Erstmals seit 2000: Pleitewelle in Deutschland ebbt ab

- Düsseldorf - Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erstmals seit 2000 deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig explodierte aber die Zahl der Privatinsolvenzen überschuldeter Verbraucher. Das geht aus dem Insolvenzbericht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor.

Zwar war bereits im vergangenen Jahr die Zahl der Unternehmensinsolvenzen leicht um 0,5 Prozent zurückgegangen, doch beschleunigte sich diese Entwicklung in der ersten Jahreshälfte deutlich. Laut Creditreform verringerte sich die Zahl der Firmenpleiten im ersten Halbjahr um 6,2 Prozent auf 18 700 Fälle. Zum ersten Mal seit fünf Jahren gab es auch in Westdeutschland weniger Unternehmenszusammenbrüche. Für das Gesamtjahr rechnen die Experten mit einem Rückgang um 3,2 Prozent auf 38 000 Fälle. Dennoch seien auch in diesem Jahr bis zu 580 000 Arbeitsplätze durch Pleiten bedroht, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl.

Ohnehin ist die jüngste Entwicklung nach Ansicht des Experten kein Grund für eine Entwarnung. Der Rückgang der Insolvenzen sei kein Anzeichen für eine Konjunkturbesserung, eher spiegele sich darin die vorsichtigere Kreditvergabe der Banken wider, die Unternehmen dazu zwinge, rechtzeitig vor einer Überschuldung die Segel zu streichen. Die Zahl der Handelsregisterlöschungen nehme jedenfalls deutlich zu. Während bei den Unternehmenspleiten der Gipfel überschritten scheint, stieg dagegen die Zahl der Verbraucherinsolvenzen geradezu explosionsartig an: um 33,5 Prozent auf 29 200 Fälle. "Typische Auslöser für den Wechsel von der Ver- in die Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Trennung vom Lebenspartner oder Krankheit", sagte Vorstand Rödl.

Doch mache sich auch bemerkbar, dass die Banken die Konsumenten als Zielgruppe wiederentdeckt hätten und massiv für Kredite werben. "Die finanzielle Allgemeinbildung weiter Teile der Bevölkerung lässt zu wünschen übrig. Viele rutschen hier in die Pleite, ohne es zu begreifen", sagte Rödl.

Doch selbst die neue Rekordzahl an Verbraucherinsolvenzen stelle nur die Spitze des Eisbergs dar, betonte Rödl. Immerhin gelten drei Millionen Haushalte in Deutschland als überschuldet. Deshalb werde die Zahl der Verbraucherinsolvenzen weiter steigen.Den in den ersten sechs Monaten dieses Jahres durch Insolvenzen entstandenen wirtschaftlichen Schaden bezifferte Creditreform auf 18,8 Milliarden Euro, immerhin 17 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der Rückgang der Unternehmensinsolvenzen fiel allerdings je nach Branche unterschiedlich aus. Am stärksten war der Rückgang der Pleiten im verarbeitenden Gewerbe, das von der guten Exportkonjunktur profitierte. Doch auch am Bau nahm die Zahl der Pleiten um 6,4 Prozent ab. Allerdings ist hier die Insolvenzwahrscheinlichkeit noch immer fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Branchen.

Die Prognose von Creditreform ist jedoch nicht unumstritten. Der Kreditversicherer Euler Hermes hatte erst in der vergangenen Woche erklärt, er rechne in diesem Jahr mit einem Anstieg der Zahl der Firmeninsolvenzen auf 39 600 Fälle.

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