Die Ermittler kamen im Morgengrauen

Bonn - Seit Jahren gilt Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel als einer der angesehenen und mächtigsten deutschen Spitzenmanager. Nun droht der gelbe Titan kurz vor dem regulären Ende seines Vertrages spektakulär vom Sockel zu stürzen.

Völlig überraschend standen am Donnerstag im Morgengrauen Fahnder vor seiner Villa in Köln und seinem Büro hoch oben im 40. Stock des Post Towers, der Konzernzentrale in Bonn. Mehrere Stunden lang wurden die Gebäude durchsucht. Der Vorwurf: Zumwinkel soll bei Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen eine Million Euro an Steuern hinterzogen haben.

Laut Medienberichten soll das Vermögen der betreffenden Stiftung zuletzt mehr als zehn Millionen Euro betragen haben. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegt habe, sein Vermögen in Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.

Gegen den Vorstandsvorsitzenden des Dax-Konzerns erging Haftbefehl, der jedoch gegen Kaution außer Vollzug gesetzt wurde. Zumwinkel war aus seinem Privathaus von Fahndern im Polizeiwagen zur Vernehmung mit nach Bochum genommen worden. Am frühen Abend durfte er nach Hause zurückkehren. Ungeachtet aller Vorwürfe bleibt Zumwinkel im Amt, er führe die Geschäfte "wie gewohnt" weiter, teilte die Deutsche Post mit.

Der 64-jährige Zumwinkel wurde bislang als seriöser und umsichtiger Wirtschaftsführer weithin geschätzt. Skandale gab es nicht. Wo Zumwinkel war, wurde meistens von Erfolgen berichtet. Als Vorstandschef stand er nie in Frage. Nun wirft die Steuerfahndung einen Schatten auf die Lichtgestalt.

Bei dem Verdacht handelt es sich mitnichten um "Peanuts", die einfach weggelächelt werden könnten. Denn egal, um wie viel privates Geld es gehen mag: Im Raum steht der strafrechtlich relevante Vorwurf der Steuerhinterziehung gegen den Staat.

Zumwinkel hat als Vorstandschef der Deutschen Post in den vergangenen Jahren gut verdient. Neben seinem Grundgehalt bezieht er Bonuszahlungen und Aktienoptionen. Für negative Schlagzeilen sorgte Zumwinkel, als er Ende 2007 auf einen Schlag eigene Aktien der Post für 4,73 Millionen Euro veräußerte. Zumwinkel bedauerte später - nach starkem öffentlichen Druck - den Schritt und nannte den Zeitpunkt falsch. Der Kurs der Postaktie war zuvor nach der Entscheidung für die Einführung von Mindestlöhnen in der Branche gestiegen. Sie belasteten kostenmäßig die Konkurrenz.

Zumwinkel war schon ein vermögender Mann, als er 1989 zur damaligen Bundespost kam. Nach dem frühen Tod seines Vaters erbte der Rheinländer zusammen mit seinem älteren Bruder eine Handelskette, die er Anfang der 70er-Jahre an die Rewe-Gruppe verkaufte. Seither hat er wohl ausgesorgt und ist finanziell unabhängig. Jährlich kommen als Gesamtsalär von der Post sowie aus mehreren Aufsichtsratsposten noch einige Millionen Euro hinzu.

Als Manager der Post war Zumwinkel unter dem Strich erfolgreich - auch wenn jüngst Kritik von Investorenseite vor allem wegen roter Zahlen im US-Geschäft aufkam. Schrittweise und ohne viel Spektakel formte der Stratege seit der Übernahme des Chefsessels Anfang 1990 aus der verschuldeten staatlichen Bundespost einen global führenden und profitablen Logistik-Konzern.

Weltweit hat die an der Börse als Dax-Schwergewicht notierte Post heute rund eine halbe Million Mitarbeiter - kein anderes deutsches Unternehmen hat so viele Beschäftigte. Nach seiner Lebensleistung befragt, sagte Zumwinkel vor einiger Zeit: "So vielen Menschen Arbeit zu geben, das ist eine große Befriedigung."

Mit anderen Managern ist er befreundet und unternimmt mit ihnen auch Wandertouren. Dazu zählt auch der frühere Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber.

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