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Erhöhung der Mehrwertsteuer: Die Preiskurve zuckt schon

- München - Handel und Industrie vermeiden den Hieb auf die Pauke: Statt die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel mit einem Mal auf die Preise zu schlagen, geben manche Unternehmen die drei Prozentpunkte teilweise schon jetzt still und leise an die Verbraucher weiter. Manche Kosmetikartikel, Versandwaren oder Handy-Verträge kosten deswegen heute schon mehr.

Doch nicht alles soll teurer werden. Massive Aufschläge quer durch alle Sortimente wie von Verbraucherschützern befürchtet, haben die Statistiker des Statistischen Bundesamts im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung zwar nicht feststellen können. "In der Masse haben wir noch nichts Außergewöhnliches beobachtet", sagt Timm Behrmann, der bei der Wiesbadener Behörde die Preise zahlreicher Produkte und Dienstleistungen beobachtet.

Doch in einzelnen Gruppen wie Drogerieartikeln habe es durchaus Veränderungen nach oben gegeben. Das bestätigt auch der Kölner Wirtschaftsdienst Preiszeiger, der unter anderem das Preisniveau von Drogeriemärkten vergleicht. "Schon seit Dezember hat es deutlich mehr Preissteigerungen als -senkungen gegeben", sagt Geschäftsführer Andreas Breitbart. Damit scheint sich zu bestätigen, was das "Handelsblatt" berichtete: Der Verband der Drogeristen habe seinen Mitgliedern empfohlen, die Preise vor dem 1. Januar 2007 zu erhöhen. Doch es bleibt nicht nur bei Zahnpasta und Duschgel.

Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft unter 2000 Unternehmen ergab, dass 40 Prozent planen, ihre Preise noch im laufenden Jahr heraufzusetzen. Bei Waren des Versandhandels oder neuen Handy-Verträgen sei das längst geschehen, sagte Wolfgang Twardawa von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung kürzlich. In der Modebranche sind laut dem Marktforschungsinstitut die Preise von Strumpfhosen gestiegen. Und nach Angaben der Beratung Mercer drehen auch Baumärkte schon jetzt an der Preisschraube.

Für die vorgezogenen Aufschläge gibt es nach Ansicht von Handelsexperten zwei Gründe. Zum einen sei es logistisch nur schwer möglich, ein Sortiment mit hunderten Artikeln binnen kurzer Zeit umzupreisen, wie Preisanzeiger- Chef Breitbart erklärt. Zum anderen erfolgt die Umstellung schon jetzt still und leise, weil die Unternehmen befürchten, dass sich die Konsumenten sonst verweigern. GfK-Spezialist Twardawa: "Ein Preisschock zu Beginn des Jahres muss unbedingt vermieden werden." Doch zu dem wird es nicht überall kommen.

So haben einige Handelsunternehmen wie Karstadt-Quelle, C&A oder Norma angekündigt, die Steuererhöhung nicht auf die Kunden abzuwälzen, weil dies der harte Wettbewerb nicht zulässt. Auch der viertgrößte deutsche Reiseveranstalter Alltours hat vor, die drei Prozent mehr selber zu schlucken. Diesen Weg wollen sich die Einzelhandelsriesen Metro (Real, Media Markt) und Rewe (Penny, ProMarkt) wegen der geringen Gewinnmargen zwar nicht leisten.

Doch rechnen beide Unternehmen nicht damit, dass sie die vollen drei Prozent an die Kunden weitergegeben können. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass Mehrwertsteuererhöhungen auf Hersteller, Kunde und Händler verteilt werden, heißt es bei Metro. Ein Norma-Sprecher sagte: "Bei uns werden die Kunden nicht teurer einkaufen als beim Wettbewerber."

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