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Harte Zeiten: Beschäftigte der Autobranche spüren vielerorts die Folgen der Krise. Mit als Erste trifft es Leiharbeiter.

Ende des Zeitarbeits-Booms

Die ersten Opfer der Krise

München – Die Zeitarbeitsfirmen in Deutschland spüren die Krise. Nach Jahren des Booms in der Branche werden nun vielerorts „geliehene“ Mitarbeiter zurückgeschickt.

Bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg gibt es deutliche Signale, dass Unternehmen aus Furcht vor einer drohenden Auftragsflaute zunächst einmal Leiharbeiter aus den Werks-hallen abziehen – die einfachste Variante, Personalkosten zu sparen. Zwar fehlt es der Bundesbehörde an aktuellen Zahlen. Doch Meldungen aus den Regionaldirektionen machen deutlich: Der Zeitarbeits-Boom ist erst einmal vorbei.

„Ich denke, dass wir 2009 von rund 750 000 Zeitarbeitern circa 50 000 verlieren werden“, vermutet der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister, Thomas Hetz. „Das ist eher eine Stagnation, als dass man von einem Erdrutsch sprechen kann.“ Er hat von seinen Mitgliedern noch „keine alarmierenden Rückmeldungen im großen Stil“ erhalten. In Einzelfällen könnten wegbrechende Aufträge aber Zeitarbeiter genauso hart treffen wie die Zeitarbeitsunternehmen. Schwierig könne es etwa werden, wenn eine Zeitarbeitsfirma einen Autozulieferer als Kunden habe und tausende Zeitarbeiter zurücknehmen müsse, räumt er ein.

Tatsächlich hat die Zeitarbeit nach Angaben der Bundesagentur in den letzten Jahren eine beispiellose Wachstumsphase hinter sich. Ende Juni gab es in Deutschland mehr als 794 000 Zeitarbeiter und damit 60 000 mehr als vor einem Jahr. Innerhalb von fünf Jahren hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Arbeitsmarktexperten gehen daher davon aus, dass die Branche nach dem Boom derzeit vor einer Konsolidierungsphase steht.

Anders als festangestellte Mitarbeiter haben Leiharbeiter nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern schon immer mit einem hohen Jobverlust-Risiko leben müssen. „Leiharbeitsjobs stellen in der Regel kurze Phasen im Erwerbsverlauf dar“, stellte das BA-eigene Institut für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung schon 2006 in einer Studie fest. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Allein im ersten Halbjahr waren rund 270 000 Leiharbeiter kürzer als drei Monate bei einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, 57 000 weniger als eine Woche.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi droht nun bis zu 120 000 Leiharbeitern der Verlust ihrer Jobs. Der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern teilte etwa am Freitag mit, sich in den vergangenen Monaten wegen der Automobilkrise bereits von mehr als 500 Leiharbeitern und befristet Beschäftigten getrennt zu haben. Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, Vorsitzender eines Forschungsinstituts der Zeitarbeitsfirma Adecco, sagte der „Thüringer Allgemeinen“, die Zeitarbeit werde „gewiss eine signifikante Anzahl von Mitarbeitern verlieren“. Von einer Systemkrise könne aber nicht gesprochen werden. Der Jobabbau treffe vor allem gering Qualifizierte in der Automobilindustrie. „Dieser Abschwung trifft nicht die Zeitarbeit im Ganzen.“

Für den Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen bleibt die Branche jedoch ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Das Verkaufsmotto der Zeitarbeitsfirmen laute: „Wälzt einen Teil eures Risikos auf uns ab“, sagte Vorstandsmitglied Bettina Schiller. Unternehmen, die dieses Instrument in der Vergangenheit genutzt hätten, um bei der Belegschaft einen Puffer aufzubauen, seien gut beraten gewesen. Denn nun könnten sie den Puffer brauchen.

Von Jasper Rothfels und Klaus Tscharnke

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