Erleichterungen für Bauern bei Dürreschäden

- Berlin - Von der wochenlangen Dürre geschädigte Landwirte können auf einige finanzielle Erleichterungen hoffen. Ein Bund-Länder-Sofortprogramm vereinbarten die Agrarminister der neuen Länder sowie Niedersachsens und Schleswig-Holsteins mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium aber vorerst nicht.

Es gebe nach einer ersten Bilanz wohl aber regional bis zu 50 Prozent Ernteausfälle, sagte Staatssekretär Gert Lindemann vom Bundeslandwirtschaftsministerium der dpa nach einem Treffen in Plau (Mecklenburg-Vorpommern).

Lindemann erläuterte, die Bauern könnten generell Kredite der landwirtschaftlichen Rentenbank in Anspruch nehmen. Beiträge für die Sozialversicherungen der Mitarbeiter, Steuern sowie Pachtzahlungen an den bundeseigenen Flächenvermarkter BVVG und die Länder könnten gestundet werden. Nach Abschluss der Getreideernte soll neu über weitere Hilfen beraten werden.

Der Deutsche Bauernverband forderte dagegen ein Sofortprogramm des Bundes. Die jetzigen Niederschläge könnten die zum Teil drastischen Ausfälle bei der Ernte von Getreide und Raps durch die Dürre nicht mehr ausgleichen, hieß es am Mittwoch im aktuellen Erntebericht. Besonders stark habe die Sommergerste gelitten, die meist als Braugerste angebaut wird. Auch bei Weizen, Raps und Kartoffeln werden Einbußen erwartet.

Die Ernte des Winterweizens - der wichtigsten Getreideart in Deutschland - wird nach Einschätzung des Bauernverbands von 23,3 auf 21 Millionen Tonnen zurückgehen. In Sachsen und Thüringen gebe es regional Einbußen von bis zu 45 Prozent im Vorjahresvergleich. Bei Winterraps rechnen die Bauern trotz größerer Anbaufläche mit einer Ernte von 4,7 Millionen Tonnen gegenüber 5,0 Millionen im Vorjahr. Kritisch sei die Lage vor allem in Ostdeutschland und Schleswig-Holstein.

Aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) brauchen die deutschen Landwirte wegen des Klimawandels neue Anbaustrategien. Statt in regelmäßigen Abständen Dürre- oder Hochwasser-Krisensitzungen abzuhalten, sollte über die Beendigung klimaschädlichen Verhaltens und über mögliche Anpassungsstrategien gesprochen werden, forderte der Bundesvorstand der AbL. Die Forschung dazu stehe noch ganz am Anfang. Stärker diskutiert werden müsse über standortangepasste Pflanzen, Änderungen beim?Anbauzeitpunkt und die Beschaffenheit der Pflanzensorten. Auch neue Anforderungen an die Pflanzenzüchtung, Änderungen in der Düngung und ein Wechsel zu wassersparenden Bodenbearbeitungssystemen seien wichtige Themen der Zukunft.

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