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EU-Kommission: Weitere 15 Milliarden Euro für Chipproduktion - Deutschland hofft auf Zuschläge

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Die Konkurrenz in Asien und den USA hängt die europäische Chipbranche immer stärker ab. Das will die EU-Kommission nun mit einem Milliarden-Programm ändern.

Brüssel/Berlin - Die EU-Kommission will der ins Hintertreffen geratenen europäischen Chipbranche* mit Milliardenbeträgen unter die Arme greifen. Bis 2030 würden durch die „European Chips Act“ genannte Initiative 15 Milliarden Euro an zusätzlichen öffentlichen und privaten Investitionen mobilisiert, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag mit.

Chipmangel offenbart starke Abhängigkeit von Asien und USA

Diese Gelder würden zusätzlich zu bereits geplanten öffentlichen Investitionen in Höhe von 30 Milliarden durch bereits existierende Programme locker gemacht. Aktuell leiden vor allem Autohersteller und Elektronikkonzerne unter der andauernden Chipknappheit. Die Lieferengpässe heizen auch die ohnehin schon stark gestiegene Inflation an.

Europa hat sich in vergangenen Jahren stark von Herstellern aus Asien und den USA abhängig gemacht. Im Moment werden mehr als zwei Drittel aller modernen Halbleiter in Asien hergestellt, nur rund zehn Prozent des weltweiten Angebots wird in Europa gefertigt. Dieser Anteil soll mit Hilfe des „European Chips Act“ in den nächsten zehn Jahren auf 20 Prozent steigen, um Europas Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandskraft zu erhöhen.

Allerdings ist Geduld gefragt: „In einem wachsenden Markt müssen wir die Produktion in Europa verdrei- bis vervierfachen, um auf den angestrebten weltweiten Marktanteil von 20 Prozent zu kommen. Bis wir das aufholen, ist ein Zeitraum von fünf bis acht Jahren nötig“, sagte der Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen, Albert Heuberger, der Nachrichtenagentur Reuters.

Chip-Offensive: Positives Echo aus Politik und Wirtschaft

Das Bundeswirtschaftsministerium begrüßte das Vorhaben, das sich am 52 Milliarden Dollar schweren US-Chips-Act orientiert. „Um unabhängiger von globalen Lieferketten zu werden und die technologische Souveränität Europas zu stärken, muss Europas Anteil an der weltweiten Produktion von Chips deutlich steigen. Dafür kann der European Chips Act einen wichtigen Beitrag leisten“, sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Franziska Brantner. Die Europäische Kommission müsse den beihilferechtlichen Rahmen so setzen, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden und die Unternehmen und Mitgliedstaaten schnell starten können.

Für die Wirtschaft sei zentral, neben kleinen auch größere Halbleiter und neue Materialkompositionen mit hohem Innovationspotenzial zu fördern, sagte Iris Plöger vom deutschen Industrieverband BDI. „Die Kommission und die Bundesregierung müssen in diesem Jahr die angekündigten elf Milliarden Euro für das Design und die Produktion von Chips zur Verfügung stellen und den massiven Fachkräftemangel angehen.“

Der Digitalverband Bitkom betonte, die europäische Halbleiter-Wertschöpfungskette müsse von Anfang bis Ende gestärkt werden. „Das beginnt bei Forschung und Innovation, reicht über den Aufbau von Design-Kompetenzen bis hin zum umfassenden Produktionsausbau und schließt auch die Herstellung von Materialien und Produktionsanlagen ein.“ Hier müsse es eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie geben.

EU weicht Beihilfe-Regeln auf

Konkret sieht der „European Chips Act“ vor, dass es Staaten erleichtert wird, Werke zu fördern, die innovative Produkte herstellen. Dafür sollen Finanzierungsregeln gelockert werden. Es werde sogar möglich sein, Finanzierungslücken mit bis zu 100 Prozent Staatshilfe zu schließen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Zudem sollen Kooperationen mit internationalen Partnern erleichtert werden.

Die Subventionen sollen weitere private Investitionen anlocken. Chipkonzerne wie Intel, TSMC und GlobalWafers suchen bereits nach Standorten für Chipfabriken in Europa. Deutschland macht sich mit Dresden, Magdeburg und Penzing in Bayern große Hoffnungen auf Zuschläge. Intel-Deutschlandchefin Christin Eisenschmid bezeichnete den European Chips Act als Katalysator für EU-weite Investitionen ihres Unternehmens.

Der US-Chipkonzern denke darüber nach, seinen europäischen Fußabdruck zu vergrößern. Es wird damit gerechnet, dass in den nächsten Monaten Entscheidungen über die Standorte fallen. EU-Mitgliedsländer wie auch das EU-Parlament* müssen dem European Chips Act noch zustimmen, bevor er Gesetz wird. (rtr)

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