Erfolgsbeteiligung für Mitarbeiter in Deutschland nur die Ausnahme

- München - Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer ist ein Erfolgsrezept. So gewinnt man Leistungsträger oder hält sie im Betrieb. Doch deutsche Unternehmen glauben in der Regel, ohne diesen finanziellen Ansporn auszukommen. Nur rund jedes elfte Unternehmen lässt die Belegschaft am Erfolg teilhaben.

Diese Zahl ergab das Betriebspanel des der Bundesagentur für Arbeit zugeordneten Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. In Kleinbetrieben mit bis zu 49 Beschäftigten gibt es Mitarbeiterbeteiligung lediglich in acht Prozent der Betriebe. Von 50 bis 249 Beschäftigten sind es bereits deutlich mehr: 23 Prozent. In Unternehmen mit 250 bis 499 Beschäftigten 28 Prozent und ab 500 Beschäftigten sogar 34 Prozent.

Wegen der großen Zahl der Kleinbetriebe schlägt diese auf das Gesamtergebnis von neun Prozent (Anteil an Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung) durch. Daher ist die Studie international nur beschränkt vergleichbar. Es gibt zwar zwei Erhebungen, EPOC und Cranet, die entsprechende Zahlen international vergleichen. Aber diese erfassen nur Betriebe ab 50 (EPOC) und 200 Beschäftigten (Cranet).

Dennoch liegt Deutsch- land auch bei diesen Erhebungen im hinteren Mittelfeld. 13 Prozent (ab 50 Beschäftigte) bis 18 Prozent (ab 200 Beschäftigte) der jeweils erfassten Unternehmen haben eine Erfolgsbeteiligung eingeführt. In Frankreich sind es 57 bis 84 Prozent, in Großbritannien 30 bis 40 Prozent, in den Niederlanden 14 bis 55 Prozent. Allerdings wird in diesen Ländern die Gewinnbeteiligung staatlich gefördert.

In Frankreich ist sie für viele Unternehmen sogar verpflichtend. Allerdings sind Unterschiede beim gesetzlichen Rahmen allein noch keine Erklärung für die geringe Verbreitung gewinnab-hänger Gehaltsbestandteile in Deutschland. Bemerkenswert ist der Vergleich von deutschen Unternehmen mit deutschen und ausländischen Eigentümern (das sind immerhin drei Prozent aller Betriebe). Das Ergebnis: In allen Größenklassen sind hier die Chefs eher bereit, den Mitarbeitern vom Gewinn etwas abzugeben als in entsprechenden von einheimischen Eigentümern geführten Unternehmen.

Schon bei den Betrieben mit bis zu 49 Beschäftigten schütten 28 Prozent der Unternehmen in ausländischer Hand an die Mitarbeiter Prämien für den Erfolg aus. Das ist eine Quote, die von Deutschen geführte Unternehmen erst bei einer Betriebsgröße zwischen 250 und 499 Beschäftigten erreichen. Bei ausländisch geführten Unternehmen bis 249 Beschäftigten sind es 49 Prozent, bis 499 sind es 47 Prozent und bei den Großen ab 500 Beschäftigten sogar fast zwei Drittel: 65 Prozent.

Dabei könnten sich die Mehrausgaben durchaus lohnen. Das IAB verweist auf Leistungsanreize und eine stärkere Identifikation des jeweiligen Mitarbeiters mit seiner Arbeit, die auch zu verbesserten Arbeitsprozessen führen. Dazu lassen sich mit einer Gewinnbeteiligung leichter überdurchschnittlich begabte und produktive Mitarbeiter ansprechen. Durch eine geringere Fluktuation sinken auch die Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten. Insgesamt können Betriebe, so das Institut, bei dem zu erwartenden Fachkräftemangel "durch die verstärkte Nutzung von gewinnabhängiger und kapitalbasierter Entlohnung einen Wettbewerbsvorteil erringen".

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