+
Elke König: "Der europäische Bankenmarkt ist nach wie vor überbesetzt". Foto: Daniel Naupold/Archiv

"Strukturelle Defizite" bei Geldinstituten

EU-Bankenabwicklerin: Sind für Ernstfall vorbereitet

Frankfurt/Brüssel - Europas Banken haben an den Börsen zuletzt kräftig Federn lassen müssen. Kein Grund zu grundsätzlicher Sorge, meint die Chefin der EU-Abwicklungsbehörde, Elke König. Doch die Branche habe noch Hausaufgaben zu erledigen.

Europas oberste Bankenabwicklerin, Elke König, mahnt die Geldhäuser zum Aufräumen ihrer Bilanzen. Sie sei zwar trotz der jüngsten Kursverluste "weit davon entfernt", sich "grundsätzlich Sorgen um die europäische Bankenlandschaft zu machen", sagte König dem "Handelsblatt".

Dennoch gebe es nach wie vor "strukturelle Defizite" in der Finanzbranche, konstatierte die ehemalige Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin. "Der europäische Bankenmarkt ist nach wie vor überbesetzt, und wir haben das Thema der notleidenden Kredite."

König macht sich zudem seit langem dafür stark, dass Banken Staatsanleihen mit Eigenkapital absichern müssen. "Um das Problem wirksam zu adressieren, sollte man darüber nachdenken, ob neben einer Kapitalhinterlegung für Staatsanleihen nicht auch eine Obergrenze für die Konzentration einzelner Länder in den Büchern der Banken sinnvoll wäre."

Königs Behörde hat mit dem Jahreswechsel ihren vollen Betrieb aufgenommen. Der "Single Resolution Mechanism" (SRM) soll dafür sorgen, dass im Notfall auch große Geldhäuser abgewickelt werden können, ohne den Steuerzahlern Milliardenlasten aufzubürden. "Wir sind bereit", sagte König. "Die grundsätzlichen Prozesse funktionieren."

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, sagte dem "Stern" laut Vorabmitteilung, es lasse sich nicht ausschließen, dass es "irgendwo in Europa eine Bank gibt, die pleitegehen kann". Das müsse aber niemandem Sorgen bereiten. "Ein freiheitliches Wirtschaftssystem muss das unbedingt zulassen. Sonst zahlt letztlich wieder der Steuerzahler für Problembanken." Der Bankenbereich müsse nach den gleichen Prinzipien geführt werden, wie jeder andere Wirtschaftsbereich auch, sagte Fitschen: "Wir dürfen nicht versuchen, jede Bank in Europa vor der Pleite zu bewahren - koste es, was es wolle."

dpa

EU-Abwicklungsbehörde

König-Interview im "Handelsblatt" (mit Bezahlschranke)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten
Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin gibt es nach Angaben des Unternehmens gute Jobperspektiven für einen Großteil der Beschäftigten.
Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten
Wirtschaft: Neue Regierung rasch bilden und mehr investieren
Wenn Unternehmen und Märkte eines nicht mögen, dann längere Unsicherheit und politische Risiken. Nach der Bundestagswahl ruft die Wirtschaft zu einer raschen …
Wirtschaft: Neue Regierung rasch bilden und mehr investieren
Börse schüttelt Bundestagswahl rasch ab
Frankfurt/Main (dpa) - Entspannt hat der deutsche Aktienmarkt auf die hohen Verluste der großen Koalition und den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl reagiert.
Börse schüttelt Bundestagswahl rasch ab
EU-Defizitverfahren gegen Griechenland offiziell beendet
Lange war Griechenland der größte Wackelkandidat, wenn es um die Zukunft der Eurozone ging. Aber auch in der gesamten EU gab es Sorgen um Athens Haushaltslage. Eine …
EU-Defizitverfahren gegen Griechenland offiziell beendet

Kommentare