommt immerhin auf 525 Euro Ersparnis."

Eon und ESB locken mit geldwerten Vorzügen

Mehr als 30 000 Erdgasautos sind gegenwärtig in Deutschland zugelassen. Um von den umweltfreundlichen Gas-Flitzern zu profitieren, muss der Verbraucher allerdings erst einmal tief in die Tasche greifen: "In der Neuanschaffung ist ein Erdgasauto um rund 2000 bis 5000 Euro teurer als ein herkömmliches Modell", sagt ADAC-Experte Oesterle. Zwischen 2500 und 4500 Euro kostet die Umrüstung eines Benziners. "Diese Startkosten unbedingt einkalkulieren", rät Oesterle. "Das muss der Verbraucher schließlich alles wiederreinfahren."

Um ihren Kunden den Umstieg auf Erdgas zu erleichtern, bieten mittlerweile viele regionale Energieversorger Bonusprogramme an - so zum Beispiel die Eon Bayern AG und Erdgas Südbayern (ESB).

600 Kilogramm Erdgas verspricht Eon all jenen Fahrern, die bis zum 31. Dezember diesen Jahres im Netzgebiet von Eon Bayern oder der Ferngas Nordbayern erstmals einen PKW mit Erdgasantrieb anmelden - egal ob Neuwagen oder umgerüsteter Benziner. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 6 Kilogramm Gas pro 100 Kilometer reicht das Guthaben für rund 10 000 Kilometer Wegstrecke. Zwei Jahre Zeit hat der Fahrer, um die Freimenge mit Hilfe einer speziellen Checkkarte einzulösen. Diese gilt jedoch nur an den bislang vier unternehmenseigenen Eon-Tankstellen in Schwandorf, Neunburg vorm Wald, Burglengenfeld und Roding. Deutschlandweit können Erdgasautos rund 650 Tankstellen anfahren.

Wer darüber hinaus sein Auto mit zwei Eon-Bayern-Aufklebern versieht, erhält ein Navigationssystem im Wert von 499 Euro oder eine Geldprämie von 250 Euro.

Nicht nur an Einsteiger richtet sich das Angebot von ESB. Noch bis Jahresende zahlt der Energiekonzern Autofahrern, die ein Erdgasfahrzeug im Versorgungsgebiet zulassen, eine einmalige Startprämie von 400 Euro. Wer ESB-Kunde ist und dauerhaft mit Erdgas fährt, dem kommt auch für die heimische Gasversorgung ein völlig neuer Tarif zu Gute. Der "ESB Fahr & Spar" bringt geldwerte Vorteile: Der Jahresrechnung werden 1000 Kilowattstunden Energiebonus gutgeschrieben.

Sorgen bereiten den Anbietern der umweltfreundlichen Technik allerdings die Steuerpläne des Bundesfinanzministeriums. Zwar hat ein Erdgasauto einen um 20 bis 25 Prozent geringeren CO2-Ausstoß als Diesel- oder Benzinfahrzeuge. Trotzdem soll einem Gesetzentwurf zufolge die Steuerermäßigung, die dem Kraftstoff Erdgas bislang einen Preisvorteil an der Zapfsäule verschafft, schon 2015 auslaufen statt erst 2020. Und das, obwohl Erdgas inzwischen "auf jeden Fall" eine Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffarten geworden ist, wie ADAC-Experte Oesterle findet: "Unsere Erdgasressourcen sind endlich, aber noch deutlich höher als beim Erdöl."

Die Bonusprogramme: Eon-Infohotline (0180) 4 19 20 45. ESB-Kundencenter (01805) 29 11 11.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie
Überraschung in der Flugzeugindustrie: Airbus steigt bei der C-Serie des kanadischen Konkurrenten Bombardier ein. Der Coup ist politisch delikat - denn Bombardier ist im …
Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie
Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger sind am Dienstag in den letzten Handelsminuten in Deckung gegangen. Der Dax beendete den Tag 0,07 Prozent tiefer bei 12 995,06 Punkten.
Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten
Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler
Je länger sich die Brexit-Verhandlungen hinziehen, desto schwieriger wird es für Unternehmen zu planen. Deshalb macht die Wirtschaft zunehmend Druck. Vor allem die …
Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler
Staat verdient mehr an Rauchern
Wiesbaden (dpa) - Der deutsche Fiskus hat mehr an Rauchern verdient. Im dritten Quartal wurden 7,2 Prozent mehr versteuerte Zigaretten produziert als im …
Staat verdient mehr an Rauchern

Kommentare