Erfolg von Tochter Qimonda bringt Infineon in Erklärungsnot

- München - Der Erfolg der Speicherchiptochter Qimonda bringt den Halbleiterkonzern Infineon in Erklärungsnot. Im abgelaufenen Geschäftsjahr profitierte Infineon stark von den sprudelnden Gewinnen bei Qimonda, während das neue Kerngeschäft schwächelte. Dennoch will sich der Chipkonzern komplett von seiner Tochter trennen, die im Sommer in den USA an die Börse gebracht wurde. "Da gibt es kein Zurück", sagte ein Infineon-Sprecher am Mittwoch in München.

Experten rechnen dennoch mit weiteren Diskussionen. Die IG Metall sieht sich durch die jüngsten Ergebnisse in ihrer Kritik an der Zerschlagung des Konzerns bestätigt.

Infineon will komplett aus dem schwankungsanfälligen Speichergeschäft aussteigen und sich ganz auf das stabilere Geschäft mit Logikchips für Kunden zum Beispiel in der Autoindustrie und der Telekommunikations-Branche konzentrieren. Dazu wurde Qimonda im Sommer - wenn auch mit Hängen und Würgen - an die US-Börse gebracht. Noch hält Infineon rund 85 Prozent der Qimonda-Anteile. Trotz der derzeit guten Entwicklung bei der Tochter will Infineon aber weiter komplett aussteigen. "Das ist die Basis unserer strategischen Neuausrichtung", sagte der Infineon-Sprecher.

Im Geschäftsjahr 2005/06 (30. September) konnte Qimonda das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) auf 213 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Zum Vergleich: Der gesamte Infineon-Konzern dürfte vor allem auch wegen der Probleme in der Kommunikationssparte nach der Pleite des Großkunden BenQ Mobile nur auf ein EBIT von etwa 20 Millionen Euro gekommen sein. Unter dem Strich wird sogar ein satter Verlust erwartet. Ohne die Gewinne aus der Speichersparte hätte es also noch düsterer ausgesehen für Infineon.

Der Qimonda-Umsatz wuchs dank gestiegener Chippreise um ein Drittel auf 3,8 Milliarden Euro. "Wir haben größere Fortschritte gemacht als ursprünglich geplant", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh. So gibt es Lob von allen Seiten. "Qimonda ist auf gutem Weg", sagt auch Infineon-Aufsichtsrat Wigand Cramer von der IG Metall. Der Speicherspezialist konzentriere sich erfolgreich auf margenstärkere Produkte, statt einfach nur den Umsatz in die Höhe treiben zu wollen. Die derzeitige Situation aber zeigt nach Einschätzung der Gewerkschaft, dass die Aufspaltung der falsche Schritt ist. Mit Hilfe der Speichergewinne könne Infineon die Verluste in der Kommunikationssparte ausgleichen. Dieses Korrektiv werde künftig fehlen.

Chip-Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck freut sich vor allem, dass Qimonda schneller geworden ist und den technologischen Rückstand gegenüber Konkurrenten aufgeholt hat. Dies sei sicher auch eine Folge der größeren Unabhängigkeit. Dennoch sind die derzeitigen Fortschritte bei Qimonda nur eine Momentaufnahme. Die Speicherpreise seien in den vergangenen Wochen schon wieder gefallen, die Branche befinde sich noch immer in einem zyklischen Abschwung, sagt Analyst Kitz. "Es bleibt ein unberechenbares Geschäft." Daher sei die Begründung für die Aufspaltung weiterhin gerechtfertigt.

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