Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der türkische Finanzminister Berat Albayrak am 27. Oktober 2018
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Der türkische Präsident Erdogan (li.) reagiert dünnhäutig auf eine Kampagne der Opposition 

Skurriler Streit

Erdogan: Türkischer Präsident verbietet Nachfrage nach einer Zahl - Opposition kontert mit Mathe-Trick

  • Markus Hofstetter
    vonMarkus Hofstetter
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geht drastisch gegen eine regierungskritische Kampagne vor. Es darf nicht mehr nach der Zahl 128 gefragt werden.

Istanbul/Ankara - Recep Tayyip Erdogan reagiert äußert dünnhäutig auf eine Kampagne der Oppositionspartei CHP. Diese sei „von Anfang bis Ende gelogen und falsch“, sagte der türkische Präsident am Mittwoch bei einer Fraktionssitzung im Parlament in Ankara. Was Erdogan so in Rage bringt ist eine simple Frage, die auf teils hausgroßen Plakaten gestellt wird: „Wo sind die 128 Milliarden?“ Auch in den sozialen Medien läuft die Kampagne sehr erfolgreich unter dem Hashtag #128milyardolarnerede (Wo sind die 128 Milliarden Dollar).

Kampagne gegen Erdogan: Wo sind 128 Milliarden Dollar abgeblieben?

Gemeint in der Kampagne sind Devisenreserven der türkischen Zentralbank in Höhe von 128 Milliarden Dollar, die nach Ansicht der CHP in der Amtszeit des ehemaligen Finanzministers Berat Albayrak verschwunden sein sollen. Pikant dabei ist nur nicht die Höhe der angeblich verschwundenen Gelder, sondern auch die Person Albayrak. Denn dabei handelt es sich um Erdogans Schwiegersohn.

Erdogan nimmt die ganze Sache persönlich. „Nichts ist verloren“, sagte er bereits im März und bezeichnete die CHP-Kampagne als einen Angriff auf seine Familie. Das Geld sei „weder verpufft, noch auf unfaire und ungerechte Weise in jemandes Tasche gelandet“, sondern sei etwa zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und zur Deckung der Nachfrage nach Devisen ausgegeben worden.

Video: Erdogan: Mehr als zweiwöchiger Lockdown in der Türkei

Kampagne gegen Erdogan: Anzeige gegen Verantwortliche erstattet

Die Regierung geht auch gegen die Verantwortlich der Kampagne vor. Gegen sie wurde eine Anzeige mit dem Vorwurf der Präsidentenbeleidigung erstattet. Die Plakate selbst verschwanden in Istanbul aus der Öffentlichkeit, sie wurden nach Angaben der CHP abgehängt. Mitglieder der Oppositionspartei kritisierten, dass die Polizei dabei nicht nur mit Kränen, sondern auch mit Panzerwagen anrückte.

Die Opposition gab sich nicht geschlagen. Als die Erwähnung der Zahl 128 verboten wurde, hängte sie Plakate mit der Frage „Und wo ist die Hälfte von 256 abgeblieben?“ auf. Doch auch diese wurden schon bald abgerissen.

Erdogan steht derzeit auch unter Druck, weil der Kurs der türkischen Lira heftig abrutscht. Grund ist, dass er den Notenbankchef Naci Agbal gefeuert hat, nachdem dieser den Leitzins erhöht hatte. Die Entlassung Agbals ist bereits der dritte Führungswechsel an der Spitze der Notenbank in den vergangenen zwei Jahren. 

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