Erste Warnstreiks bei Volkswagen: Doch Pischetsrieder bleibt hart

- Hannover - Nach außen zeigt die IG Metall bei Volkswagen Stärke: Eine Minute nach Ablauf der Friedenspflicht standen 4000 Arbeiter im Warnstreik. Wenn die Gewerkschaft wollte, wäre der größte Autokonzern Europas innerhalb von Tagen gelähmt. Doch die IG Metall bereitet die 103 000 westdeutschen VW-Arbeiter schon darauf vor, dass in Zukunft die monatliche Lohnüberweisung kleiner ausfällt.

<P>So sagt IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine in der Nacht zum Freitag vor mehreren hundert VW-Fackelträgern: "Die Bäume wachsen in dieser Tarifrunde nicht in den Himmel." Und Betriebsratschef Klaus Volkert meint: "Wir erwarten kein Tarifergebnis, das mit dem Füllhorn materielle Wohltaten über uns ausbreitet."<BR><BR>Viel wichtiger ist der Gewerkschaft die tarifvertragliche Absicherung der 103 000 Jobs. Am liebsten würden sie das mit genauen Vereinbarungen darüber verbinden, in welchem Werk welche Autos gebaut werden. Selbst wenn die VW-Arbeiter eine oder zwei Nullrunden verkraften müssten - sie verdienen immer noch mehr, als Beschäftigte anderer Branchen in Deutschland. Die Gewerkschaft weiß das und hat kurz nach Beginn der Tarifrunde ihre Lohnforderung halbiert.<BR><BR>Richtig hart trifft die Gewerkschaft, dass VW mit seinem Sieben-Punkte-Programm praktisch den ganzen Haustarifvertrag über den Haufen werfen will: Die Zulagensysteme, die Eingruppierung, die Lohnhöhen. Denn neben dem Grundlohn bekommen die Arbeiter für alles Mögliche Zulagen: Nachtarbeit, Wochenendarbeit, Überstunden. Eine Nullrunde der Grundlöhne wäre für die Arbeiter nicht weiter schlimm, aber wenn die Zulagen verschwänden, würde es wehtun.<BR><BR>Genau das will aber VW, etwa mit der Verdoppelung der Arbeitszeitkonten. So sollen teure Überstundenzuschläge vermieden werden. VW bietet zwar einen Bestandsschutz für die Einkommen aller Mitarbeiter an, bezieht das aber nur auf das "Grundeinkommen". Nach Berechnungen der Gewerkschaft würde die Umsetzung aller VW-Forderungen jeden Arbeiter 10 000 Euro im Jahr kosten. "Der Preis ist zu hoch", sagt Meine.<BR><BR>Kritik üben die Arbeitnehmervertreter aber auch an strategischen Entscheidungen des Unternehmens, die richtig ins Geld gingen. So bemängelt Betriebsratschef Volkert schon lange die fehlgeschlagene Luxusstrategie mit dem Phaeton, bei der hunderte Millionen Euro verbrannt wurden. Dennoch ist ihm aber auch klar, dass der angeschlagenen Konzern sparen muss, auch auf Kosten der Belegschaft.<BR><BR>VW-Chef Bernd Pischetsrieder bekräftigte sein Festhalten an Nullrunde und Kostensenkungen. Nachdrücklich warnte er vor einem Streik - es wäre der erste in der VW-Geschichte. Es kann niemandes Interesse sein, dass es tatsächlich zum Streik kommt. Eine Milliarde Euro will VW in dieser Runde durchsetzen, zwei Milliarden bis 2011. Sonst sind 30 000 Jobs in Gefahr. Der Konzern ist bisher keinen Millimeter von dieser Position abgerückt. Das ärgert die Vertreter der Belegschaft. Bei der nächsten Runde am Montag nun erwartet die IG Metall, dass VW sich bewegt. Sonst gibt es weiter Warnstreiks.<BR></P>

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