Ernüchterung nach der großen Party: Halbzeitbilanz für Dax & Co.

- Wie gewonnen, so zerronnen, so könnte das Motto des ersten Halbjahres für den deutschen Aktienmarkt heißen. Noch vor wenigen Tagen stand der Dax ziemlich genau da, wo er das Jahr 2005 beendet hatte, nämlich bei 5400 Zählern. Dank einer kleinen Kursrallye an den letzten beiden Junitagen reichte es am Ende zu einem Indexplus von fünf Prozent. Angesichts der Tatsache, dass das Aktienbarometer sich Anfang Mai noch mit einem Plus von 15 Prozent an die 6200er-Marke herantastete, ist die Halbzeitbilanz eher ernüchternd.

Ähnlich sieht das Fazit bei den Technologiewerten im Tec-Dax und bei den Nebenwerten im M-Dax und S-Dax aus, die jeweils etwa sieben Prozent zulegten. Auch an den internationalen Aktienmärkten bestimmte eine Achterbahnfahrt der Kurse das Geschehen.

Die Jubelstimmung wurde im ersten Quartal durch glänzende Konjunkturzahlen, gute Unternehmensdaten, niedrige Zinsen und Gerüchte über Fusionen und Übernahmen ausgelöst. Mitte Mai war die Party dann zu Ende, als in Amerika plötzlich Inflationsängste das Zinsgespenst aufs Parkett lockten. Der Iran-Konflikt und erneute Rekordstände beim Ölpreis sorgten zusätzlich für negative Stimmung. Viele Anleger verkauften in der Folge panikartig ihre Dividendentitel.

Der Dax

Wer Schering-Aktien in seinem Depot hatte, konnte sich die Hände reiben. Mit einem Plus von knapp 60 Prozent waren die Werte des bald zu Bayer gehörenden Pharmakonzerns ganz oben auf der Dax-Gewinnerliste. Deutlich gewinnen konnten auch Thyssen-Krupp. Fusionsfantasien ließen die Aktie um mehr als 40 Prozent steigen. Weniger erfreulich war die Entwicklung von Daimler-Chrysler, Tui und der Deutschen Telekom, die jeweils mit einem Minus von mehr als zehn Prozent zu den Halbzeitverlierern gehören.

Sonne im Tec-Dax

Der Megatrend alternative Energien setzte sich durch den hohen Ölpreis auch in 2006 fort. Das machte sich vor allem bei einigen Tec-Dax-Werten bemerkbar. Die Aktien des Windenergieunternehmens Nordex konnten sich mit einem Plus von 127 Prozent mehr als verdoppeln. Deutlich war das Plus auch bei Solarwerten wie Solarworld (+76), Conergy (+74%), Solon (+30%) und Q-Cells (+29%).

Plus und Minus

Bei den Werten aus der zweiten Reihe standen Colonia Real Estate (+122%) und Sixt (+110%) - beide aus dem S-Dax - im Visier der Anleger. Im M-Dax waren Karstadt-Quelle (+61%), Pfleiderer (+38%) und die Baumarktkette Praktiker (+43%) ganz oben auf der Gewinnerliste. Die großen Verlierer des ersten Halbjahres waren die Aktien von Premiere (-49%), die immer noch mit dem Verlust der Bundesligarechte zu kämpfen haben, und WCM Beteiligung (-55%). Auch Cewe Color, Vivacon und EADS entpuppten sich mit einem Minus von mehr als 30 Prozent als eine Enttäuschung.

Die Branchen

Die Branchentrends des ersten Halbjahres waren Solarwerte und Immobilienaktien. Aber auch Pharmaaktien standen aufgrund von Fusionsfantasien hoch im Kurs. Der Branchenindex Pharma kletterte um 20 Prozent. Gut im Rennen lagen auch Einzelhandels- und Bauwerte mit einem Plus von jeweils 13 Prozent. Weniger gefragt waren Medientitel (-10%), der Bereich Telekom (-6%) und Versicherungswerte (-4%).

Weltbörsen

Ein Blick über den nationalen Tellerrand zeigte mal wieder, dass die Wall Street die weltweiten Aktienmärkte beherrscht. Durch die US-Inflationsängste wurden den globalen Börsenbullen ihre Grenzen aufgezeigt. Vor allem der japanische Aktienmarkt kam unter Druck. Nur wenige Börsen konnten seit Jahresbeginn deutlich zulegen: Besonders stark war der Aktienmarkt in Peru der mehr als 68 Prozent zulegte.

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