Eon erhöht wieder die Gaspreise und schlüsselt erstmals auf warum

- München - Etwa eine Million Privatkunden von Eon müssen ab Januar erneut deutlich mehr für Erdgas bezahlen. Sechs von sieben Regionalversorgern, darunter auch Eon Bayern, werden die Preise um rund zehn Prozent erhöhen, wie der Energieriese bekannt gab. Um zu zeigen, dass die Aufschläge nicht unrechtmäßig sind, gewährt der Konzern weitere Einblicke in seine Preissetzung. Verbraucherschützer zweifeln jedoch an den vorgelegten Zahlen.

"Die Erhöhung ist keine Gewinn steigernde Maßnahme", sagte der Vertriebsvorstand von der Konzernsparte Eon Energie, Bernhard Reutersberg, in München. Nach seinen Worten dient der erneute Preissprung allein dazu, die gestiegenen Beschaffungskosten auszugleichen. Dabei handelt es sich um die Kosten, die Eon aufwenden muss, um aus dem Ausland eingeführtes Gas zu kaufen. Diese seien seit Anfang 2004 wegen des weltweit kontinuierlich wachsenden Bedarfs an Gas um 70 Prozent in die Höhe geschossen, erklärte Reutersberg.

Wegen der neuen Preisrunde, die bereits von den Kartellbehörden genehmigt wurde, müssen unter anderem die 53 000 privaten Gaskunden von Eon Bayern ab dem neuen Jahr 5,5 Cent für eine Kilowattstunde entrichten. Das sind um 0,5 Cent mehr als bislang, was einen Durchschnittshaushalt (Verbrauch: 20 000 kWh) monatlich 8,30 Euro mehr kosten wird. Zuletzt hatte Eon Bayern die Entgelte im August um zehn Prozent und im Oktober 2004 um sechs Prozent angehoben. Auch damals hatte der Konzern mit den Bezugspreisen und mit dem steigenden Ölpreis argumentiert, an den das Gasentgelt gekoppelt ist.

Wie schon bei den letzten Preisrunden erwartet Bernhard Reutersberg weitere Proteste von Kunden und Verbraucherschützern. "Ich gehe davon aus, dass es eine neue Welle geben wird", sagte der Energiemanager. Bislang haben ca. 30 000 Eon-Kunden an einer Musterbriefaktion teilgenommen, die unter anderem von den Verbraucherzentralen und dem Bund der Energieverbraucher (BDE) unterstützt wird. Teilnehmer zahlen dabei die Preiserhöhungen nur zum Teil oder unter Vorbehalt und begründen dies damit, dass die geforderten Aufschläge nach § 315 des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht "billig", also überzogen sind. Bundesweit haben sich laut BDE bis zu 500 000 Privatkunden an der Aktion beteiligt, die sich auch gegen andere Versorger richtet.

Um der Protestbewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Eon am Mittwoch aber nicht nur die Preiserhöhung bekannt gegeben. Der Konzern hat auch für fast alle seine regionalen Gasversorger Zahlen veröffentlicht, die zeigen sollen, wie die Entgelte gesetzt werden. "Wir suchen die Öffentlichkeit und wollen das Vertrauen unserer Kunden in uns stärken", sagte Reutersberg. Die Preise seien "fair", die Gewinnspanne von Eon Bayern liege bei 0,05 Cent je kWh, so der Vertriebschef, "das bewegt sich am unteren Ende der bei vergleichbaren Geschäftstätigkeit üblichen Renditen". In Hamburg hatte die Tochter Eon Hanse im Rahmen eines Musterverfahrens wegen zu hoher Preissteigerungen bereits im November die Kalkulation aufgedeckt.

Verbraucherschützer betrachten die veröffentlichten Zahlen jedoch kritisch. Ob sie nachweisen, dass die Erhöhungen billig waren und sind, sei auf den ersten Blick nicht zu erkennen, sagte der Energiefachmann des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Holger Krawinkel, auf Nachfrage. Dies müssten Experten prüfen. Krawinkel: "Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass die Importpreise stärker gestiegen sind als die Verbraucherpreise."

Die Preis-Kalkulation von Eon: www.eon-bayern.de

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