Erste Stufen auf der Karriereleiter

- Köln/Gummersbach - Das Spitzendiplom mit 26 Jahren, Praktika, Projekte, eine praxisbezogene Abschlussarbeit, mehrere Fremdsprachen und Auslandsaufenthalte - so sieht das Profil eines geeigneten Bewerbers für ein Trainee-Programm aus. "Die Ausbildung ihres Führungsnachwuchses kostet die Unternehmen viel Geld - darum wollen sie Spitzenbewerber", sagt Thomas Friedenberger, Karriereberater im Staufenbiel-Institut in Köln.

<P><BR>Eine genaue Definition eines Trainees gibt es nicht. "Das ist ein unternehmensinternes Ausbildungsprogramm für Hochschulabsolventen. Sie sollen zu ihrem theoretischen Wissen praktische Erfahrungen machen und möglichst viele Stationen im Unternehmen durchlaufen", beschreibt Friedenberger die Zielsetzung der Programme. Waren sie lange Zeit eine Domäne der großen Firmen, so wissen nach seinen Angaben immer mehr Unternehmen die Vorzüge der 12- bis 24- monatigen Ausbildungen zu schätzen: "Große Mittelständler springen auf den Zug auf."</P><P><BR>War es früher noch ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Trainee-Programm 18 oder 24 Monate dauerte, sind die Ausbildungen heute kürzer: "Das Programm wird immer häufiger in 12 oder 15 Monaten durchgezogen." Und noch etwas habe sich über die Jahre geändert: "Früher waren die Programme oft starr. Heute gestaltet man sie mit dem Trainee zusammen und richtet sie - nach Interessen, Fähigkeiten und Neigungen individuell aus."</P><P> Für die fachliche Betreuung seien überwiegend der Leiter der jeweiligen Einsatzabteilung sowie der Mentor verantwortlich. "Die soziale Betreuung wird darüber hinaus auch von der Personalabteilung übernommen", sagt Joaquin Molina von der Unternehmensberatung Kienbaum in Gummersbach.</P><P><BR>Kienbaum hat den Trainees eigens eine Studie gewidmet - man wollte herausfinden, wie sich die Programme in Zielsetzung, Ablauf und Inhalten unterscheiden. "Der wichtigste Grund für das Angebot von Trainee-Programmen ist die Einarbeitung von Absolventen für spezielle Positionen und Funktionsbereiche", sagt Molina. Im Gegensatz zu Direkteinsteigern - eine Alternative nach dem Hochschulabschluss - wird von Trainees ein höheres außeruniversitäres Engagement und mehr Auslandserfahrung verlangt. Anders als manche Karriereberater, die Fachhochschulabsolventen bereits schlechtere Chancen bei der Bewerbung einräumen, haben die Kienbaum-Berater keine Unterschiede ausmachen können: "Eine unterschiedliche Behandlung lässt sich nicht erkennen."</P><P><BR>Siemens in München zum Beispiel bietet Absolventen ein Trainee-Programm an, das konzernweite "Siemens Graduate Program": "Jährlich werden bei 4000 bis 4500 Bewerbern 75 bis 80 Teilnehmer aufgenommen, das Programm dauert zwei Jahre", sagt Sprecherin Sabine Krömer. Während des Programms seien Funktionswechsel innerhalb des Konzern vorgesehen, darunter auch ein achtmonatiger Auslandsaufenthalt.  "Nachdem sich das Programm anfangs rein an Ingenieure richtete, sind heute noch rund zwei Drittel der Teilnehmer Ingenieure, der Rest hauptsächlich Wirtschaftswissenschaftler", sagt Krömer. Auch allgemein kommt nach den Befragungen des Staufenbiel-Instituts das Gros der Bewerber aus den Wirtschaftswissenschaften, gefolgt von Ingenieuren und Juristen. "Seiteneinsteiger haben selten eine Chance", sagt Friedenberger. Und wenn, dann nicht als klassischer Führungsnachwuchs: "Geistes- und Sozialwissenschaftler werden eher für den Kommunikationsbereich ausgebildet." Sie bringen meist Erfahrung in Kommunikation und rhetorische Fähigkeiten mit, müssten aber oft noch fachspezifisch ausgebildet werden.</P><P><BR>Bezahlt werden die Trainees auch - und zwar nicht schlecht. Das Einstiegsgehalt liegt nach den Kienbaum-Erhebungen im ersten Jahr des Programmes durchschnittlich bei 36 000 Euro. "Auffällig ist, dass Einstiegsgehälter für Direkteinsteiger oft verhandelbar sind, während sie für Trainees in der Regel feststehen", sagt Molina. Nach Abschluss des Programms verdient ein Trainee im Durchschnitt 42 000 Euro im Jahr, drei Jahre später etwa 50 000 und damit genau so viel wie ein Direkteinsteiger nach drei Jahren. </P><P><BR>Ausgewählt werden die Trainees auf vielfältige Weise: "An erster Stelle stehen Praktika, Diplomarbeiten und Jobbörsen im Internet", sagt Molina. Auch eine eigene Homepage des Bewerbers schadet nicht. Sie wird von den Firmen ebenfalls als effektives Mittel benannt. Ausgewählt werden die Bewerber über Assessment-Center oder Bewerbungsgespräche verschiedener Art. "Auf einen Trainee-Platz bewerben sich im Durchschnitt 50 Personen. Je höher das Einstiegsgehalt und je größer das Unternehmen, desto mehr Personen bewerben sich." Aber das Ankämpfen gegen die Konkurrenz und das langwierige Auswahlprozedere lohnt sich laut Molina fast immer: "Nahezu alle Trainees werden von den Unternehmen übernommen". </P> 

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