Erneuter Dax-Absturz um 3,5 %: War's das mit der Aktienerholung?

- München - Ein Start unter 4000 war erwartet worden. Dass der Dax gleich auch noch unter 3900 stürzte, überraschte die Börsianer dann doch. Erst nach günstigen US-Konjunkturdaten am Nachmittag zeigte das Börsenbarometer wieder ein wenig Aufhellung. Besonders schlimm traf es erwartungsgemäß die Technologie-Aktien. Auch die Nebenwerte - in der Vergangenheit ein geschützter Platz für schweres Wetter - tauchten ab. Trendwende oder nur Korrektur?

<P>Korrektur lautet die Einschätzung der Experten der HypoVereinsbank. Von einer "temporären Entwicklung" spricht HVB-Aktienstratege Gerhard Schwarz. Allerdings rechnet er damit, dass die starken Anstiege der letzten Monate fürs Erste beendet sind. Er erwartet für den Rest des ersten Halbjahres den Übergang in eine Seitwärtsbewegung.<BR><BR>Eine ganze Reihe von - zum Teil nicht ganz neuen - Faktoren seien zusammengekommen: Der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag, der jüngst gefallene Ifo-Index, enttäuschende Unternehmenszahlen und dann noch die Anschläge von Madrid. Das alles habe sich entladen. Doch sei das Umfeld für Aktien nicht so schlecht. Die Unternehmen nutzen Produktivitätspotenziale, und das Wachstum sei nicht so stark, dass Inflation angestoßen wird. Selbst wenn die Abwärtsbewegung sich fortsetzen sollte, sieht Schwarz den Dax nicht deutlich unter 3800 fallen.<BR><BR>Auch Martin Nitsch vom Aktienresearch der Bayerischen Landesbank sieht die gegenwärtige Entwicklung als "Verschnaufpause". Die konjunkturellen Frühindikatoren seien zwar leicht zurückgekommen, während die realwirtschaftlichen Daten aber weiterhin einen Trend nach oben aufzeigen. Nach den jüngsten eher moderaten Ausblicken von Unternehmen gelte es allerdings "vorsichtiger zu sein". Die eher enttäuschenden Absatzzahlen der Autoindustrie nennt Nitsch als ein Beispiel, das Anleger nicht gerade begeistert. Einen deutlichen Rückgang des Dax erwartet er dennoch nicht. "Da müsste die konjunkturelle Welt sich verändern", sagt er. Allerdings seien die Märkte nervös und werden dies vorerst wohl bleiben.<BR><BR>Der lawinenartige Effekt beim gestrigen Börsenstart war wohl eine Übertreibung. Experten gehen von einer verstärkenden Wirkung durch Stopp-Loss Orders aus. Diese Orders lösen für einzelne Papiere Verkäufe aus, wenn der Kurs unter einen bestimmten Wert fällt. So etwas drückt fallende Kurse meist tiefer als verkaufswillige Anleger eigentlich beabsichtigen. Sie bekommen dadurch weniger für die verkauften Papiere.<BR><BR>Leichte Entspannung an den Märkten brachten am Nachmittag Konjunkturdaten aus den USA. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist innerhalb einer Woche um 6000 auf 341 000 gefallen. Als die US-Aktienmärkte sich unerwartet gut hielten, erholte sich auch der Dax zunächst, schloss dann knapp über 3900 Punkten um 3,5 % im roten Bereich. <BR><BR>Dass es gestern die Technologie-Aktien besonders stark erwischte, überrascht nicht - sie sind üblicherweise besonders schwankungsanfällig. Doch selbst die soliden Nebenwerte fielen fast im Gleichklang mit den Blue-Chips. Hier rächt sich die neue Index-Struktur nach dem Ende des Neuen Marktes. Denn alte Bekannte aus dem Zocker-Index kamen im M-Dax unter die Räder: Techem etwa, mit einem Abschlag von zeitweise mehr als 7 % oder Comdirekt mit über 5 % minus. Beide Titel führten die Verliererliste unter den Nebenwerten an. Viel schlimmer erging es auch den üblichen Verdächtigen aus dem Tec-Dax nicht. Lediglich Süss Microtec und Aixtron brachten es im Tagesverlauf auf mehr als 8 % minus. </P><P> </P>

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