Erst Riester, dann Rürup: "Gesetzgeber hat nicht viel gelernt"

- München - Noch eine Altersvorsorge: Nach der komplizierten Riester-Rente kommt auf die Bundesbürger ab 2005 ein weiteres Modell zu, die so genannte Rürup-Rente. Das ist eine neue private Rentenversicherung. Anders als die Riester-Variante wird sie nicht direkt vom Staat bezuschusst, es locken aber Steuervorteile, die mit Einzug des Alterseinkünftegesetzes ebenfalls ab 2005 starten sollen.

<P>"Noch was Neues, das den Leuten schwer zu vermitteln ist", befürchtet Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Gesetzgeber habe aus dem "Debakel der Riester-Rente nicht so viel gelernt".</P><P>Das Grundkonzept klingt zunächst einmal recht schlüssig: Weil das Steuerprivileg für Kapitallebens- und Rentenversicherungen ab kommendem Jahr wegfällt, soll es im Gegenzug eine neue Variante geben. Und die sieht vor, dass die Beiträge zur Rürup-Rente als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden können. Anfangs zu 60 Prozent, im Lauf der Jahre bis 2025 dann ansteigend bis auf 100 Prozent. Allerdings gibt es Höchstbeträge, über die hinaus der Steuervorteil nicht mehr greift. Außerdem wichtig zu wissen: Die Rente gibt es nicht etwa steuerfrei im Alter. Sie muss zunächst teilweise versteuert werden, ab dem Jahr 2040 vollständig.</P><P>Die Versicherer brüten noch über den Details ihrer Angebote. Die ersten Produkte seien erst zum Jahreswechsel auf dem Markt zu erwarten. Grieble rechnet damit, dass eine Rendite versprochen werde, die sich der privaten Rentenversicherung annähere. Wer sich dafür entscheide, müsse allerdings "einige dicke Kröten schlucken", meint Grieble.<BR>Nach Ansicht der Verbraucherschützer haben es die Nachteile des Rürup-Modells mächtig in sich. So kommt ein Rürup-Versicherungsnehmer bis zu seinem vollendeten 60. Lebensjahr nicht an sein Geld ran. Bis dahin bleibt das Angesparte unantastbar. Das heißt: Die Rentenansprüche dürfen nicht beliehen werden, nicht übertragen, nicht verkauft. Auch nicht vererbt.</P><P>Stirbt der Versicherungsnehmer vorzeitig, war die "ganze Sparerei" umsonst, wie Grieble sagt. Die Ansprüche verfallen dann. Das Angesparte kommt dem Kollektiv der Versicherten zugute. Im Gegensatz zur bisherigen klassischen Rentenversicherung: Da kann festgelegt werden, dass Hinterbliebene die Beiträge zurückbekommen oder eine Rentengarantiezeit erhalten.</P><P>"Dass man die Rente nicht vererben kann, hat viele Bürger auch schon vom Riestern abgehalten", kritisiert Grieble. Nur Riester-Fondsprodukte können eingeschränkt hinterlassen werden. Möglicherweise erhalte die neue Vorsorgeform aber auch Auftrieb durch die Arbeitsmarktreform Hartz IV. Diese Altersvorsorge wäre bei der Vermögensberechnung für das Arbeitslosengeld II tabu.</P><P>Verbraucherschützer bemängeln, dass die Kunden mit Rürup auf die Vorsorgeform einer Privatrentenpolice festgenagelt würden. Und sich dann auch noch lebenslang an einen Versicherer binden müssten. "Da war ja Riester schon weiter", kritisiert Grieble. Da gebe es wenigstens noch Fonds und Banksparpläne zur Auswahl.</P><P>Mit der zusätzlichen neuen Rente wird es für viele Bürger jedenfalls nicht leichter zu durchschauen, welche Sparform fürs Alter im Einzelfall am besten geeignet ist. Außer Riester und Rürup gibt es ja auch noch die traditionelle Rentenversicherung sowie die diversen Wege zur Betriebsrente. Und für alle gelten dann auch noch recht unterschiedliche Steuerregelungen.</P>

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