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Inwieweit ist die Werbung über Traubenzucker irreführend? Darüber entscheidet der EU-Gerichtshof. 

EU-Gerichtshof entscheidet

Darf Dextro Energy seinen Traubenzucker als gesund bewerben?

Dextro Energy will mit wissenschaftlich abgesegneten Gesundheitssätzen seine Traubenzucker-Täfelchen bewerben. Die EU macht dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung: Die Aussagen verwirrten Verbraucher. Jetzt soll das höchste europäische Gericht entscheiden.

Luxemburg - Traubenzucker liefert Energie - so wird es zumindest gern in der Werbung dargestellt. Das Glukose-Unternehmen Dextro Energy möchte dieses Bild in entsprechende Sätze packen. Doch das passt der EU-Kommission nicht.

Die fürchtet nämlich um den Verbraucher - und ließ die Werbeaussagen nicht zu. Später bestätigte das EU-Gericht in Luxemburg die Entscheidung. Das will sich das nordrhein-westfälische Unternehmen aus Meerbusch aber nicht bieten lassen. Es legte Rechtsmittel ein und beantragte die vollständige Aufhebung des Urteils. Am Donnerstag soll der Europäische Gerichtshof (EuGH) als übergeordnete Instanz nun darüber entscheiden.

Den Zuckerstreit haben fünf Sätze von Dextro Energy ausgelöst. Diese klingen im Vergleich mit anderen Werbesprüchen nicht einmal besonders knackig: Unter anderem mit „Glucose unterstützt die körperliche Betätigung“ und „Glucose trägt zu einem normalen Energiegewinnungs-Stoffwechsel bei“ würde das Unternehmen gern seine zu Würfeln verpackten Traubenzucker-Täfelchen anpreisen.

Die Aussagen an sich sind sogar wissenschaftlich verbrieft. Ansonsten hätten sie nach EU-Recht nicht einmal die Chance auf Zulassung gehabt. „Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben müssen sich auf allgemein akzeptierte wissenschaftliche Erkenntnisse stützen und durch diese abgesichert sein“, heißt es in der entsprechenden Verordnung. Für Dextro Energys Glukose-Sätze gab die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine positive Rückmeldung.

Weshalb stört sich die Kommission also überhaupt an den Sätzen? In einer Verordnung haben das Europäische Parlament und der Rat festgelegt, welche auch als „health claims“ bekannte gesundheitsbezogene Angaben Unternehmen verwenden dürfen. Für die Zulassung dieser Werbesprüche ist die EU-Kommission zuständig.

Die Brüsseler Behörde lehnte die Dextro-Sätze mit der Begründung ab, dass die Aussagen für Verbraucher verwirrend und widersprüchlich sein könnten. Sie ermunterten zum Genuss von Glukose. Dabei empfehlen viele Experten, weniger Zucker zu essen.

Das sah auch das EU-Gericht so: Die gesundheitsbezogenen Angaben, die nur die positiven Effekte für den Energiegewinnungs-Stoffwechsel herausstellen, ohne auch die mit dem Verzehr von mehr Zucker verbundenen Gefahren zu erwähnen, seien mehrdeutig und irreführend und könnten daher nicht zugelassen werden. So hieß es im Urteil.

Dextro Energy monierte Ermessensfehler und falsche Gewichtung bei der Kommission. Ein Hinweis auf nachgewiesene Wirkungen von Glukose bedeute weder, dass man Zucker verzehren oder gar vermehrt verzehren solle, so die Begründung der Rechtsmittel. „Von einem Widerspruch könne deswegen keine Rede sein - insbesondere nicht, soweit es um die in den Anträgen konkret genannten gesunden, aktiven und ausdauertrainierten Männer und Frauen gehe.“

Auch Bernd Nauen, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), hält die Begründung der Kommission für schwer nachvollziehbar: „Der Verweis auf Ernährungsgrundsätze ist eine politische Kategorie, und es fehlt die Auseinandersetzung, warum die konkreten Aussagen den Durchschnittsverbraucher in die Irre leiten.“ Nauen befürchtet: „Wenn diese Oberflächlichkeit Schule macht, wird die werbliche Kommunikation spürbar schwieriger werden.“

„Die Frage lautet im Grunde, wie viel Verstand man dem Verbraucher zutraut“, sagt Peter Loosen, Geschäftsführer des Bunds für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde. „Traut man ihm zu, zu erkennen, dass er Traubenzucker nur punktuell zu sich nimmt - und nicht zu jeder Mahlzeit zu essen?“ Er verweist auf ähnliche Fälle im Zusammenhang mit Salz und Fett. Auch dabei habe die Kommission gesundheitsbezogene Angaben abgelehnt - mit der ähnlichen Begründung, dass Fett und Salz eigentlich als ungesund gelten.

„Im Dextro-Energy-Fall sehen wir die Befürchtung der Kommission und des Gerichts, die Aussagen könnten Verbraucher verwirren, nicht begründet“, sagt Loosen. „Traubenzucker gibt es schon seit Jahrzehnten, es ist bekannt, ihn nur ganz gezielt zum Sport etwa zu nehmen.“

Dem Verein Food Watch gehen die Regelungen dagegen noch nicht weit genug. „Lebensmittelhersteller bewerben selbst ungesundes Junkfood, Süßigkeiten oder Zuckergetränke mit Gesundheitsversprechen - bisher ganz legal“, sagt dazu Expertin Sophie Unger. Die Kommission lege zwar fest, welche Angaben mit Gesundheitsbezug erlaubt sind. Aber für welche Produkten damit geworben werden darf, werde nicht eingegrenzt.

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dpa

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