Esser beteuert uneigennütziges Verhalten

- Düsseldorf - Im Mannesmann-Prozess um Millionenabfindungen hat der ehemalige Konzernchef Klaus Esser sein uneigennütziges Verhalten im Übernahmekampf gegen Vodafone beteuert.

Schon zu Beginn der Abwehrschlacht habe ihm ein Investmentbanker geraten, der Übernahme auch der eigenen Karriere wegen zuzustimmen, sagte Esser vor dem Düsseldorfer Landgericht. Er habe dies abgelehnt und sich für den Kampf entschieden. "Es war meine Entscheidung, meine Interessen zurückzustellen. Ich sah die Chance, die Aktionäre umzustimmen und im Januar 2000 ist uns das auch gelungen." <P>Nachdem der französische Mischkonzern Vivendi sich Ende Januar gegen Mannesmann und für ein Zusammengehen mit Vodafone entschieden hatte, sei die Stimmung allerdings wieder zu Gunsten Vodafones gekippt. Dennoch habe er sich "jenseits des Realistischen" bemüht, die Übernahme durch eine Kooperation mit AOL zu verhindern. Er habe sein Team auch zunächst bewusst nicht über die Entscheidung von Vivendi informiert, um die Mitarbeiter nicht niedergeschlagen in die Verhandlungen mit Vodafone zu schicken.</P><P>Die Darstellung der Staatsanwaltschaft, er habe den Aufsichtsrat gedrängt, der Übernahme zuzustimmen, stehe auch in "krassem Widerspruch" zu den Beweismitteln wie etwa den Protokollen der Vorstandssitzungen. Aus diesen gehe hervor, dass der Vorstand sich geweigert habe, die Übernahme zu empfehlen, solange der ausgehandelte Vertrag von Vodafone nicht unterschrieben war.</P><P>Esser hatte bei seinem Ausscheiden mehr als 60 Millionen DM erhalten - darunter eine umstrittene Prämie von umgerechnet fast 16 Millionen Euro. Er ist in dem Verfahren wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt. Der Manager sagte, über Bonus-Regelungen für Vorstandsmitglieder sei ohnehin nachgedacht worden. Die institutionellen Anleger hätten solche Boni als "Ausdruck wertorientierter Unternehmensführung" energisch nachgefragt. "Der Kurs von Mannesmann ist in fünf Jahren um 1300 Prozent gestiegen, aber ich habe niemanden um einen Euro gebeten."</P><P>Das Düsseldorfer Landgericht verhandelt bereits seit fünf Wochen den spektakulären Fall um umstrittene Prämien und Pensionen im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone. Am achten Verhandlungstag waren zwei ehemalige Vorstandsmitglieder als Zeugen geladen. Sechs Top-Manager und Gewerkschafter, darunter der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, sitzen wegen des Verdachts der schweren Untreue oder Beihilfe dazu auf der Anklagebank.</P><P>In der kommenden Woche soll per Video-Vernehmung aus Hongkong mit Canning Fok eine Schlüsselfigur des Geschehens vernommen werden. Fok, Vertreter des Mannesmann-Hauptaktionärs Hutchison Whampoa, soll Esser die umstrittene Prämie in der heißen Phase des Kampfes angeboten haben.</P>

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