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Erneut in der Kritik: Ergo-Versicherung soll Kunden falsch beraten haben.

Ergo: Fehlberatung bei Lebensversicherungen

Hamburg - Für die Ergo-Versicherung kommt es immer schlimmer. Nach falsch berechneten Riester-Policen und Schlagzeilen wegen einer Sex-Party für Mitarbeiter sollen nun auch noch Lebensversicherungs-Kunden falsch beraten worden sein. Doch wie können sich Kunden schützen?

Jetzt auch noch die Lebensversicherungen: Nachdem die Ergo-Versicherungsgruppe bereits einräumen musste, dass sie die Kosten bei rund 14 000 Riester-Verträgen zum Nachteil der Kunden falsch berechnet hatte, soll es nun zahlreiche Fälle falscher Beratung bei Lebensversicherungen geben. Ergo bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Financial Times Deutschland“ (FTD) wonach im Jahr 2009 Kunden der Victoria-Versicherung, die eine beitragsfrei gestellte Lebensversicherung hatten, empfohlen wurde, diese aufzulösen und das Geld in eine spezielle Unfallversicherung zu stecken. Die Victoria-Versicherung ist inzwischen in der Ergo-Gruppe aufgegangen. 

Dass die Kunden mit diesem Vorgehen Steuervorteile und hohe Zinsen von teilweise vier Prozent für eine laut Experten wenig sinnvolle Alternative aufgaben, sei verschwiegen worden. Insgesamt hätten 2000 bis 4000 Kunden ihre Versicherungen gekündigt, schreibt die FTD. Diese Zahlen wollte eine Ergo-Sprecherin nicht kommentieren. Man habe bei einer internen Untersuchung aber „keine Systematik gefunden“. Unklar sei auch, ob es eine ungewöhnliche Häufung von Kündigungen beitragsfrei gestellter Lebensversicherungen in diesem Zeitraum gegeben habe. Ergo-Mitarbeiter sprechen hingegen laut FTD davon, dass systematisch und „auf Anweisung von oben“ diese Kunden angesprochen wurden. Laut Ergo habe der zuständige Vorstand, nachdem erste Hinweise auf einzelne Fälle vorlagen, diese Praktiken im August 2009 untersagt. Allerdings sei man nicht sicher, ob bei jeder der betroffenen Beratungen auch die Nachteile transparent gemacht wurden.

Hajo Köster, Justiziar beim Bund der Versicherten (BdV), glaubt hingegen nicht an Einzelfälle. „Es würde mich wundern, wenn alle Vermittler gleichzeitig unabhängig auf diese Idee gekommen wären.“ Grundsätzlich habe jeder Versicherungsnehmer Anspruch auf ein Beratungsprotokoll. Mit dem ließe sich nun nachvollziehen, ob auch über die Nachteile aufgeklärt wurde. Doch laut Ergo hätten einige Kunden darauf verzichtet. Hier wird Köster deutlich: „Nur wenn man blöd ist, verzichtet man aufs Protokoll.“

Köster sieht im Fall Ergo eine Vertrauenskrise für die gesamte Branche. „Wer gibt mir die Garantie, dass die anderen das nicht auch so machen?“, fragt der Jurist. Grundsätzlich gelte, dass die Versicherungen in vielen Fällen nicht ordentlich beraten würden. „Deshalb muss man die Versicherten in die Pflicht nehmen“, sagt Köster. „Bevor man unterschreibt, muss man sich fragen: Was ist das überhaupt und habe ich das alles verstanden?“ Wenn nicht, müsse man nachfragen. Außerdem sollte man sich stets alles schriftlich geben lassen – auch wenn der Versicherungsvertreter der Nachbar oder ein Bekannter sei. 

Köster empfiehlt zudem, sich vor dem Abschluss einer Versicherung immer unabhängig beraten zu lassen. Dafür könne man entweder beim BdV Mitglied werden, sich an eine Verbraucherzentrale wenden oder eine Honorarberatung in Anspruch nehmen. Für eine unabhängige Honorarberatung müsse man zwischen 130 und 150 Euro pro Stunde rechnen.

Philipp Vetter

 

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