Erstes Protonen-Therapiezentrum Europas ganz ohne Staatszuschuss

- München - Die Staatskassen sind leer, allerorten wird gekürzt und wichtige Zukunftsinvestitionen bleiben dabei auf der Strecke. So gibt es zum Beispiel - bis auf einige kleinere Forschungseinrichtungen - noch kein Protonen-Therapiezentrum in Deutschland. Das erste klinische Zentrum entsteht derzeit in München und soll ab März 2005 Krebs therapieren. Das Besondere an dem Projekt: Es wird vollständig privat finanziert.

<P>"Nur für den Bau des Centers haben wir bisher zirka 84 Millionen Euro aufgewendet", sagte Hans Rinecker, der Initiator des ProtonenTherapiezentrums an der Isar, das neben der privaten Rinecker-Klinik entsteht. Zusammen mit Grundstück, Gästehaus, Zwischenfinanzierung und Anlaufkosten für das Personal käme man auf 150 Millionen Euro. Und das ohne einen Cent vom Staat. </P><P>Zur Finanzierung legte die Hannover Leasing über die Fondsgesellschaft Imetra den geschlossenen Fonds 140 auf, der inzwischen vollständig platziert ist. Eine Beteiligung an dem Unternehmen kostete mindestens 100 000 Euro. In der Beschreibung des Fonds wird eine Summe von 30,7 Millionen Euro Eigenkapital und 91 Millionen Euro Fremdkapital genannt. Den Rest der Summe müssten demnach Rinecker und seine Pro Health AG aufbringen.</P><P>Die Besitzverhältnisse sind recht kompliziert: Leasingnehmer ist die Pro Health AG, die zu 92 Prozent dem früheren Chirurgen Rinecker gehört. Der ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Jeweils vier Prozent halten die HypoVereinsbank und die West LB. Leasinggeber ist die E.6 GmbH, an der die Fondsgesellschaft Imetra mit 50 Prozent atypisch still beteiligt ist. Die andere Hälfte gehört Gesellschaftern um Rinecker beziehungsweise Pro Health.</P><P>Die Kapazität des Therapiezentrums in München liegt bei vorerst 4000 Patienten pro Jahr. Mit der AOK Bayern seien 17 500 Euro pro Fall vereinbart worden, sagte Rinecker. Darin seien die durchschnittlich drei Wochen Unterbringung nicht enthalten. Man habe sich mit der Kasse "ganz pragmatisch" darauf geeinigt, dass die Kosten für ein Zwei-Bett-Zimmer im Gästehaus übernommen werden, wenn die Taxikosten höher sind. Die Protonen-Therapie kann nämlich ambulant erfolgen. "Wir behaupten, dass wir relativ günstig liegen im Vergleich mit anderen Therapien", sagt Rinecker. </P><P>Mit dem Protonen-Therapiezentrum wäre Pro Health der erste Anbieter mit einer großklinischen Anlage in Europa. In den USA gibt es zwei Zentren, vier seien in Bau. In Japan laufen 5 Anlagen und 10 sind laut Rinecker geplant, in China soll es bald eine zweite geben.</P><P>In Köln und Leipzig plant Pro Health, zwei weitere Zentren zu errichten. In Köln werde in ein paar Wochen mit dem Bau begonnen. </P><P>In München entstehen - ganz ohne Zutun des Staates - mit dem hochmodernen Protonen-Therapiezentrum 150 Arbeitsplätze.</P>

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