Erfolg mit der inflationsfreien Weltwährung

Mittelstand im Blickpunkt: - München - Sie handeln mit Gold, Silber und Platin. Zwei Ex-Banker haben sich in das Geschäft mit Edelmetallen gestürzt und wollen mit "pro aurum" Deutschland bekehren.

"Manche Menschen träumen von großen Taten, andere sind wach und führen sie aus" - dieser Spruch hängt in einem kleinen Besprechungszimmer einer ehemaligen Bankfiliale in Bogenhausen. Dort residieren gar nicht prunkvoll die "Herren der Edelmetalle" - zwei ehemalige Banker, die sich derzeit wie im Traum fühlen, aber tatsächlich Großes vollbracht haben. Ihre Firmen\-idee war im wahrsten Sinne ein "Goldgriff". Mit ihrem Dienstleistungsunternehmen "pro aurum" gehören Robert Hartmann und Mirko Schmidt mittlerweile zur Elite der Edelmetallhändler.

Ihre Filiale in der Grillparzerstraße platzt aus allen Nähten, erst vor wenigen Tagen haben sie noch ein Nebengebäude dazugemietet. "Wir mussten Stundenpläne für die Mitarbeiter erstellen, damit sich niemand in die Quere kam", erzählt Mirko Schmidt (36) während er mit zwei Handwerkern die nächsten Schritte bespricht. "Mit diesem Boom hätten wir nicht gerechnet."

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagten die beiden 2003 nachdem sich ihr damaliger Arbeitgeber, wie viele andere Banken auch, aus dem aufwändigen und damit wenig lukrativen Geschäft mit Gold, Silber, Platin und Palladium zurückgezogen hatte. Der Anfang als privater und unabhängiger Handelspartner war hart: "Wir saßen hier zu dritt in unserem Büro und nichts tat sich", erinnert sich Robert Hartmann (41), nicht einmal das Telefon habe geläutet. Erst als sie mit professioneller Hilfe die Werbetrommel rührten, ging es bergauf. "Nach unserer ersten Pressekonferenz standen die Telefone nicht mehr still. Das war der eigentliche Auftakt", so Hartmann. Der Markt zu den Privatkunden hatte sich geöffnet, die mittlerweile 70 Prozent des Kundenstammes ausmachen. Banken und Vermögensverwalter teilen sich den Rest.

"Kompetenz spricht sich rum", weiß Schmidt. Und die sollen Kunden bei "pro aurum" bekommen. So steht beispielsweise immer ein Spezialist am Schalter, der Münzsammlungen sofort bewerten und Empfehlungen geben kann. "Hausbanken brauchen dafür sehr viel länger", sagt der 36-Jährige. Noch unkomplizierter laufen die Geschäfte übers Internet, die seit zwei Jahren online abgewickelt werden dürfen. "Unser Online-Shop war ein Meilenstein im Edelmetallhandel", erklärt Schmidt. Erst habe ein Gesetz geändert werden müssen, das den Handel als "rechtsverbindliches Geschäft" beschreibt und so eine Rückgabe ausschließt.

Nachahmer haben sich im oft undurchsichtigen Netz schnell gefunden. "Auf billigste Weise" werde man kopiert, ärgert sich Schmidt. Sein Geschäftspartner nimmt es sportlich, schließlich sei diese Entwicklung auch ein Zeichen von Anerkennung. "Der Markt für Edelmetalle ist überschaubar", sagt Hartmann, "und wir arbeiten mit nahezu allen etablierten Namen zusammen." Plumpe Nachahmungsversuche würden schnell auffallen. "Wir setzen auf Qualität, Konstanz und Transparenz", betont der 41-Jährige.

Die Mission der beiden Unternehmer: Den Edelmetallhandel in Deutschland wiederbeleben und als Kompetenzzentrum wahrgenommen werden. Nach den vielen negativen Entwicklungen auf dem Aktienmarkt habe sich das Image von Gold in den vergangenen Jahren zum Positiven gewandelt, es sei eine echte Alternative. "Wer Geld auf dem Konto liegen hat, verliert jeden Tag etwas an Wert", sagt Schmidt. Gold dagegen brauche keine Zinsen, es sei immer werthaltig, behalte seine Kaufkraft und werde weltweit als Währung akzeptiert. Nicht umsonst sei das Gold der Ursprung des Geldes.

Das Geschäft mit "pro aurum" floriert. Zusammen mit einer zweiten Filiale in Berlin beschäftigen Schmidt und Hartmann derzeit 21 Mitarbeiter. Das Denken und Planen in diesen Dimensionen komme einer zweiten Neugründung gleich. "Wir bauen zwar gerade um und richten zusätzliche Arbeitsplätze ein", sagt Hartmann. Aber alle Möbel und technischen Anlagen seien so konstruiert, dass sie problemlos mit umziehen können in das größere Gebäude, das die beiden bereits jetzt suchen.

Die Ex-Banker starten beruflich richtig durch - doch privat seien sie bodenständig geblieben, betonen beide. Es gäbe keine Luxus-Limousinen oder Pracht-Villen. "Luxus wäre es vielleicht, wenn ich mehr Zeit für meine Familie aufbringen könnte", sagt Hartmann.

Das Privatleben habe in der letzten Zeit arg gelitten, geben die beiden Familienväter zu. "Man fühlt sich wie auf der Autobahn", beschreibt Schmidt, "man gibt Vollgas und man nimmt nichts anderes mehr wahr als die Arbeit." Doch auch dafür haben die Gold-Experten eine Lösung gefunden: "Wir haben Verträge mit unseren Frauen geschlossen", erklärt Schmidt lachend. In denen sei genau geregelt, wann sie um 14 Uhr zu Hause sein müssen und an welchen Tagen sie bis spät in die Nacht arbeiten können - ohne schlechtes Gewissen.

>>> Mittelstand im Blickpunkt: Alle Folgen der Serie im Überblick

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