Erfinder: Der steinige Weg zum Markt

- Starnberg - Er war Wissenschaftler und Angestellter. Dennoch schaffte es Bernd Gombert aus Grafrath, sieben Firmen - rund um eigene Erfindungen - zu gründen und zu verkaufen. Obwohl er damit ein Vermögen machte, hat ihm der achte Anlauf beinahe das Kreuz gebrochen. Gewissermaßen in letzter Sekunde fand er einen Investor. "Noch ein Jahr länger, dann wäre ich Pleite gegangen", sagt er.

<P>Dabei ist Gomberts jüngste Erfindung einfach. Man kennt das Prinzip von der Pferdekutsche: Ein Keil zwischen Rad und Radkasten gerammt - und die Kutsche hält. Eine einfache Bremse mit eingebautem Verstärker, denn die Bewegung des Rades verstärkt die Bremskraft - bis der Keil blockiert. Nachteil: Eine blockierende Bremse ist nicht steuerbar. Deshalb lassen die meisten Ingenieure von diesem Prinzip lieber die Finger. Wenn aber Stellmotoren und Sensoren den Keil so steuern, dass er gerade nicht blockiert, dann klappt es auch im Auto. Das ist Gomberts Idee. Der Rest war Detailarbeit bis hin zu erfolgreichen Prüfstand-Tests.<BR><BR>Das Ergebnis ähnelt herkömmlichen Antiblockiersystemen - mit einem entscheidenden Unterschied: Dort muss die Bremsenergie zugeführt werden. Das zehrt beim Auto an Lichtmaschine und Batterie. Dagegen liefert eine Taschenlampenbatterie für Gomberts E-Stop-Bremse bereits Strom im Überfluss. Das System nutzt die überflüssige Bewegungs-Energie des ohnehin gebremsten Rades.<BR><BR>Eine Idee, die sich durchsetzen müsste, möchte man meinen. Im Gegenteil: "Wenn ich nicht viel privates Vermögen gehabt hätte, hätte das nicht geklappt", berichtete Bernd Gombert bei den Starnberger Management-Tagen, über seine Odyssee nach der Gründung im Jahr 2000. Als er sich ans bayerische Wirtschaftsministerium um Hilfe wandte, kam nichts Ermutigendes: "Sie wollen in Wettbewerb zu Bosch und Conti treten", wurde ihm vorgehalten. "Das schaffen Sie nicht."<BR><BR>Auch die Ochsentour um Risiko-Kapital blieb erfolglos. 180 Kapitalgeber hat Gombert abgeklappert. Keiner wollte sieben Jahre warten, bis Geld zurückfließt. So griff Gombert in die eigene Tasche, zahlte sieben Ingenieure (zurzeit sind es zehn), einen Labortechniker und einen Buchhalter. Das Geld hätte nicht mehr lang gereicht.<BR><BR>Doch dann kam dem Gründer das Glück des Tüchtigen zu Hilfe: Er gewann auf der Hannover-Messe 2004 den Hermes Award, mit 100 000 Euro einen der höchstdotierten Technologiepreise der Welt. Das brachte ihm nicht nur einen Händedruck von Kanzler Gerhard Schröder ein, sondern auch Interessenten. <BR><BR>Suchte Gombert im Frühjahr noch Investoren, sind mittlerweile die Verträge mit einem strategischen Partner unter Dach und Fach. Wer das ist, hält Gombert noch geheim. Aber dass seine Bremse demnächst in Autos eingebaut wird, ist er sicher. Und auch in Mountain-Bikes oder Aufzüge. Denn sie funktioniert bei allem, was gebremst werden muss. So wird aus der Beinahe-Pleite doch noch eine Erfolgsstory: 40 Beschäftigte bis zum Jahresende stehen in den Geschäftsplänen und 2000 bis zum Jahr 2009. <BR><BR>Wie hält man dies so lange durch?" Wegen des Geldes macht man das nicht", sagt Gombert. "Bestätigung ist sehr wichtig." Aber auch das Durchhaltevermögen. "Grundsätzlich ist man auf sich allein gestellt", sagt er. Weil viele Erfinder nicht den nötigen langen Atem haben, landen viele gute Ideen in Schubladen. Nicht nur zum Schaden der Erfinder. "Die einzige Antwort auf die gegenwärtige Krise des Landes ist Innovation", sagt Gombert. Nur davon sei der Wohlstand abhängig. "Man kann nur hoffen, dass viele Erfindungen aus Deutschland kommen und auch bei uns umgesetzt werden", sagt Gombert, hat aber Zweifel daran: "Wir sind nicht gerade technikfreundlich aufgestellt." Doch sei dieses Problem nicht neu: "Auch Rudolf Diesel hat sich schwer getan."<BR></P>

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