EU-Reform wird Südzucker 2007/08 mit Wucht treffen

- Mannheim - Europas größter Zuckerproduzent Südzucker wird im laufenden Jahr die mit der EU-Zuckermarktreform verbundenen Einschnitte mit voller Wucht zu spüren bekommen und rechnet deswegen mit weniger Umsatz und Ergebnis.

Die Auswirkungen der im Juli 2006 in Kraft getretenen Reform hatten mit Preisrückgängen, Exportbeschränkungen und Quotenreduzierungen bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 ihre Spuren hinterlassen. Südzucker rechnet nun mit einer Verschärfung der Situation.

"Wir gehen davon aus, dass es im Oktober noch einmal zu weiteren Marktrücknahmen durch die EU kommen wird", sagte Finanzvorstand Thomas Kölbl bei der Bilanzpressekonferenz in Mannheim. "Das haut auch den europäischen Marktführer aus dem Sessel."

Südzucker hat bereits angekündigt, zwei Werke in Deutschland (Groß-Gerau, Regensburg) zu schließen. Auch in Frankreich steht eine Fabrik in Marseille vor dem Aus. Darüber hinaus kann es in Polen kann zu Einschnitten kommen. Weitere Schließungen seien nicht ausgeschlossen, sagte Vorstandssprecher Theo Spettmann.

"Wir hoffen natürlich nicht, dass wir durch politische Bedingungen zu solchen Entscheidungen gezwungen werden." Für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 peilt Südzucker einen Rückgang beim Umsatz auf 5,1 Milliarden Euro bis 5,3 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis soll auf rund 120 bis 160 Millionen Euro sinken und erst 2009/10 wieder an den Wert von 2005/06 (450 Mio) herankommen.

Die im MDAX notierte Aktie sackte daraufhin an der Börse um 3,7 Prozent auf 16,02 Euro ab und entwickelte sich damit erneut deutlich schlechter als der Vergleichsindex. Händler beschrieben den Ausblick als schwächer als erwartet.

In 2006/07 sank das operative Ergebnis von 450 auf 419,4 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 246 Millionen Euro an nach einem Überschuss von 304,5 Millionen Euro im Jahr zuvor. Ausschlaggebend hierfür waren Wertberichtigungen bei einer französischen Tochter in Höhe von 482 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll das Nettoergebnis wieder positiv sein. Den Aktionären soll für das abgelaufene Jahr eine Dividende auf Vorjahresniveau von 0,55 Euro je Aktie gezahlt werden.

Der Konzernumsatz erhöhte sich 2006/07 um 7,8 Prozent auf 5,77 Milliarden Euro. Im Segment Zucker gingen die Erlöse um 3,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis sank um 17,3 Prozent auf 259 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll es ungefähr bei Null liegen. Der Bereich Spezialitäten, zu dem auch die Bioethanol-Tochter CropEnergies zählt, verbuchte ein Umsatzplus von 14,8 Prozent auf 1,308 Milliarden Euro und einen Ergebniszuwachs von 4,7 Prozent auf 115 Millionen Euro. Das Segment Frucht steuerte 915 Millionen Euro (Vorjahr: 541 Mio) zum Konzernumsatz bei und 46 Millionen Euro (27 Mio) zum Ergebnis. Beide Segmente sollen auch 2007/08 weiter wachsen.

"Wir hatten die Situation nicht so dramatisch eingeschätzt", resümierte Spettmann. Der Vorstandssprecher sprach von einer Überproduktion bei Zucker und "verstopften Absatzkanälen" durch die Einschränkungen bei den Exporten. Daraus entspinne sich ein "ruinöser Preiswettbewerb".

Ein großes Problem sei zudem, dass der Restrukturierungsfonds, der von den Zuckerproduzenten gespeist wird und aus dem die Betriebe entschädigt werden, die sich zur Abgabe ihrer Quoten entschließen, nicht so funktioniere wie gedacht. Weit weniger Rübenproduzenten seien zu freiwilligen Stilllegungen bereit, als sich die EU dies erhofft habe. Der Konzern geht davon aus, dass Brüssel deshalb im Herbst noch einmal die Quotenzuckerproduktion reduzieren wird.

Im laufenden Geschäftsjahr will Südzucker rund 500 Millionen Euro investieren, die Hälfte davon soll in den Hoffnungsträger Bioethanol fließen. Um die Rückgänge im Segment Zucker abzufedern sollen die Bereiche Spezialitäten und Frucht ihren Anteil am Konzernumsatz von derzeit noch 39 Prozent bis 2009/10 auf rund die Hälfte ausbauen. Bis dahin soll das operative Konzernergebnis auf mehr als 450 Millionen Euro steigen. Der Umsatz wird bei 5,4 bis 5,6 Milliarden Euro gesehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stada-Übernahme durch Finanzinvestoren gescheitert
Die Übernahme von Stada durch Bain und Cinven ist geplatzt. Für den Deal verfehlten die Finanzinvestoren knapp die erforderliche Zustimmung der Aktionäre. Die Aktie …
Stada-Übernahme durch Finanzinvestoren gescheitert
Zehn Euro für "gebührenfreies" Girokonto?
Bad Homburg/Stuttgart (dpa) - Die Wettbewerbszentrale geht erneut gegen aus ihrer Sicht irreführende Werbung einer Bank vor.
Zehn Euro für "gebührenfreies" Girokonto?
Dax startet mit leichtem Plus in die Woche
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montagnachmittag merklich an Schwung verloren und sein zwischenzeitlich klares Plus mehr als halbiert. Der Dax …
Dax startet mit leichtem Plus in die Woche
Mehr als halbe Milliarde Dollar: BMW investiert in US-Werk Spartanburg
BMW plant große Investitionen in sein Werk im US-Bundesstaat South Carolina. Rund eine halbe Milliarde US-Dollar sollen in den Standort Spartanburg fließen.
Mehr als halbe Milliarde Dollar: BMW investiert in US-Werk Spartanburg

Kommentare