Ifo erwartet, dass Arbeitslosenzahl auf über fünf Millionen ansteigt

- Berlin/München - Die deutsche Wirtschaft hinkt nach Ansicht des Ifo-Instituts dem weltweiten Aufschwung im Jahr 2004 deutlich hinterher. Die Konjunktur werde in Deutschland voraussichtlich um 1,7 Prozent wachsen, sagte dessen Chef Hans-Werner Sinn in München und korrigierte damit die Prognose vom Frühjahr leicht nach oben. Damit bleibe Deutschland Schlusslicht in Europa. Eine düstere Prognose gab Sinn für den Arbeitsmarkt in Deutschland ab.

<P>Die Zahl der Erwerbstätigen werde im Jahresdurchschnitt 2004 um 145 000 zurückgehen. Ohne Bereinigungen in der Arbeitslosenstatistik läge die Zahl der Erwerbslosen derzeit um 230 000 höher. Nach alter Zählweise wäre im Jahresmittel mit 4,6 Millionen Arbeitslosen zu rechnen. Im nächsten Winter würde dann die 5-Millionen-Marke überschritten. "Durch die bloße Änderung der Erhebungsmethoden wird der Arbeitsmarkt freilich nicht gesunden", kritisierte Sinn. Auch 2005 sei keine nachhaltige Besserung in Sicht. Sinn sagte: "Die Entwicklung der Staatsfinanzen ist angesichts des geringen deutschen Wirtschaftswachstums als bedrohlich einzustufen."<BR><BR>Unterdessen läuft die Wirtschaft Sturm gegen eine höhere Mindeststeuer. Die deutsche Wirtschaft ist entsetzt über die Absicht der Bundesregierung, die Mindeststeuer auf Unternehmensgewinne anzuheben. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, erklärte, die SPD betreibe ein "parteipolitisches Spiel mit dem Investitionsklima in Deutschland". Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement bestätigte, dass es für einen solchen Schritt Pläne gebe. Rogowski warf dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und dem Finanzexperten der Partei, Joachim Poß, in der "Berliner Zeitung" vor, ihnen sei die Parteilinke offenbar wichtiger als Investitionen und Arbeitsplätze. "Bisher galt, dass nur Gewinne versteuert werden, Herr Poß will Scheingewinne besteuern. In der Agenda 2010 steht davon nichts", zitierte das Blatt den BDI-Chef. Rogowski erinnerte indirekt auch daran, dass die Industriechefs Bundeskanzler Gerhard Schröder erst in der vergangenen Woche für seine Reformen beklatscht hätten. "Der BDI vertraut auf den Kanzler", sagte der Verbandspräsident.<BR><BR>Die Weltwirtschaft werde laut Ifo um 4,7 Prozent zulegen. Bereinigt um den Effekt, dass viele Feiertage auf Wochenenden fallen, werde das deutsche Wachstum nur 1,2 Prozent betragen, sagte der Leiter des Instituts weiter. Die Konjunktur werde derzeit nur von den Exporten gezogen. "Eigene Antriebseffekte fehlen noch." Erst als Spätfolge der Wirtschaftsbelebung könne im nächsten Jahr auch der private Konsum stärker anziehen. Auch 2005 rechnet Ifo mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Strukturprobleme am Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen ließen Deutschland hinterherhinken.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Freitag mit leichten Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Gute Wachstumszahlen aus der US-Wirtschaft halfen ihm, sein Minus …
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
US-Wirtschaft in Trumps Startphase stärker als zunächst geschätzt
Deutlich besser ausgefallen als angenommen, ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten unter Führung Trumps. Das teilte das Handelsministerium mit: Die Zahlen …
US-Wirtschaft in Trumps Startphase stärker als zunächst geschätzt
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Vanille ist die Lieblings-Eissorte der Deutschen. Bald könnten den Eisjüngern aber schmerzhafte Veränderungen ins Haus stehen.
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA
Auf dem G7-Gipfel kritisierte Donald Trump scharf den deutschen Handelsüberschuss gegenüber der USA. Jetzt reagiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit einer …
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA

Kommentare