EU-Kommissar will Gehaltsbegrenzung für Spitzenverdiener

- Köln - EU-Arbeitsmarkt- und Sozialkommissar Vladimir Spidla hat sich dafür ausgesprochen, die Gehälter für Spitzenverdiener zu begrenzen. "Sittenwidrigkeit hat für mich durchaus zwei Grenzen - eine nach unten und eine nach oben", sagte Spidla in einem Interview des Wirtschaftsmagazins "Capital".

Ab einem gewissen Ausmaß seien Lohnunterschiede nicht mehr zu rechtfertigen - und zwar nicht nur in einem ethisch-moralischen Sinn, sondern auch ökonomisch. "Die Idee, eine Obergrenze für Spitzenverdiener einzuführen, mag politisch schwer umzusetzen sein, aber sie ist konsequent", sagte Spidla dem Magazin.

Kurz vor der vorentscheidenden Runde der großen Koalition am Montag sagte Spidla zum Thema Mindestlohn, den die SPD in Deutschland gesetzlich einführen möchte: "20 EU-Mitglieder haben einen Mindestlohn und gute Erfahrungen damit gesammelt. Warum sollte es in Deutschland anders sein?" Arbeit müsse sich auszahlen - auch in Zeiten mit hohen Erwerbslosenzahlen und für die Menschen am unteren Ende der Produktivitäts-Skala.

Spidla warnte zudem vor einer Zunahme atypischer Beschäftigung wie Minijobs oder Zeitarbeit. "Ich halte den Boom bei den prekären Arbeitsverhältnissen für sehr gefährlich", sagte der tschechische EU- Kommissar. Zwar könne kurz nach dem Berufseinstieg das Hin- und Herspringen zwischen Jobs unter der Rubrik Erfahrung sammeln laufen. Aber es bestehe die große Gefahr, dass man dort für die Ewigkeit gefangen bleibe. Dies habe weit reichende Konsequenzen - etwa auf den Zugang zu Krediten.

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