Ernteausfälle nicht so groß wie befürchtet

- Berlin - Trotz Gluthitze im Juli und Dauerregen im August ist die Ernte in Deutschland nicht so schlecht ausgefallen wie erwartet. Die Erntemenge sei zwar kleiner als im Vorjahr, "allerdings sind bei weitem nicht die befürchteten Einbußen wie im Dürrejahr 2003 eingetreten", erklärte Staatssekretär Gert Lindemann.

Die Verbraucher müssen sich gleichwohl darauf einstellen, dass vor allem die Preise für Brot und Kartoffeln weiter anziehen. Die Erzeugerpreise für Kartoffeln sind wegen des knappen Angebots zur Zeit schon fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Insgesamt sei aber nur mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,9 Prozent zu rechnen, sagte Lindemann.

Dieser Anstieg liege damit "sehr deutlich unter der Inflationsrate". Nach Kälte im Frühjahr und Hitze im Juli fiel die Getreideernte den Angaben zufolge um 5,4 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Insgesamt seien 43,5 Millionen Tonnen Getreide eingefahren worden, berich- tete Lindemann. Der Deutsche Bauernverband hatte den Rückgang Mitte August noch auf rund zwölf Prozent beziffert und die Erntemenge mit lediglich 40,5 Millionen Tonnen angegeben.

Lindemann wies darauf hin, dass wegen des wechselhaften Wetters etwa zehn Prozent des Getreides noch nicht eingebracht seien. Insgesamt sei die Einschätzung der Markt- und Preisentwicklung noch sehr spekulativ. Vor allem bei Brotweizen und Brotroggen ist nach Ansicht des Ministeriums aber schon klar, dass die Erzeugerpreise auf mittlere Sicht spürbar steigen. Ende August lagen sie bei Brotweizen um 24 Prozent, bei Brotroggen sogar um fast 36 Prozent höher als vor einem Jahr.

Der Winterraps litt nicht nur unter der Witterung, sondern auch unter der Rapsglanzkäfer-Plage. Auch bei vielen Gemüsesorten wird wegen der Trockenheit im Juli mit einer unterdurchschnittlichen Ernte gerechnet. Von der Sonne profitieren konnten dagegen der Obstanbau. So wurden zum Beispiel mit rund 30 400 Tonnen zwölf Prozent mehr Süßkirschen als im Vorjahr geerntet. Weitergehende Hilfen für Bauern, die von den Ernteausfällen besonders betroffen sind, stellte Lindemann nicht in Aussicht.

"Was wir von Seiten des Bundes tun konnten, haben wir schon getan", sagte der Staatssekretär. Er verwies auf die Möglichkeit, Stilllegungsflächen vorzeitig zur Futtergewinnung zu nutzen. Dies habe die EU-Kommission auf deutsche Initiative hin genehmigt. Außerdem habe die Landwirtschaftliche Rentenbank liquiditätssichernde Sonderkreditprogramme eingerichtet. Auch könnten die Bundesländer eigene, ergänzende Hilfen auflegen.

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