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Rot-Gelb-Grün – diese Ampel-Konstellation etwa für den hohen (rot) oder niedrigen (grün) Zuckergehalt wird es nicht geben. Das EU-Parlament stimmte für eine andere Darstellungsform der Nährwertangaben, die auch von der Industrie favorisiert wird.

EU erspart Dickmachern die rote Ampel

Straßburg - Lebensmittel sollen innerhalb der EU besser gekennzeichnet werden. Dazu stimmte das EU-Parlament gestern über 350 Anträge ab. Eine Nährwert-Ampel fiel bei den Abgeordneten durch.

Der Verbraucher soll wissen, was er isst, und der Hersteller soll angeben, was wirklich drin ist in den Lebensmitteln. Das funktionierte – was die Nährwerte wie Zucker, Fett oder Salz anbelangt – innerhalb der EU bislang auf freiwilliger Basis. Das soll nun anders werden: Per Gesetz will man Dickmacher, Kalorien- und Zuckerbomben auch als solche gekennzeichnet sehen. Über die Art und Weise wurde viel diskutiert.

Abgelehnt ist nun definitiv die sogenannte Nährwert-Ampel – der klare Favorit von Medizinern und Verbraucherorganisationen. Die Abgeordneten in Straßburg stimmten gestern mit großer Mehrheit dafür, Nährwertangaben auf der Grundlage von Portionen oder des durchschnittlichen Tagesbedarfs einzuführen – der klare Favorit nicht nur der Industrie, sondern auch von Bundesverbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU).

Aus ihrem Ministerium in Berlin hieß es gestern, man halte die Entscheidung gegen eine Lebensmittelkennzeichnung in Ampelfarben für nachvollziehbar. „Die Ampel hat sich aus wissenschaftlicher Sicht – und wie der Blick nach England zeigt, auch in der Praxis – nicht bewährt“, sagte ein Sprecher. Er begrüßte, dass sich das Parlament für die Nährwertkennzeichnung entschieden habe, die in Deutschland bereits freiwillig praktiziert werde.

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Rund 80 Prozent der verpackten Lebensmittel tragen hierzulande bereits eine entsprechende Kennzeichnung. Umfragen zufolge fühlen sich deutsche Verbraucher dennoch unzureichend informiert.

Enttäuscht vom Aus für die Ampelkennzeichnung, nannte die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Grünen in Bayern, Claudia Stamm, den Beschluss einen „nicht nachvollziehbaren Kniefall vor der Lebensmittelindustrie“. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisierte das Nein zur Ampel, „weil gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien, häufig auch aus Familien mit Migrationshintergrund vielfach und zunehmend unter Übergewicht leiden“ und daher ein „kinderleichtes“, auf den ersten Blick verständliches und sprachfreies Kennzeichnungssystem gebraucht hätten.

In Straßburg ging es gestern jedoch um sehr viel mehr, als nur die Nährwertkennzeichnung. Das EU-Parlament hatte einen wahren Marathon zu bestreiten, und stimmte bezüglich der Lebensmittelinformations-Verordnung insgesamt über rund 350 Anträge ab. Künftig sollen unter anderem die Begriffe „vegetarisch“ und „vegan“ gesetzlich definiert und geschützt werden. Damit wird garantiert, dass mit „vegetarisch“ deklarierte Lebensmittel auch tatsächlich keinerlei Produkte getöteter Tiere enthalten dürfen. „Ein längst überfälliger Schritt“, betonte der Vegetarierbund Deutschland.

Schinken, der kein Schinken, Käse, der kein Käse ist – auch über diese viel diskutierten, industriell gefertigten Lebensmittel-Imitate fällten die EU-Abgeordneten ein Urteil. Demnach soll auf der Verpackung von Lebensmittel-Ersatzprodukten künftig an gut sichtbarer Stelle das Wort „Imitat“ stehen. Ilse Aigner sprach hierbei von einem „wichtigen Schritt zu mehr Klarheit und Wahrheit bei Lebensmitteln“.

Der Weg zu einem endgültigen Gesetz ist allerdings noch lang – nun muss der Europäische Rat den Beschlüssen zustimmen. Frühestens Mitte 2011 könnte das Gesetz dann umgesetzt werden.

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