+
Das Logo des russischen Energieversorgers Gazprom hängt in Berlin an der Außenfassade der Deutschlandzentrale des Unternehmens.

Etappensieg für Gazprom

Bonn - Der russische Staatskonzern Gazprom steht bei seinen Bemühungen um den Ausbau seiner Marktposition in Deutschland vor einem Etappensieg.

Das Bundeskartellamt will dem Gasproduzenten eine Minderheitsbeteiligung am größten ostdeutschen Gasversorger VNG erlauben. Die Wettbewerbsbehörde erklärte am Freitag, sie erwarte durch das Engagement “keine nachteilige Verstärkung der Marktposition Gazproms“.

Der Schritt ist für die Russen von strategischer Bedeutung. Denn Gazprom will sich nicht länger auf die Rolle des Gaslieferanten beschränken, sondern sucht nach Möglichkeiten, weitere Stufen der Wertschöpfungskette zu besetzten. So übernahmen die Russen im vergangenen Jahr den hessischen Strom- und Telekommunikationsanbieter Envacom und prüfen den Bau von Gaskraftwerken in Bayern .

Trikotsponsoren dre Bundesliga-Saison 2011/2012

Millionen für die Brust: Trikotsponsoren der Bundesliga-Saison 2011/12

Die Beteiligung an der VNG hatte Gazprom schon vor zwei Jahren auf 10,52 Prozent verdoppelt, zunächst aber in Abstimmung mit der Wettbewerbsbehörde auf die Ausübung der zusätzlichen Stimmrechte verzichtet. Da die Absprache aber befristet war, müssen die Bonner Kartellwächter nun über den Zukauf entscheiden.

Dabei berücksichtigten die Wettbewerbshüter auch, dass neben Gazprom die BASF-Tochter Wintershall - ein langjähriger Partner der Russen - mit 15,8 Prozent an der VNG beteiligt ist und die Unternehmen zusammen über eine Sperrminorität verfügen werden.

Endgültige Entscheidung am Monatsende

Unter dem Strich sah die Behörde aber dennoch keinen Grund für ein Veto. Zwar habe Gazprom auf dem Markt für die Förderung von Erdgas und den Import nach Deutschland einen Marktanteil von rund einem Drittel. Doch führe die Minderheitsbeteiligung an der VNG nicht zu einer nachteiligen Verstärkung dieser Marktposition.

Auf den nachgelagerten Marktstufen - etwa der Belieferung von regionalen Weiterverteilern durch die überregionalen Ferngasgesellschaften oder die Belieferung von großen Industriekunden - verfügt dagegen nach vorläufiger Einschätzung der Wettbewerbshüter weder VNG noch Wintershall über eine marktbeherrschende Stellung. Hier beobachte das Bundeskartellamt vielmehr eine positive Wettbewerbsentwicklung, hieß es in Bonn.

Die Unternehmen und beigeladene Wettbewerber haben nun noch bis zum 25. Januar Zeit, zu den Plänen der Wettbewerbsbehörde Stellung zu nehmen. Seine endgültige Entscheidung will das Kartellamt nach Ablauf dieser Frist Ende des Monats bekanntgeben.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple verklagt Chip-Zulieferer Qualcomm
San Diego - Smartphones brauchen eine Funkverbindung. Im Geschäft mit Chips dafür ist der US-Konzern Qualcomm besonders stark. Zuletzt geriet er zunehmend ins Visier von …
Apple verklagt Chip-Zulieferer Qualcomm
Air Asia treibt Pläne für Europa-Verbindungen voran
Davos/Kuala Lumpur (dpa) - Die malaysische Billigfluglinie Air Asia will im Sommer ihre Flüge nach Europa wieder aufnehmen. Zunächst sei eine Strecke von der …
Air Asia treibt Pläne für Europa-Verbindungen voran
Stürzt Trump die Welt in einen „Handelskrieg“?
Washington - Tiefschwarze Szenarien machen die Runde: Die neue US-Regierung könnte die Welt in einen „Handelskrieg“ stürzen. Es gibt viele Fragen und vorerst nur einige …
Stürzt Trump die Welt in einen „Handelskrieg“?
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"

Kommentare