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Erfolge blieben aus: Kippen Großaktionäre den Escada-Chef?

München - Escada rutscht immer tiefer in die Krise. Jetzt wackelt offenbar der Stuhl von Vorstandschef Jean-Marc Loubier. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass ihn schon bald der frühere Boss-Chef beerbt.

Die Ansage ist unmissverständlich: "Wir messen das Management an Resultaten", sagt der Sprecher des Escada-Großaktionärs Finartis gegenüber dieser Zeitung. "Das haben wir bereits gezeigt." Gut möglich, dass das Beteiligungsunternehmen mit Sitz in Genf heute erneut einen Beleg dafür liefern wird.

Denn vertraut man den Berichten der vergangenen Tage und den Einschätzungen von Analysten, dann wird beim Treffen des von Finartis dominierten Aufsichtsrates der Vorstandsvorsitzende Loubier seines Amtes enthoben.

Der unscheinbare Franzose mit den runden Brillengläsern hat kaum Gelegenheit gehabt, sich zu beweisen. Gerade mal dreizehn Monate im Amt, versuchte er bislang ohne erkennbaren Erfolg, die Versäumnisse seiner Vorgänger aufzuholen. Wenig attraktive Kollektionen, das unterentwickelte Geschäft mit lukrativen Accessoires, unrentable Filialen und wenig effiziente Geschäftsabläufe gelten als wesentliche Gründe für die anhaltende Schwächephase des Münchner Unternehmens. Während der Markt für Luxusmode weltweit boomt, fällt Escada seit Jahren mit niedrigen Erträgen und Umsatzzuwächsen aus der Reihe.

Das von Loubier angestoßene Sanierungsprogramm "Excellence" hat daran nichts geändert. Auf den ersten Blick hat sich die Lage sogar verschlechtert: Das im Oktober 2007 zu Ende gegangene letzte Geschäftsjahr schloss Escada bei rückläufigen Umsätzen erstmals seit 2003 wieder mit roten Zahlen ab. Grund dafür waren allerdings vor allem hohe Einmalausgaben für den Unternehmensumbau und ein steuerlicher Sondereffekt, wie Loubier betonte.

Im laufenden Jahr ist jedoch keine Trendwende in Sicht. Vergangenen Freitag musste das Unternehmen zum zweiten Mal binnen zehn Wochen die selbst gesteckten Geschäftsziele nach unten korrigieren. Der Umsatz werde wegen des schwierigen Marktumfelds wohl um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz sinken, hieß es in einer Mitteilung.

Außerdem werde nach Abzug von Steuern ein Verlust anfallen. Im Dezember hatte Loubier am Firmensitz in Aschheim noch versprochen, Erlöse und Ergebnis "leicht" zu steigern. Die Aktie brach am Freitag um 15 Prozent auf etwa 14 Euro ein. Seit Loubiers Antritt hat das Papier mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Am Montag berichteten sowohl das "Handelsblatt" als auch die "Financial Times Deutschland", dass die Tage des Vorstandsvorsitzenden bei Escada gezählt sind. Kommentieren wollte das auf Nachfrage dieser Zeitung aber weder das Unternehmen noch Aktionäre oder Aufsichtsräte. Gegen den Abgang spricht, dass der Manager von Rustam Aksenenko installiert wurde.

Der Russe ist Hauptgesellschafter von Finartis, die in den vergangenen Jahren ein Viertel der Escada-Anteile erworben hat und damit größter Aktionär ist. Loubier, der bei der letzten Hauptversammlung mehr Geduld gefordert hatte, soll seine Strategie eng mit ihm abgestimmt haben.

Andererseits verliert Aksenenko schnell die Geduld, bleibt der Erfolg aus. Loubiers Vorgänger Frank Rheinboldt drängte er ebenfalls nach einem Jahr aus dem Unternehmen, weil er rasche Fortschritte vermisste. Darüber hinaus sprechen Gerüchte über einen Einstieg des Tchibo-Miteigners Michael Herz gegen Loubier: Angeblich soll der Investor in Absprache mit Aksenenko bereits zehn Prozent der Escada-Aktien aufgekauft haben. Herz soll aber auf Bruno Sälzer als neuen Escada-Chef bestehen, und zwar schon ab 1. Juli. Sälzer war vor wenigen Monaten als Chef von Hugo Boss zurückgetreten und gilt als einer der profiliertesten deutschen Modemanager.

Der Einstieg von Herz und dem charismatischen Sälzer wären gute Nachrichten für das angeschlagene Unternehmen, urteilen Branchenkenner. Die Schwächen bei Escada wären damit aber längst nicht aus der Welt geschafft. Analysten der Deutschen Bank schrieben in einer am Sonntag veröffentlichten Studie über Escada: "Weder das aktuelle noch ein anderes Management-Team ist in der Lage die Probleme des Unternehmens schnell zu lösen."

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