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Erich Sixt hält das Steuer fest in der Hand. Der Chef von Deutschlands größter Autovermietung (und der Nummer drei in Europa) denkt nicht an Rückzug. „Mir tut jedes Sixt-Auto, das steht, weh“, sagt er.

Autovermietung

Das Erfolgsrezept des Erich Sixt

München - Sixt hat erneut ein Rekordergebnis eingefahren, schüttet so viel Dividende aus wie noch nie und will weiter wachsen. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des Münchner Familienunternehmens?

Rudolf Rizzolli war Manager großer Autohandelsunternehmen. Jetzt ist er Vorstand von Sixt Leasing. So kennt er beide Seiten – als Verkäufer von Autos und als Großkunde. Gemeinsam mit Konzernchef Erich Sixt bot er gestern Einblicke in die Erfolgsrezepte des Unternehmens und eine Erklärung dafür, warum es – gestern erneut mit einem Rekordergebnis – von Erfolg zu Erfolg eilt.

Wer erfolgreich verhandeln will, sollte die Kalkulation seiner Partner kennen. Als Beispiel nennt Rizzolli Motoröl. Ein Händler berechnet für einen Liter 24 Euro. Sein Einkaufspreis liegt aber zwei Euro. Wer diese Spanne kennt, kann verhandeln und bessere Preise erzielen. Drückt Sixt den Preis in Richtung zwei Euro für den Liter? „Nein“, sagt Erich Sixt. „Auch die Händler müssen leben“. Und: „Es ist meist ein guter Weg, wenn man sich in der Mitte trifft.“

Verhandelt wird nicht nur der Ölpreis. Das Unternehmen hat, wie Sixt sagt, „Datenbanken über alle Autoteile“. Wer Ersatzteilpreise jederzeit überprüfen kann, hat bei Geschäften mit Werkstätten regelmäßig die Trümpfe in der Hand. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn man den größten deutschen Fuhrpark managt.

Natürlich weiß Sixt auf dieser Basis auch, wie die Autobauer kalkulieren. Das und die schiere Marktmacht des größten deutschen Autovermieters, ermögliche es ihm, Konditionen auch beim Autokauf zu erzielen, von denen andere Kunden nur träumen können. Aus einem Wissensvorsprung wird ein Preisvorteil. Dadurch kann die Leasing-Tochter des Vermiet-Konzerns in ihrem Online-Angebot die Raten unterbieten, die Hersteller und ihre Banken von ihren Kunden fordern – was Rizzolli an seinem Laptop begeistert vorführt.

Wissen, wie andere rechnen: Diese Kernkompetenz von Sixt zieht sich wie ein roter Faden durch alle Geschäftsbereiche des Autodienstleisters, vom Leasing über das Flottenmanagement, bis zum Hauptgeschäft, der Autovermietung.

Das Unternehmen verdient daran gut. Von jedem der 1,65 Milliarden Euro, den Sixt 2014 umgesetzt hatte, blieben nach Abzug der Kosten 9,5 Cent Vorsteuergewinn, also 157 Millionen Euro – 14 Prozent mehr als 2013. Nach Steuern waren es 110 Millionen Euro. Davon werden 58 Millionen an die Aktionäre ausgeschüttet. Das ergibt pro Stammaktie eine Rekord-Dividende von 1,20 Euro.

Sogar die gemeinsame Car Sharing-Tochter mit BMW, Drive Now, ist seit Frühjahr 2014 profitabel. Doch auch alles andere läuft: Vor allem das Leasing-Geschäft wächst rasant. Auch das Vermietgeschäft in den USA und Frankreich boomt gerade. Das einzige, was dabei Anlass zur Sorge gibt, ist, dass durch die notwendigen Fremdmittel für das Wachstum die Eigenkapitalquote von derzeit 26,4 Prozent (2013: 28,5 Prozent) unter die Untergrenze von 20 Prozent fällt – die Erich Sixt gesetzt hat.

Aus diesem Grund prüft das Unternehmen zur Stärkung des Eigenkapitals derzeit einen Börsengang der Leasing-Tochter, die bereits eine eigenständige Aktiengesellschaft ist. Entschieden ist aber, wie der Vorstandschef betont, noch nichts.

Eine weitere Folge des Wachstumskurses ist Personalbedarf. „Wir suchen händeringend Führungskräfte“, sagt Sixt. Rund 100 braucht das Unternehmen jedes Jahr. Die gesuchten „Unternehmertypen“, wie Sixt sagt, rekrutiert das Unternehmen bevorzugt aus Fachhochschulen. Universitätsabsolventen seien durch Praxisferne verdorben, lästert der bekennende Studienabbrecher.

Als zweiten Grund für den Erfolg sieht Sixt den bestimmenden Einfluss einer Familie auf die Firma. „Familien achten auf den längerfristigen Profit“, sagt er. Auch seine Frau Regine sowie die Söhne Alexander und Konstantin sind in der Konzernführung tätig. Die Familie hält auch 61 Prozent der Aktien – und hat damit ohnehin ganz allein das Sagen auf der Hauptversammlung.

Sixt selbst, der diesen Sommer 71 Jahre alt wird, zeigt keine Neigung, sich aus dem aktiven Geschäft zurückzuziehen. Mit den Worten: „Ich tue jetzt das, was ich am liebsten mache“, verabschiedet er er sich nach der Bilanzpressekonferenz – und fährt zurück in die Sixt-Zentrale nach Pullach.

Von Martin Prem

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