DAX erreicht Jahrestief nach US-Hiobsbotschaften

Frankfurt - Belastet von einem neuen Höhepunkt der Finanzkrise ist der Deutsche Aktienindex DAX am Montag kurzzeitig unter 6.000 Punkte und damit auf ein neues Zweijahrestief gefallen.

Bei 5.999,08 Zählern markierte der deutsche Leitindex den tiefsten Stand seit dem 5. Oktober 2006, erholte sich aber zunächst schnell von dieser Marke. Am Mittag lag der DAX mit minus 3,38 Prozent bei 6.023,99 Punkten. Der MDAX mittelgroßer Werte verlor 3,54 Prozent auf 7.825,05 Zähler. Der TecDAX stand 3,23 Prozent tiefer bei 739,21 Punkten.

"Die Hoffnung auf eine Besserung hat sich ausradiert. Der DAX kämpft jetzt mit der Marke von 6.000 Punkten", sagte Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank. Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank bestätigte: "Der Markt hyperventiliert. Börsianer sind bei allen Finanzwerten nun extrem vorsichtig und klopfen sie präzise auf ihre Risiken ab."

In dieser schwierigen Vertrauensfrage sei es nun an den Notenbanken, ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte unterdessen zur Stabilisierung des Marktes Geld in den Markt und versorgte die Geschäftsbanken des Euroraums kurzfristig mit liquiden Mitteln von 30 Milliarden Euro.

Aus den USA hatten sich über Nacht die schlechten Nachrichten um die angeschlagenen Finanzunternehmen überschlagen: Bei den Investmentbanken beantragte Lehman Brothers Gläubigerschutz nach Kapitel 11 und die Merrill Lynch wird von der Bank of America übernommen. Der größte US-Versicherer American International Group (AIG) steht wohl ebenfalls vor harten Einschnitten.

Alle Augen bleiben daher auf die Banken- und Versicherungstitel gerichtet: Commerzbank brachen am DAX-Ende um 6,86 Prozent auf 16,290 Euro ein und Allianz verbilligten sich um 6,14 Prozent auf 103,86 Euro. Ein "Massaker" erwarten Börsianer wegen der negativen Nachrichtenlage bei den US-Finanzwerten - die Aktien von Lehman wurden zuletzt in Frankfurt bei 0,50 Euro oder umgerechnet 0,71 US-Dollar gehandelt. Das sind 80,55 Prozent weniger als zum NYSE-Schluss bei 3,65 US-Dollar am Freitag. AIG-Aktien werden in Frankfurt umgerechnet 25 Prozent unter ihren Wochenschluss gehandelt.

Neben den Finanzwerten standen Fusionspläne und Kooperationen im Fokus. BASF will seinen Schweizer Konkurrenten Ciba für 50 Franken je Aktie schlucken. Die Offerte bewertet das Chemieunternehmen mit 3,8 Milliarden Euro. Marktteilnehmer äußerten sich in ersten Reaktionen negativ und monierten dabei vor allem den hohen Übernahmepreis. BASF-Aktien verloren überdurchschnittliche 4,18 Prozent auf 36,23 Euro. TUI rutschten um 5,60 Prozent auf 11,705 Euro ab. TUI-Chef Michael Frenzel prüft dem "Spiegel" zufolge eine Fusion des Fluglinien-Ablegers TUIfly mit der zweitgrößten deutschen Airline Air Berlin. TUI könnte für die Charter- und Billigflugtochter Anteile an der erweiterten Air Berlin erhalten.

Papiere der Deutschen Post hielten sich mit minus 2,05 Prozent auf 16,26 Euro deutlich besser als der Gesamtmarkt. Laut "Handelsblatt" schließt die Post einen kompletten Rückzug aus dem verlustreichen amerikanischen Expressgeschäft nicht mehr aus. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf Vorstandskreise.

Angesichts der schlechten Geschäftsentwicklung war in den vergangenen Monaten immer wieder über einen solchen radikalen Schritt spekuliert worden. Continental-Aktien büßten trotz einer Gewinnwarnung lediglich 0,57 Prozent auf 73,51 Euro ein. Continental wird seine Gewinnziele für das laufende Jahr wegen der nochmals deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen in Nordamerika und Europa sowie die unverändert hohen Belastungen durch die gestiegenen Rohstoffkosten verfehlen. Laut Händlern kommt die Nachricht aber nicht überraschend. Wegen des laufenden Übernahmeprozesses durch Schaeffler bewege dies die Aktie aber nur bedingt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts ist dem Dax am Freitag die Kraft ausgegangen.
Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin könnte zu großen Teilen an die Lufthansa gehen. Unterlegene Bieter halten das für eine „Katastrophe“ auch für Passagiere. Sie könnten klagen.
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
Nach der Vorentscheidung im Bieterwettstreit geht es darum, wer wie viele Flugzeuge genau bekommen soll. Ein Zwischenstand wird für Montag erwartet. Nicht nur die …
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion
Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Bei einer Demonstration in Bochum …
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion

Kommentare