Erstmals seit großer Krise: VW kürzt die Dividende

- Wolfsburg - Zum ersten Mal seit der großen Krise 1992 will der Volkswagenkonzern seinen Aktionären wieder die Dividende kürzen. Die Gewinnbeteiligung soll um 19 Prozent auf 1,11 Euro pro Vorzugsaktie sinken, wie der Vorstand vorschlug. Auf mittlere Sicht erwarten die Wolfsburger Topmanager aber wieder bessere Geschäfte und sprechen von einer "mittelfristig wieder positiveren Ertragserwartung". Kleiner Trost für die Aktionäre: Ihre Dividende sinkt lange nicht so stark wie der Gewinn.Das operative VW-Ergebnis fiel 2003 um 62,6 Prozent von 4,76 Milliarden auf 1,78 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. Der Umsatz stieg leicht um 0,2 Prozent auf 87,15 Milliarden Euro. An der Börse gehörte VW gestern mit einer Kurssteigerung von 0,6 Prozent zu den Gewinnern.

<P>VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch kündigte massive Kostensenkungen im laufenden Jahr an. VW werde "alle Register ziehen, um die Kosten kurzfristig zu senken", sagte er der "Wirtschaftswoche". Nach seinen Angaben hat VW zurzeit eine Überkapazität von 20 Prozent. Daher habe der Konzern Fertigungsanlagen zusammengelegt und so flexibilisiert, dass dort "verschiedene Modelle nebeneinander" produziert werden können. Das werde aber erst ab 2005 wirken.</P><P>Die Konzernführung begründet die geplante Dividendenkürzung mit den gesunkenen Gewinnen. Der Vorschlag "berücksichtigt aber auch die mittelfristig wieder positivere Ertragserwartung", wie es hieß. Erst am Vortag war bekannt geworden, dass die Nachfrage nach dem neuen Golf nach Anlaufschwierigkeiten innerhalb von zwei Wochen um 86 Prozent auf 650 Bestellungen pro Tag gestiegen war. Grund dürfte sein, dass VW das Modell künftig mit einer Gratis-Klimaanlage ausstattet und damit die Rabattschlacht auch auf dem deutschen Automarkt weiter ankurbeln dürfte.</P><P>Nach VW-Angaben sind im Konzernergebnis 711 Millionen Euro einmalige Belastungen für Restrukturierungen und Sonderabschreibungen enthalten. Dabei geht es vor allem um Brasilien, wo der Konzern 120 Millionen Euro Rückstellungen für den Abbau von 4000 Jobs gebildet hat, und um Abschreibungen auf die Luxusmodelle Phaeton und Bentley, die sich schlechter verkaufen als gedacht. Die Abschreibungen fielen höher aus als erwartet. Der Gewinn nach Steuern mit 1,12 Milliarden Euro war so schlecht wie seit 1999 nicht mehr.</P><P>VW litt 2003 an einer ganzen Reihe von weiteren Problemen: Der niedrige Dollar hat VW 2003 allein in den USA etwa 1,2 Mrd. Euro gekostet. Der Modellwechsel beim Golf ließ die Nachfrage einbrechen. Technische Probleme mit Motoren machten teure Rückrufe notwendig. Das wichtige Modell Passat kommt ans Ende des Lebenszyklus. Allerdings gibt es auch Lichtblicke: Die neuen Autos Touran und Touareg laufen besser als erwartet. Aber: Laut Finanzchef Pötsch bleibt auch 2004 die Wechselkurssituation kritisch.</P>

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