Erspartes vor Inflation schützen: Anleihe gewinnt, wenn Preise steigen

- München - Obwohl eine disziplinierte Geldpolitik die Teuerungsrate in den vergangenen Jahren im Zaum gehalten hat, spukt gerade in den Köpfen älterer Menschen noch immer das Inflations-Gespenst. Unvergessen sind die Tage in den 20er- und 40er-Jahren als die rasende Geldentwertung Bares und Sparguthaben zu Nichts zerrieb. Gerade für gebrannte Zeitzeugen, aber auch für sehr vorsichtige Anleger, könnte deswegen die erste inflationsgeschützte Anleihe der Bundesrepublik Deutschland interessant sein, die Privatpersonen ab kommender Woche erwerben können.

Was ist so besonders an dem Inflations-Papier?

Die inflationsgeschützte Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren unterscheidet sich von herkömmlichen Bundesanleihen in der Art der Verzinsung. Beide Spielarten haben einen festen Kuponzins, der bei den neuen Papieren mit 1,5 Prozent jährlich allerdings deutlich unter dem der bisher üblichen 10-Jahres-Anleihen liegt. Diese Papiere erzielen derzeit Renditen von rund 3,5 Prozent. Dafür werden die Inhaber der inflationsgeschützten Anleihe zusätzlich aber für die Geldentwertung in der Eurozone entschädigt, wobei als Messgröße der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) herangezogen wird. Ein Beispiel: Steigen die Preise um 2,0 Prozent, dann wird der Anlagebetrag um diese 2,0 Prozent verzinst. Dazu kommt dann noch der Kupon mit 1,5 Prozent, was - grob gesagt - eine Gesamtrendite von 3,5 Prozent ergeben würde.

Welche Bundesanleihe bringt mehr?

Pi mal Daumen wirft die inflationsgeschützte Anleihe mehr ab als die herkömmliche, wenn die Inflationsrate etwas über 2,0 Prozent liegt. Das war seit dem Jahr 2000 durchgehend der Fall, wie Daten des EU-Statistikamts Eurostat zeigen (siehe Grafik). Allerdings ist längerfristig kaum mit wesentlich höheren Werten zu rechnen, da die Europäische Zentralbank mit Argusaugen über die Teuerung wacht. "Das vorrangige Ziel ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten", lautet das Motto in Frankfurt. Es gilt als erreicht, wenn der HVPI um zwei Prozent oder weniger zulegt. Erst kürzlich wurden deswegen die Leitzinsen zum zweiten Mal angehoben.

Wer profitiert vom Inflationsausgleich?

"Die inflationsgeschützte Anleihe eignet sich für Sparer, die auf eine steigende Inflation setzen", sagt Stephan Kühnlenz, Finanzexperte der Stiftung Warentest. Nach seiner Einschätzung kann sie aber auch für sehr sicherheitsbewusste Anleger in Frage kommen, die nicht nach einer hohen Rendite lechzen. Denn der Bund zahlt bei Ende der Laufzeit mindestens den Nennwert zurück. Verlust macht mit der Inflations-Anleihe also niemand.

Wo gibt es das neue Papier zu kaufen?

Während sich institutionelle Anleger wie Versicherungen und Fonds bereits seit Anfang der Woche eindecken durften, kommen Privatanleger erst ab Montag zum Zug. Dann wird die Inflationsanleihe an der Börse eingeführt (WKN: 10 30 50) und damit auch von Banken zum Verkauf angeboten. Bei der HypoVereinsbank oder der Stadtsparkasse München soll das Papier jeweils mit dem auch sonst üblichen Aufschlag von 0,5 Prozent zu haben sein, wie beide Institute auf Nachfrage erklärten.

Gibt es steuerliche Besonderheiten?

"Das Inflationspapier wird steuerlich wie eine gewöhnliche Index-Anleihe behandelt", sagt Michael Reitsam von der Münchner Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft mbH. Das heißt: Die laufenden Erträge stellen Zinsen dar. Bei Verkauf oder Einlösung der Anleihen fallen steuerpflichtige Stückzinsen an. Auf Kursgewinne wird bei Erwerb und Veräußerung binnen eines Jahres Spekulationssteuer erhoben.

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