+
Will sein Unternehmen fit für die digitale Zukunft zu machen: Ergo-Chef Markus Rieß. Foto: Rolf Vennenbernd

Personalabbau bis 2020

Versicherungskonzern Ergo streicht 1800 Jobs in Deutschland

Düsseldorf - Der Versicherungskonzern Ergo will massiv Stellen in Deutschland streichen. Hintergrund sind umfangreiche Sparanstrengungen und die Neuausrichtung des in die roten Zahlen gerutschten Unternehmens.

Die Gewerkschaft Verdi spricht von einem "brutalen Programm". Der Düsseldorfer Versicherungskonzern Ergo will mehr als 1800 Jobs in Deutschland streichen. Dem geplanten Abbau von rund 2400 Vollzeitstellen vorwiegend im Vertrieb stehe die Schaffung von 565 Stellen im Digitalbereich gegenüber, teilt die Gewerkschaft Verdi in Düsseldorf mit.

Das Unternehmen bestätigte diese Zahlen. Angesichts einer hohen Teilzeitquote könnten rund 3000 Beschäftigte von den Streichungen betroffen sein, sagte Verdi-Sprecher Frank Fassin. "Das ist ein brutales Programm", sagte er. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen vor, einen Nachholbedarf bei den Investitionen und Probleme mit den Niedrigzinsen auf die Beschäftigten abwälzen zu wollen.

Ergo kündigte dagegen an, den bis 2020 geplanten Personalabbau möglichst sozialverträglich gestalten zu wollen. Nach Angaben von Verdi entfallen zwei Drittel des geplanten Personalabbaus auf den Vertrieb. "Die Höhe ist überraschend hart", sagte Fassin.

Die Tochter des weltgrößten Rückversicherers Munich Re zählt in Deutschland rund 14 300 Vollzeit-Stellen. Der Jobabbau soll allein das deutsche Geschäft des Konzerns treffen. Über die konkrete Umsetzung der Einschnitte sei noch nicht entschieden, hieß es.

Ziel sei, das Unternehmen fit für die digitale Zukunft zu machen, kündigte der seit September amtierende Ergo-Chef Markus Rieß an. Mit Investitionen und anderen Ausgaben von gut einer Milliarde Euro bis 2020 will Rieß die Computersysteme auf die Anforderungen der Internet-Welt ausrichten. Den Vertrieb will er durch Zusammenlegungen und den Rückzug aus 18 dezentralen Standorten in Deutschland deutlich straffen.

Der Konzern plant auch eine Abwicklung der klassischen Lebensversicherung. Rund 1000 Mitarbeiter, die eine Beschäftigungsgarantie bis 2021 erhalten, sollen künftig das Altgeschäft verwalten. Die junge Tochter Ergo Vorsorge soll sich um neue Lebensversicherungsprodukte mit weniger Garantien kümmern. Insgesamt geht es bei der Abwicklung den Aussagen zufolge um rund 5 Millionen Policen.

Wegen der Umbaukosten etwa für Abfindungen erwartet Ergo in diesem Jahr sein zweites Verlustjahr in Folge. 2017 soll es wieder einen deutlichen Gewinn geben, ab 2021 das Nettoergebnis mehr als 500 Millionen Euro erreichen. Dazu sollen die jährlichen Kosten bis 2020 brutto um 540 Millionen und netto um 280 Millionen Euro sinken.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Berlin - Nun wird allmählich offiziell, was sich schon länger andeutete: Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wird es auch 2017 nichts.
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Düsseldorf - Über 1800 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren in Düsseldorf auf der weltgrößten Wassersportmesse „Boot“ wieder ihre Produkte vom Surfbrett bis zur …
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet
Frankfurt/Main - Nach dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Aktienkurse in die Höhe geschossen. Doch nun kommen bei Anlegern die Sorgen zurück. Denn niemand weiß genau, …
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet

Kommentare