Ernst Weltke steht vor dem Aus: Jetzt ermittelt auch die Justiz

- Frankfurt - Bundesbankpräsident Ernst Welteke steht vor dem Aus. Der Vorstand der Zentralbank will bereits heute über Konsequenzen aus dem umstrittenen Berliner Hotel-Aufenthalt Weltekes beraten. Die Bundesregierung, die sich bislang in der Debatte zurückgehalten hatte, dringt mittlerweile auf eine schnelle Entscheidung.

<P>Von der Sitzung des Vorstandes werde ein Ergebnis erwartet, das sowohl Klarheit über die Zukunft Weltekes als auch eine deutliche Stärkung der Institution Bundesbank beinhalte, verlautete aus Regierungskreisen. Welteke selbst schloss einen Rücktritt nicht mehr aus.<BR><BR>Unterdessen ist der 61-Jährige auch ins Visier der Justiz geraten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme ein, teilte ein Behördensprecher mit. Welteke hatte mit seiner Familie zur Jahreswende der Euro-Einführung 2001/2002 auf Einladung der Dresdner Bank im Berliner Luxushotel Adlon gewohnt. </P><P><BR>"Die späten Ausreden sind peinlich" Katrin Göring-Eckardt</P><P>Am Montag beglich er die Rechnung nachträglich zum Teil selbst, für den "dienstlichen Teil" kam sein Arbeitgeber auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Frankfurter Großbank wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung.<BR><BR>In seiner zweiten Stellungnahme innerhalb zweier Tage bedauerte Welteke "zutiefst" den öffentlichen Eindruck, dass er den hohen Maßstäben an die Bundesbank nicht selbst Rechnung trage. Ein Fehlverhalten wegen seines Gratis-Aufenthaltes im Adlon gestand er aber nicht ein. Er habe den Vorstand gebeten, die Vorwürfe "vorbehaltlos, umfassend und ohne Ansehen meiner Person zu prüfen", teilte Welteke mit. Damit müssen seine sieben Vorstandskollegen über die Zukunft von Welteke an der Spitze der Zentralbank entscheiden. Ein möglicher Nachfolger würde von der Bundesregierung vorgeschlagen. Dass erneut ein Politiker an die Spitze der Bundesbank rückt, gilt in Berlin als ausgeschlossen.<BR><BR>Kritiker gehen von einem Interessenkonflikt aus, weil die Bundesbank gemeinsam mit einer weiteren Behörde für die Bankenaufsicht zuständig ist. Die Kosten für den Silvester-Aufenthalt samt Familie sollen 7661,20 Euro betragen haben.<BR><BR>CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte, die Bundesbank sei eine der Institutionen, die das höchste Vertrauen in Deutschland genießen. Der Mann an der Spitze müsse das rechtfertigen. "Dieses Vertrauen hat er nicht mehr", meinte Söder. Auch Weltekes Parteifreund, der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaas Hübner, legte in der "Welt" dem Bundesbank-Präsidenten den Rücktritt nahe. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: "Die späten Ausreden sind peinlich."<BR><BR>Laut dem Verhaltenskodex der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfen Mitglieder des Rates, dem Welteke ebenfalls angehört, keine größeren Geschenke annehmen und müssen Situationen vermeiden, in denen eigene oder Interessen von Angehörigen ihre Pflichtausübung beeinträchtigen können.</P><P> </P>

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