+
Deutsche Autobauer in der Krise: Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen sich in einem gemeinsamen Kartell illegal abgesprochen haben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Kartellverdacht

EU-Kommissar: Autobauern drohen Milliarden-Strafen

Zementhersteller, Brauereien oder auch Wurstfabrikanten wurden schon von der EU wegen illegaler Absprachen zur Kasse gebeten. Nun steht die deutsche Autobranche im Fokus. Das kann teuer werden - warnt einer, der es wissen muss.

Berlin (dpa) - Angesichts des Kartellverdachts gegen deutsche Autobauer hält es EU-Kommissar Günther Oettinger für denkbar, dass die EU-Kommission Strafzahlungen in Milliardenhöhe gegen die Konzerne verhängt.

"In den vergangenen zehn Jahren hat die EU neun Kartellfälle mit Bezug zur Autoindustrie geahndet und Strafen von rund zehn Milliarden Euro verhängt. Das zeigt, um welche Größenordnungen es auch jetzt gehen kann", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung (Montag).

Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen sich laut "Spiegel" in einem gemeinsamen Kartell illegal über Technik, Kosten und Zulieferer abgesprochen haben. Mehr als 200 Mitarbeiter der Unternehmen hätten sich seit den 1990er Jahren in geheimen Arbeitskreisen abgestimmt und so den Wettbewerb außer Kraft gesetzt.

Oettinger sagte, die europäische Wettbewerbsbehörde nehme keine Rücksicht auf große Namen. Sie schrecke auch vor Strafen nicht zurück, "die den Unternehmen weh tun und abschrecken". Die Kartell-Untersuchung brauche aber noch einige Zeit. "Wir müssen prüfen, ob es sich um zugelassene Absprachen zur Normung gehandelt hat oder ob Vereinbarungen zu Lasten der Zulieferer und Verbraucher getroffen wurden."

Zum Abgasskandal sagte Oettinger, es werde sich frühestens in einigen Monaten zeigen, ob die beim Diesel-Gipfel vereinbarten Updates der Motoren-Software ausreichten. "Falls sie nicht zum Ziel führen, muss die Industrie notfalls auch mit einem technischen Umbau nachlegen, wenn sie Fahrverbote vermeiden will."

Trotz der aktuellen Diskussion über zu hohe Stickoxid-Werte der Dieselmotoren forderte Oettinger: "Wir dürfen den Diesel nicht verteufeln." Die Motoren seien erheblich effizienter als Benzin-Motoren, und stießen zudem weniger Kohlendioxid aus.

Beim Dieselgipfel am Mittwoch hatten die deutschen Autobauer zugesagt, selbst "Umstiegsprämien" für Besitzer alter Diesel zu finanzieren. Für weniger Stickoxid-Ausstoß sollen zudem 5,3 Millionen Fahrzeuge der Klassen Euro 5 und 6 eine neue Software erhalten. Darunter sind 2,5 Millionen Autos von VW, für die nach dem Skandal um Abgasmanipulationen Nachrüstungen amtlich angeordnet wurden. Umbauten an Motoren, die teurer und aufwendiger wären, lehnt die Branche ab.

Auf deutschen Straßen sind Millionen Diesel-Pkw unterwegs, die mehr Schadstoffe ausstoßen als bei Tests auf dem Prüfstand. Im Fokus steht besonders Stickoxid (NOx). Laut Umweltbundesamt reizt es die Atemwege, langfristig beeinträchtigt es die Lungen und führt zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Igitt! Mann macht Ekel-Fund in Schokolade von Aldi - danach kommt er nicht zur Ruhe
Fast jeder hat eine Lieblingsschokolade. So auch ein Mann, der in Duisburg ebenjene beim Discounter Aldi kaufte. Doch als er sie verzehren will, macht er einen echten …
Igitt! Mann macht Ekel-Fund in Schokolade von Aldi - danach kommt er nicht zur Ruhe
Italien: Keine Änderung der Schuldenpläne
Wird Italien nach Griechenland der nächste große Krisenfall in der Eurozone? Nach der Vorlage der umstrittenen Pläne zur Neuverschuldung erhöht die Politik Roms die …
Italien: Keine Änderung der Schuldenpläne
Ionity-Chef: Bei Ladesäulen für E-Autos auf gutem Weg
Ohne Ladestruktur kein Durchbruch des Elektromotors: Beim Ausbau der notwendigen Infrastruktur mischen seit einem Jahr auch die großen Autohersteller mit. Der Chef ihres …
Ionity-Chef: Bei Ladesäulen für E-Autos auf gutem Weg
Deutsche Wirtschaft: Probleme mit Türkei "offen ansprechen"
Berlin/Ankara (dpa) - Vor der Türkei-Reise von Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der kommenden Woche mahnen deutsche Unternehmen, die politischen Spannungen zwischen …
Deutsche Wirtschaft: Probleme mit Türkei "offen ansprechen"

Kommentare