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Wird nun auf andere Art geschummelt? Die Autobauer sollen bei Abgastests höhere Werte angegeben haben.

Offenbar höhere Angaben bei Tests

EU wirft Autobauern neue Abgastricks vor - diesmal geht es wohl um Einsparungsziele

Die Autobauer versuchen sich anscheinend mit höheren Angaben bei Abgastests geringere Anstrengungen bei den EU-Einsparungszielen zu erschleichen. Das lassen neueste Ergebnisse vermuten.

Brüssel - Die EU-Kommission wirft Autoherstellern neue Tricks bei Abgastests vor. Erste Untersuchungen nach dem neuen Messverfahren WLTP deuteten darauf hin, dass von den Fahrzeugbauern angegebene Werte "um durchschnittlich 4,5 Prozent" über den tatsächlichen Emissionen lägen, heißt es nach AFP-Informationen vom Mittwoch in einem internen Papier der EU-Kommission. Ziel der Hersteller dürfte es demnach sein, durch höhere Angaben zum Start der neuen Tests später weniger Anstrengungen bei den EU-Einsparungszielen bis 2030 unternehmen zu müssen.

Konkrete Marken und Autobauer werden in dem Papier nicht genannt. Bei einzelnen Typenzulassungen habe die Differenz aber sogar bei "bis zu 13 Prozent gelegen", hieß es. "Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Hersteller ihre Testwagen so konfigurieren, dass die gemessenen WLTP-Emissionswerte überhöht sind."

Überhöhte Werte wohl durch Fahren mit leerer Batterie

Auf Basis von zwei im Detail ausgewerteten Fällen vermuten die EU-Experten als Ursachen für die überhöhten Werte das Fahren mit leerer Batterie. Das nötige Aufladen verbrauche dann mehr Treibstoff, hieß es. Darüber hinaus sei die Start-Stopp-Automatik des Motors während des Tests nicht aktiviert gewesen. Und auch die Motordrehzahl sei höher gewesen als erwartet.

Seit September 2017 müssen Autobauer alle neuen Modelle nach dem neuen Emissionsstandard WLTP testen. Er soll bessere Ergebnisse nach dem tatsächlichen Fahrverhalten liefern als der bisherige Teststandard NEFZ.

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Reduktionsziele der EU-Kommission bis 2025 und 2030

Die jetzt ermittelten Werte sind mit Grundlage für den jeweiligen Flottenwert der Autobauer für das Jahr 2021. Von diesem aus wird dann die nötige Reduzierung pro Hersteller bis 2030 berechnet. Die EU-Kommission will als Reduktionsziele bis 2025 zunächst 15 Prozent vorgeben, bis 2030 dann 30 Prozent.

Werden die Emissionswerte zum Beginn zu hoch angesetzt, müssten die Hersteller in ihrer Flotte später entsprechend weniger einsparen. "Die Ziele für 2025 und 2030 würden durch einen überhöhten Startpunkt geschwächt", hieß es in dem EU-Papier. "Dies würde de facto den Ehrgeiz des Vorschlags (zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes) verringern."

Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska hatte schon vergangene Woche über den Verdacht informiert, ohne Details zu nennen. "Wir haben eine mögliche Lücke bei den CO2-Emissionswerten und den Tests für Pkw und Transporter gefunden", schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Twitter. Sie und Klimakommissar Miguel Arias Cañete forderten damals in einem Brief die Mitgliedstaaten und das Europaparlament auf, das Schlupfloch zu schließen.

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afp

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