BP: Etliche Millionen in zweifelhaften Projekten versickert

New Orleans - Seit Ausbruch der Ölpest hat der Ölkonzern BP Millionen in die Säuberung am Golf von Mexiko investiert. Doch offenbar wurde nur ein Teil des Geldes dafür verwendet:

In dem Jahr seit Ausbruch der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko haben Behörden entlang der Golfküste zig Millionen Dollar für Geräte, Fahrzeuge und Ausrüstung ausgegeben. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP hatten viele davon keinen unmittelbaren Zusammenhang mit den Säuberungsaktionen nach der Ölpest.

Nach der Explosion auf der Bohrplattform “Deepwater Horizon“ am 20. April vergangenen Jahres sprudelte nicht nur Öl unkontrolliert in die Golfregion. Unter dem immensen Druck der Öffentlichkeit zückte der Ölkonzern BP das Scheckbuch und verteilte großzügig Geld an die betroffenen US-Staaten und Landkreise, um damit deren Kosten für Aufräumarbeiten zu bezahlen. Auflagen gab es so gut wie keine.

So bezahlte BP in dem verschlafenen Ort Ocean Springs im Staat Mississippi der Bereitschaftspolizei neue Elektroschocker. Die Wasserwerke im benachbarten Ort Gulfport kauften für 300.000 Dollar (207.000 Euro) einen Lkw zum Aufsaugen von Flüssigkeiten, der allerdings keinen einzigen Tropfen Öl aufsaugte.

Eine Landrätin in Louisiana kaufte von dem Geld einen iPad Tablet-Computer und ihr Sprecher erhielt für 3.100 Dollar (2.200 Euro) einen neuen Laptop. In Florida gab ein Landkreis 560.000 Dollar (390.000 Euro) für Rockkonzerte aus, um damit für seine ölfreien Strände zu werben. Die Stadt Biloxi in Mississippi schaffte 14 neue Geländewagen an, die heute vom Bürgermeister und Behördenchefs gefahren werden.

Zweifelhafter Nutzen zur Bekämpfung der Ölpest

In jedem der Fälle gaben die Behörden an, die Anschaffungen seien nötig, um - zumindest indirekt - die Folgen der Ölpest zu bekämpfen. In vielen Fällen war die Verbindung zur Ölkatastrophe allerdings zweifelhaft und Millionen landeten in Gemeinden, an deren Strände kaum oder gar kein Öl angespült wurde. Die Tourismusbehörde von Florida gab Teile der 32 Millionen Dollar (22 Millionen Euro), die sie erhielt, in Gegenden Aus, die an der Ostküste des Staates liegen und nie von der Ölpest bedroht waren.

BP hat nach eigenen Angaben bis Ende März über 745 Millionen Dollar (515 Millionen Euro) an mehrere US-Staaten, Landkreise und Gemeinden ausgezahlt. Außerdem seien 694 Millionen Dollar (480 Millionen Euro) an Wiedergutmachung an die US-Regierung überwiesen worden.

Der Konzern machte wenige Einschränkungen dazu, wie das Geld verwendet werden sollte. Mehr oder weniger hieß es nur, es solle zur Linderung der Effekte der Ölpest eingesetzt werden.

Nach Einsicht in Akten von über 150 Gemeinden und Dutzenden Befragungen wurden nach AP-Rechnung 550 Millionen Dollar (380 Millionen Euro) bereits ausgegeben. Über 400 Millionen Dollar (276 Millionen Euro) davon flossen in eindeutig mit der Ölpest in Verbindung stehende Maßnahmen, etwa zur Errichtung von Ölsperren, Tourismusförderung oder zur Bezahlung von Überstunden. Ein großer Teil der verbliebenen Mittel wurde für ähnlich sinnvolle Ausgaben genutzt. Allerdings bleiben etliche Millionen übrig, die in fragwürdige Anschaffungen und Aufträge flossen.

Unter dem Druck der Ereignisse warf BP mit Geld nur so um sich. “Wir erkannten, wie wichtig es ist, die Staaten und Landkreise schnell finanziell zu unterstützen“, teilte BP-Sprecherin Hejdi Feik per E-Mail mit. Deshalb habe BP Mittel bereitgestellt, damit die Maßnahmen zur Katastrophenbekämpfung schnell hätten anlaufen können.

Die Zahlungen an die Behörden habe BP die positive Presse eingebracht, die das Unternehmen dringend benötigt habe, sagt PR-Experte Daniel Keeney. Indem der Konzern so freigiebig Geld an die Gemeinden verteilt habe und ihnen freie Hand dabei gelassen habe, wie sie das Geld ausgeben, habe sich BP außerdem vor Kritik geschützt, sollten Teile der Mittel nicht zweckgemäß verwendet werden. “Ob die Ausgaben als sinnvoll, oder als verschwendet betrachtet werden, fällt auf die Organisation zurück, die das Geld angenommen hat und nicht auf BP“, sagt Keeney.

Unterdessen warten zehntausende Geschäftsleute und Einzelpersonen noch immer auf Gelder aus dem von BP mit 20 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) ausgestatteten Entschädigungsfonds. Louis Skrmetta, einer der Betroffenen, findet die Ausgaben der Staats- und Lokalbehörden deshalb umso ärgerlicher, auch wenn es BP-Geld ist.

Skrmetta betreibt ein Unternehmen, das im Auftrag der Nationalparkbehörden mit drei Booten Tagesgäste auf die Ship Islands vor der Küste von Gulfport im US-Staat Mississippi fährt. Für ihn ist unverständlich, warum BP so viel Geld an Behörden gezahlt habe, während Unternehmer wie er litten. “Ich habe das nicht für sehr logisch gehalten“, sagt Skrmetta. “Im Rückblick betrachtet, haben sie es gemacht, um sich die Gunst der Politiker und der Medien zu erkaufen“, sagt er.

Michael Kunzelman, Mike Schneider und Melinda Deslatte (ap)

Rubriklistenbild: © dpa

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