VW: Eskalation im Tarifstreit droht

- Hannover - Die wilden Streiks bei Opel in Bochum sind kaum vorbei, schon bahnt sich der nächste Kampf um Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie an: Bei Volkswagen stehen die Zeichen im Tarifkonflikt um drastische Kostensenkungen auf Sturm. Rund zwölf Stunden lang verhandelten VW und IG Metall - doch nach der vierten Runde gab es statt Annäherungssignalen vor allem Schuldzuweisungen. Die Lage scheint vertrackt, die Positionen liegen trotz eines Kompromiss-Angebots der IG Metall weit auseinander. Arbeitsniederlegungen gelten nun als sehr wahrscheinlich.

<P>Die IG Metall setzte Volkswagen ein Ultimatum: Kommt es beim nächsten Treffen am 28. Oktober nicht zu einer Einigung, gibt es Anfang November Warnstreiks - höchst selten in der Geschichte des Wolfsburger Autobauers. Die Erfolgsaussichten für den 28. Oktober seien gering, heißt es bei beiden Tarifparteien.</P><P>Hochher gegangen sei es bei den Verhandlungen, berichteten Teilnehmer von Gewerkschaftsseite. Als Volkswagen der IG Metall vorgeworfen habe, zu wenig für die Zukunft der sechs westdeutschen Werke zu tun, sei manchem Metaller am Tisch der Kragen geplatzt. "Lautstark" hätten die Gewerkschafter ihrem Unmut Luft verschafft: Die Beschäftigten seien nicht schuld an der schwierige Lage bei dem Autobauer und dürften nicht für Managementfehler bluten, hieß es mit Blick auf den schwach verkauften Luxuswagen Phaeton.</P><P>Dabei hatte sich die IG Metall viel vorgenommen. Nach der grundsätzlichen Bereitschaft von VW in der Runde zuvor, die Sicherung der 103 000 Arbeitsplätze per Tarifvertrag zu regeln, war die Gewerkschaft am Zug. Nach internen Debatten verständigten sich die Metaller auf ein Kompromiss-Paket. Der Kernpunkt: Die Gewerkschaft rückte von ihrer Forderung nach vier Prozent mehr Geld ab und schlug den geringeren Flächen-Tarifabschluss in diesem Jahr vor - unter der Voraussetzung eines "akzeptablen Ergebnisses" bei der Frage der Arbeitsplatzsicherung, der zentralen IG-Metall-Forderung.</P><P>Doch bei Volkswagen zeigte man sich nicht etwa erfreut, sondern "geschockt" - man habe viel mehr Bewegung seitens der IG Metall erwartet, hieß es. Geschwächt werde "ausgerechnet die Position eines Unternehmens, das sich klar zu seinen Arbeitsplätzen in Deutschland bekennt". Die Gewerkschaft hingegen kritisierte, VW habe die "ausgestreckte Hand" der IG Metall ausgeschlagen und sei dabei, den Bogen zu überspannen.</P>

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